Alljährlich ist es derselbe Murks. Auf bis zu 65 Seiten wird im Compensation Report akribisch, ja wissenschaftlich dargelegt, dass die Cheflöhne bei der UBS und Credit Suisse fair und angemessen seien. Sergio Ermotti werden dank der intensiven Rechnerei fürs letzte Jahr 14,1 Millionen Franken zugeteilt, bei Tidjane Thiam sind es 12,7 Millionen.

Zwar ist es sinnvoll, dass die Salärpakete der Chefs zunehmend auf den längerfristigen Erfolg ausgerichtet werden und auch die Reputation der Bank sich in den Lohntüten von Ermotti und Thiam widerspiegeln. Anzurechnen ist Thiam auch, dass er die Bank nach Verlustjahren wieder zurück in die Gewinnzone geführt hat. 

Die goldenen Zeiten sind vorbei

An ihrer Leistung ist also nicht zu zweifeln. Doch die jährliche Knoblerei verkennt, dass zweistellige Lohnzahlungen schief in der Schweizer Grossbanken-Landschaft stehen. Die goldenen Zeiten sind im Swiss Banking nämlich seit der Finanzkrise und der folgenden Regulierungswelle definitiv vorbei. Allwo ist in den Chefetagen Automatisieren, Optimieren und Sparen angesagt. Die UBS verlegt ihre Supportdienste aus Zürich ins günstigere Biel und Schaffhausen. CS-Chef Thiam dreht ohnehin permanent an der Sparschraube.

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Denn die Geschäftsmodelle der beiden Grossbanken – weg vom kapitalintensiven und riskanten Investmentbanking und hin zur soliden Vermögensverwaltung – geben ungleich weniger her.

Obwohl die Zahl der Millionäre und Milliardäre auf dieser Welt wächst, fehlt selbst den erprobtesten Vermögensverwaltern in der Schweiz – von Europa gar nicht zu reden – jede Wachstumsphantasie. Dass die Bäume in der Branche nicht mehr in den Himmel wachsen, ist unschwer an den Aktienkursen von UBS und Credit Suisse abzulesen. Die beiden Flaggschiffe haben 2018 einen Drittel ihres Firmenwertes eingebüsst. Der ernüchternde Verlauf der Kurskurve zeigt eindrücklich, dass die Top-Bankerlöhne in der Schweiz überzogen sind.