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Renten
Überobligatorisch Versicherte zahlen drauf

Teure Rente: Wer überobligatorisch spart, hat weniger davon. Keystone

Die Löcher in der beruflichen Vorsorge werden hautpsächlich vom Obligatorium verursacht, wie neue Zahlen zeigen. Die Folge: Überobligatorisch Versicherte erhalten weniger Rente.

Von Michael Heim
am 07.06.2017

Wer mehr Geld in die Pensionskasse einzahlt, als vom Gesetz vorgeschrieben, finanziert die Löcher im gesetzlichen Obligatorium mit. Zu diesem Schluss kommen von der «Handelszeitung» zitierte Experten.

«In der zweiten Säule findet eine Umverteilung statt, die dort nichts zu suchen hat», sagt etwa Martin Eling, Professor für Versicherungswirtschaft an der Universität St. Gallen. «Da gilt der Grundsatz, dass jeder für sich selber spart.»

Umwandlungsverluste im dreistelligen Millionenbereich

Hintergrund sind die zu hohen Umwandlungssätze im Obligatorium der beruflichen Vorsorge. Diese führen bei der Pensionierung der Werktätigen zu Umwandlungsverlusten in den Büchern der Vorsorgewerke im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich.

Zahlen von Lebensversicherern zeigen nun erstmals, woher die Verluste stammen: Bei der Axa seien drei Viertel auf das Geschäft mit obligatorischen Vorsorgegeldern zurückzuführen, teilt der Versicherungskonzern mit. Bei der Baloise sind es gemäss Auskunft der Pressestelle sogar 82 Prozent. Und dies, obwohl bei beiden Versicherungsgesellschaften das obligatorische Geschäft nur etwas mehr als die Hälfte des Volumens ausmache. 

Tiefere Renten im Obligatorium

Weil die Verluste von allen Versicherten gemeinsam getragen werden, fliesst indirekt Geld an die obligatorisch Versicherten. Das zeigt sich letztlich an der Höhe der Renten. Diese sind im Überobligatorium deutlich tiefer.

Die «Handelszeitung» hat eine Modellrechnung aufgrund der 2016 von den grossen Versicherern angewandten Konditionen erstellt (siehe Grafik oben). Die Ausgangslage ist einfach: Während vierzig Jahren bezahlt ein Mann ­jedes Jahr 2000 Franken als Sparbeitrag in die Pensionskasse ein. Am Ende wird das so angesparte Kapital in eine Rente umgewandelt. Im Obligatorium käme diese mit den heute geltenden Werten theoretisch auf 583 Franken pro Monat zu liegen.

Kapital fehlt

Anders die Zahlen im überobligato­rischen Bereich: Die Monatsrenten liegen zwischen 456 Franken (Helvetia) und 540 Franken (Pax) – und damit um bis zu ­einen Fünftel tiefer als im Obligatorium. Wollen Versicherte im Überobligatorium auf die gleich hohe Rente kommen, müssen sie bis zu 27'000 Franken mehr ansparen.

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