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Mobiles Zahlen
Twint-Kartell: Die Banken müssen endlich zur Vernunft kommen

[Staged Picture] A person uses the Twint cashless payment system via app on a smartphone at a Twint beacon terminal in an Amavita pharmacy in Berne, Switzerland, on May 2, 2018. (KEYSTONE/Christian Beutler)
Über einen Boyokott der Konkurrenz versuchen die Banken, ihre Bezahl-App Twint zu fordern. Nun ermittelt die Weko. Quelle: © KEYSTONE / CHRISTIAN BEUTLER

Die Weko prüft, ob die Banken ein Kartell gegen Apple Pay bilden. Wichtiger wäre, dass die Banken endlich selbst ein Einsehen haben.

Kommentar  
Von Michael Heim
am 15.11.2018

Haben die grossen Schweizer Banken über ihre Kreditkartenfirmen ein Kartell gebildet, um die Bezahllösungen der grossen Handy-Firmen zu boykottieren? Haben sie ihre Marktmarkt missbraucht, um das eigene Bezahlsystem Twint in den Markt zu drücken?

Was als Vorwurf schon lange in der Luft lag – auch die Handelszeitung hat mehrfach berichtet – wird nun auch von der Wettbewerbskommission untersucht. Sie hat am Donnerstagmorgen mitgeteilt, gegen die beiden Grossbanken, die Postfinance und gegen die Kreditkartenfirmen Aduno und Swisscard eine Untersuchung zu führen. Bereits haben auch Hausdurchsuchungen stattgefunden. Und das ist gut so.

Kaum verheimlichtes Bollwerk

Unbestritten ist, dass sich die grossen Banken zu einem Abwehrbollwerk zusammengetan haben – und das auch nie verheimlichten. Nicht nur beschlossen sie gemeinsam, ihren Kunden gewisse Produkte nicht anzubieten. Sie hinderten auch andere Banken daran, mit Apple und Samsung zusammen zu arbeiten. Und das ist der wahre Skandal.

Es ist kein Geheimnis, dass beispielsweise die Kantonalbanken beider Basel und Graubündens eigentlich gerne mit Apple und Samsung kooperieren würden. Doch ihre Kreditkarten laufen über das Gemeinschaftsunternehmen Aduno, in dem Banken wie die Raiffeisen-Gruppe, BCV und die Zürcher Kantonalbank tonangebend sind. Diese wiederum sind an Twint beteiligt und wollen daher missliebige Konkurrenten wie Apple vom Markt fernhalten.

Bei der Weko-Untersuchung geht es wohl weniger um die Kleinkunden. Auch wenn es ein Skandal ist, dass die grossen Banken ihre Kunden bevormunden und in eigene Produkte zwingen, statt ihnen die Wahl zu lassen, so haben die Kunden immer noch die Wahl, sich eine neue Kreditkarte zu suchen.

Banken wurden in den Boykott gezwungen

Anders ist es bei Banken, die mutmasslich in den Boykott gezwungen werden. Sie haben langjährige Partnerschaften und sind über Verträge und finanzielle Beteiligungen an die Kreditkartenfirmen gebunden. Da wechselt man nicht einfach so zu Konkurrenz. Und beugt sich dem Druck. Auch, weil man in anderen Bereichen auf die Zusammenarbeit mit den Partnern angewiesen ist.

Die Banken haben nicht das erste Mal Ärger mit der Weko. Gerade das Kreditkartengeschäft kennen die Berner Kartellpolizisten nur zu gut, gleicht es mit seinen Regelwerken und Transferzahlungen an sich schon einem grossen Kartell. Hätte die Weko nicht schon vor Jahren eingegriffen, würde der Handel in der Schweiz noch immer massiv zu viel für Kreditkartentransaktionen bezahlen.

Doch auch in anderen Bereichen der Branchen gab es immer wieder Absprachen. Man denke nur an die internationalen Untersuchungen im Bereich der Zinsen oder der Wechselkurse. Es scheint, dass einige Banken nie aus der «guten alten Zeit» herausgefunden haben, in der man im Kreise der Bankiervereinigung alles absprechen konnte.

Kundenorientierung wäre der bessere Weg

Sollte die Weko zum Schluss kommen, dass die Schweizer Banken gemeinsam ein Kartell gebildet haben, ginge es wohl Jahre bis zu einem rechtskräftigen Urteil. Darauf kann – beim aktuellen Wandel der Technologie – niemand warten. Viel wichtiger wäre es daher, dass die Banken endlich selbst einsehen, dass es gescheiter wäre, ihre Kunden wählen zu lassen. Denn gefangene Kunden sind nie glückliche Kunden. Und die Bank zu wechseln, ist heute so einfach wie nie zuvor.

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