«Wir werden in der Schweiz bei keinem Bauvorhaben mehr unter dem Namen Strabag auftreten», hatte im letzten Juni Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner versichert. Jetzt darf er das wieder. Die österreichische Strabag (9,9 Mrd Euro Umsatz, 61125 Beschäftigte) hat die Schweizer StraBAG geschluckt. Zu den 560 Mio Fr. Umsatz, welche der Bauriese in der Schweiz erzielt hat, kommen jetzt weitere 45 dazu. Zur übernommenen Gruppe mit 168 Beschäftigten gehören auch die Zürcher Firmen Witta Bau und Frey + Götschi.

Es war ein grosser Sieg vor einem Jahr, als auch das Bundesgericht der Zürcher StraBAG im Namensstreit Recht gab und der österreichische Riese danach seine Töchter Züblin-Strabag und Murer-Strabag in Züblin-Murer umfirmieren musste. Doch damit war der Streit noch nicht ausgestanden. Weiterhin waren nämlich rechtliche Schritte gegen deren Muttergesellschaft hängig, die beim Freizeit- und Einkaufszentrum Westside in Bern-Brünnen, das im Oktober eröffnet wird, und beim Neat-Los Erstfeld unter dem Namen Strabag baute.

Strategisch wichtiger Kauf

Vergeblich hatte sich der Friedensrichter im vergangenen September um eine Einigung unter den beiden Parteien bemüht. Darauf reichte die StraBAG Anfang März in Bern Klage ein, was die österreichische Strabag mit einer Gegenklage in Erstfeld beantwortete.

Jetzt wurden die Probleme mit der Übernahme aus der Welt geschafft. Die Zürcher StraBAG, deren Tätigkeitsgebiet Strassen- und Tiefbau, Belagsarbeiten und Pflästerungen umfasst, wird eine Schwester der Schweizer Strabag-Töchter Züblin-Murer, Egolf, Meyerhans und Eggstein.

Strabag-Chef Haselsteiner bezeichnet die Übernahme als strategisch wichtige Akquisition, mit der es seinem Unternehmen gelinge, «in der Schweiz zukünftig flächendeckend im Verkehrswegebau zu operieren». Verkäufer und Verwaltungsratspräsident Walter A. Brunner, bekannt geworden als Sanierer der Fussball-Sektion von GC, sieht nach der Übernahme «neue Perspektiven, welche wir alleine und trotz unserer starken Marktstellung im Grossraum Zürich nicht hätten erschliessen kön-nen». Reto Koch, VR-Delegierter der übernommenen StraBAG, stellt schliesslich fest: «Beide Unternehmungen werden gestärkt aus diesem Zusammenschluss hervorgehen.»

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Eine Frage des Preises

Die beiden bisherigen Eigentümer Brunner und Koch verbleiben weitgehend auf ihren Posten. Ergänzt wird der StraBAG-Verwaltungsrat durch zwei Vertreter aus Österreich, von denen einer Brunner als Präsident ablösen wird. Dazu kommen weiter Peter Murer (VR-Präsident Züblin-Murer) und Rechtsanwalt Alexander Vogel, der die Österreicher im Namensstreit vertreten hat. Die Bautafeln von Züblin-Murer werde man jetzt nicht wieder umspritzen, erklärt Peter Murer. Wie die Strabag-Markenpolitik in der Schweiz längerfristig aussehe, sei aber offen.

Vor einem Jahr war eine Übernahme noch an unterschiedlichen Preisvorstellungen gescheitert, wobei es offenbar nie zu einem eigentlichen Angebot gekommen war. «Wir sind ein gesundes und erfolgreiches Unternehmen und haben gar keinen Grund zu verkaufen», hatte Reto Koch damals gegenüber der «Handelszeitung» erklärt.

Über den jetzigen Kaufpreis haben die Vertragsparteien Stillschweigen vereinbart, doch darf angenommen werden, dass der Strabag-Konzern preislich ziemlich nachgelegt hat. Aufbessern muss die Strabag wohl auch ihr Angebot zum Auskauf der Minderheitsaktionäre bei der deutschen Strabag. Diese sind mit den gebotenen 260 Euro je Aktie – das würde die Strabag rund 350 Mio Euro kosten – alles andere als zufrieden.