Auch weniger spektakuläre Vorkommnisse, wie das Beschlagen von Fahrzeugscheiben nach der Tunneleinfahrt, können durch die Sichtbehinderung katastrophale Folgen haben.

Das Bundesamt für Strassen (Astra) gab Mitte 2002 ein Forschungsprojekt in Auftrag, mit dem Zweck, die Auswirkungen beschlagener Scheiben auf die Sicherheit in Strassentunnels zu untersuchen und die entsprechenden relevanten Einflussfaktoren zu eruieren. Weiter sollten durch die Spezialisten der Gruner AG das Ausmass des Problems, mögliche Massnahmen zur Verminderung der Auftretenshäufigkeit sowie die Entwicklung einfacher Instrumente zur Prognose erforscht werden. Die Ergebnisse liegen nun vor und sollen in die Richtlinien des Astra einfliessen.

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In der Schweiz ist das Phänomen bei rund 20 Tunnels bekannt. Betroffen sind in erster Linie längere Gegenverkehrstunnels. Bei Richtungsverkehr wird ein Scheibenbeschlag nur in besonderen Situationen wie Stau beobachtet. Messungen in Tunnels wie Eggflue, Vue des Alpes/Mont Sagne, Leissigen, Benutzerbefragungen, Windkanaltests sowie der Erfahrungsaustausch mit dem Ausland ergaben schliesslich ein eindeutiges Bild.

Der unerwartete Beschlag von Windschutzscheiben ist ein äusserst relevantes Sicherheitsproblem. Nach einem Sommergewitter oder in der kälteren Jahreszeit tritt er in einigen Tunnels gehäuft auf, während bei heissem Sommerwetter Beschlag seltener beobachtet wird. Über ein Jahr gesehen ist während gut 5% der Zeit mit Beschlag zu rechnen.

Daraus kann man ableiten, dass im Durchschnitt täglich mehr als 1000 Fahrzeuglenker mit einem unerwarteten Scheibenbeschlag konfrontiert werden. Es muss folglich davon ausgegangen werden, dass in Schweizer Tunnels jährlich einige Dutzend Unfälle auf beschlagende Scheiben zurückzuführen sind.

Bei seinen Vorschlägen hat das Forschungsteam klar unterschieden zwischen bestehenden Tunnels und Massnahmen für Tunnels in Planung, wo noch ein grösserer Handlungsspielraum besteht.

Besonders wichtig sind die Information der Öffentlichkeit und die Schulung der Verkehrsteilnehmer. Nur wer das Vorkommnis kennt, kann im entscheidenden Moment richtig und schnell handeln.

Ergänzend können tunnelseitig Warneinrichtungen vorgesehen werden. Im einfachsten Fall ist dies ein Schild «Achtung Gefahr», ergänzt mit dem Hinweis «Beschlagende Scheiben». Bei Tunnels mit regelmässigem Auftreten kann zusätzlich eine Warnlampe installiert werden, welche bei erhöhter Beschlagsgefahr aktiviert wird. Zur Steuerung der Warnanlage sind in diesem Fall die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeiten im und vor dem Tunnel zu messen.

Mit einer von den klimatischen Bedingungen abhängigen Steuerung der Tunnellüftung kann bei Tunnels mit Abluftventilation die Häufigkeit des Auftretens beschlagender Scheiben deutlich reduziert werden. Andere Lüftungssysteme sind dafür weniger geeignet. Anpassungen an der Tunnellüftung sind aber nicht nur kosten-, sondern auch überaus zeitintensiv. Es muss daher oberstes Ziel sein, die Verkehrsteilnehmenden zu sensibilisieren und ein korrektes Verhalten zu schulen.

Marcel Berner, Bundesamt für Strassen (Astra), Bern; Rudolf Bopp, Gruner AG, Basel.