Und wieder dreht sich bei Novartis alles um das Salär des Konzernchefs. Als ob es bei einem Unternehmen, das gerade 54,5 Milliarden Dollar Umsatz und 14,0 Milliarden Gewinn abgeliefert hat, nichts anderes zu berichten gäbe. Immerhin versüsst Novartis seinen Besitzern – und damit über unsere Pensionskassen den meisten von uns – in ein paar Wochen mit einer üppigen Dividende das Leben, und Novartis liefert auch dieses Jahr Milliarden in die Staatskassen. Diese Kritik klingt so, wie wenn man auf einer Skitour über das Gehalt des Bergführers streiten würde, anstatt das Panorama, den Neuschnee und die Sonne zu geniessen.
Klar, Reminiszenzen sind unvermeidlich, wenn ausgerechnet Novartis wieder durch Spitzensaläre auffällt. Das Unternehmen hat eine «History», wenn es um hohe Gehälter geht. Schliesslich kommt Daniel Vasella das zweifelhafte Verdienst zu, mit seinem Gebaren eine der gehässigsten Neiddebatten losgetreten zu haben, welche die Schweiz je gesehen hat.
Doch das Feindbild Novartis taugt nicht mehr. Vas Narasimhan ist nicht Daniel Vasella. Und die Novartis von heute ist nicht mehr die von damals. Das 25-Millionen-Dollar-Gehalt, an dem sich nun so viele abarbeiten, ist kein Fantasiebetrag wie die 72 Millionen Franken, mit denen sich «Dan» damals seinen Abschied vergolden lassen wollte. Es ist Ergebnis eines transparenten Vergütungsplans, den die Aktionäre mit komfortablen 90 Prozent abgesegnet haben – eben weil sie mit den Ergebnissen zufrieden sind. Dass das System atmet, zeigt die Vergangenheit, als das Meccano sehr wohl auch schon tiefere Saläre ausspuckte.
Aus der Zeit gefallen
Die Debatte um Narasimhans Gehalt ist aus der Zeit gefallen. Kaum ein anderer Schweizer Topmanager hat in den vergangenen Jahren so viele Werte geschaffen. Nicht nur im eigenen Haus, sondern auch extern. Der Rückbau des schwerfälligen Mehrspartenhauses, das er vor acht Jahren von Joe Jimenez übernahm, hat mit Alcon und Sandoz zwei weitere Schweizer Börsenschwergewichte hervorgebracht. Gewiss, das ist nicht nur sein Verdienst, aber dass sowohl bei Alcon als auch bei Sandoz ehemalige Geschäftsleitungskollegen von Narasimhan am Ruder sind, spricht Bände für die Qualität der Kaderschmiede aus Basel.
Auch wenn sich viele daran festbeissen: Das Feindbild Novartis ist überholt. Das Unternehmen macht, was in einem leistungsorientierten System üblich ist: Stimmt die Performance, steigen die Saläre; sinkt sie, gehen sie runter. Da sollten einem andere Unternehmen eher zu denken geben. So liess sich etwa die Nestlé-Geschäftsleitung für 2024 insgesamt 74 Millionen Franken auszahlen – 10 Millionen mehr als im Vorjahr –, während Umsatz und Gewinn nachgaben und die Aktionäre angesichts eines schwachen Aktienkurses in die Röhre guckten. Ex-Konzernchef Mark Schneider kassierte bis zu seinem unfreiwilligen Abgang im August fast 10 Millionen Franken.
Da braucht sich Vas Narasimhan nicht zu verstecken. Entsprechend gelassen reagiert er mittlerweile, wenn er auf sein Gehalt angesprochen wird. Recht hat er.

