Spüren Sie die unsichere Marktlage bei
Ihren Kunden im Private Banking? Haben Sie Reaktionen verunsicherter Kunden?

Urs Dickenmann Natürlich wollen die Kunden wissen, wie es weitergeht, das ist ganz klar. Für uns stellt sich hier in erster Linie die Frage, ob wir unsere Hausaufgaben gemacht haben oder nicht. Das heisst: Haben wir den umfassenden Beratungsprozess vollständig durchgeführt und die Risikobereitschaft und -fähigkeit der Kunden richtig adjustiert? Dann sollte es eigentlich keine Probleme geben.

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Im Moment leiden aber doch so ziemlich alle Anlageklassen unter Abgaben, auch die defensiven, sodass Kunden vielleicht doch nervös werden?

Dickenmann: Das stimmt bei uns so nicht. Unsere Mandate beispielsweise laufen sehr gut, das belegen die aktuellen Performance-Zahlen. Zudem sind wir gerade daran, ein neues Anlagethema im Bereich Total Return zu lancieren. Das ist etwas Innovatives, und wir haben die Markttrends sehr früh erkannt und kommen nun im richtigen Moment mit diesen Lösungen.

Total Return kommt doch immer dann wieder in Mode, wenn die Märkte nachgeben. Was ist daran innovativ?

Dickenmann: Unser Total-Return-Angebot zeichnet sich dadurch aus, dass es eine Vielzahl von Produkten einschliesst, die eine breite Risikostreuung erlauben. Dazu gehören Fonds und Vermögensverwaltungsmandate, strukturierte Produkte mit Kapitalschutz und diversifizierte Hedge-Fonds-Anlagen. Aber auch unsere ganz normalen klassischen Mandate – seien dies Fixed Income oder Balanced oder Kapitalgewinn – laufen dieses Jahr sehr gut.

Fixed Income läuft gut? Wie haben Sie das geschafft?

Dickenmann: Diese Mandate enthalten einen Mix von traditionellen und alternativen Anlagen. In den traditionellen Anlageklassen waren und sind wir vorwiegend in Papieren höchster Qualität investiert, was sich gerade in der aktuellen Situation auszahlt.

Können Sie den Bereich der alternativen Investments noch ein wenig spezifizieren?

Dickenmann: In den alternativen Anlagen haben wir einen höheren Anteil als unsere Mitbewerber. Wir haben zudem ein breites Verständnis von alternativen Anlagen und investieren nebst Hedge-Fonds auch in Immobilien, Rohstoffe und Private Equity.

Wie hoch ist der Anteil der alternativen Investments?

Dickenmann: Zwischen 15 und 25%, je nach Profil.

Und wie viel davon entfallen auf den Bereich Hedge-Fonds?

Dickenmann: Der Anteil an Hedge-Fonds ist unterschiedlich und hängt ebenfalls stark von den Bedürfnissen und Präferenzen unserer Kunden ab.

Und diese Hedge-Fonds sitzen nicht auf allfälligen Kreditmarktrisiken?

Dickenmann: Um diese Frage definitiv zu beantworten, ist es heute noch zu früh. Weil die Hedge-Fonds einen Teil dieser Risiken mit reingenommen haben. Aber niemand auf der Welt, glaube ich, hat heute die nötige Transparenz darüber. Das ist es ja, was heute noch etwas zu Unsicherheiten führt; es wird auch noch ein bisschen dauern, bis überall Transparenz herrscht.

Wird die Unsicherheit noch bis ins erste Quartal 2008 anhalten?

Dickenmann: Sie sprechen den Reset von Subprime-Krediten an, der im März 2008 ansteht. Es ist in der Tat so, dass sich die definitiven Auswirkungen der Subprime-Krise wohl erst zu diesem Zeitpunkt zeigen dürften. Ich möchte aber betonen, dass es gerade die Eigenschaft von sorgfältig zusammengesetzten alternativen Portfolios ist, in schwierigen Marktlagen zur Stabilität und Performance beizutragen.

Denken Sie, die Marktlage wird auf lange Sicht schwierig bleiben?

Dickenmann: Nein, ich bin zuversichtlich, dass sich die Märkte wieder erholen, weil viel Liquidität vorhanden ist. Dann beginnen die Leute auch wieder zu investieren.

Zum Private Banking Schweiz: Sie sind Nummer zwei im Markt.

Dickenmann: Gemessen an den verwalteten Vermögen, ja. Wenn man aber die Profitabilität anschaut, ist es sicher so, dass wir die Benchmark sind.

Wie ist die Positionierung und Abgrenzung gegenüber der CS-Privatbankentochter Clariden Leu, die ja auch einen starken Fokus auf den Heimmarkt hat?

Dickenmann: Der Markt ist gross genug für beide Banken. Clariden Leu ist eine reine Privatbank, während die Credit Suisse über ein global ausgerichtetes integriertes Geschäftsmodell verfügt, das auch Investment Banking und Asset Management umfasst. Wir vermeiden es deshalb, auf die gleiche Kundschaft zuzugehen, das macht keinen Sinn.

Stimmt es, dass jetzt auch im Private Banking das Feilschen um die Gebühren losgeht, also auch der vermögende Kunde preis- und gebührenbewusster wird?

Dickenmann: Der Markt in der Schweiz ist sehr hart umkämpft, das ist sicher so. Neben den etablierten Banken kommen immer mehr auch die grossen internationalen Banken hierher. Sie wollen vor allem mit den Top-Kunden, den Ultra-High Net Worth Individuals, zusammenarbeiten. Weiter versuchen auch die Raiffeisenbanken und die Kantonalbanken, immer mehr in dieses Geschäft hineinzukommen.

Erwarten Sie, dass es in der Schweizer Bankenbranche noch zu mehr Kooperationen oder Fusionen kommen wird?

Dickenmann: Ich kann mir das sehr wohl vorstellen, ja. Da sind zum einen die kleinen Häuser, die müssen sich in einem bestimmten Bereich spezialisieren. Und die mittelgrossen müssen sich entscheiden, ob sie ein Nischenplayer werden und so die Voraussetzung für weiteres Wachstum schaffen.

Wie beurteilen Sie die Zukunft des Bank- und Finanzplatzes Schweiz? Wo sehen Sie den Schweizer Finanzplatz in zehn Jahren?

Dickenmann: In zehn Jahren sehe ich den Schweizer Finanzplatz weiterhin in einer sehr starken Position.

Welche Rolle spielt dabei die von den Finanzmarktakteuren soeben gemeinsam formulierte Strategie?

Dickenmann: Mit dem Projekt «Masterplan Finanzplatz Schweiz» hat die gesamte Finanzdienstleistungsbranche erstmals gemeinsam eine Vision bis zum Jahr 2015 formuliert: Die Schweiz soll sich als globaler Top-drei-Finanzplatz etablieren. Ich glaube, dass wir gute Chancen haben, wenn das politische Umfeld so stabil bleibt, wir unserem Geschäft Sorge tragen, die Leute gut ausbilden und weiter so innovativ sind.

Der Masterplan hat hehre Ziele, zeigt aber keine konkreten Massnahmen, Meilensteine oder gar einen Zeitplan auf. Was wird jetzt konkret getan?

Dickenmann: Die Pressekonferenz von letzter Woche markiert nicht den Abschluss des Masterplans, sondern den Start einer langfristigen Zusammenarbeit für eine gemeinsame Finanzplatzstrategie. Ziel ist, die vorgeschlagenen Massnahmen in den politischen Prozess zum Start der neuen Legislaturperiode nach den Wahlen 2007 einzubringen.

Und welche konkreten Massnahmen werden nun getroffen?

Dickenmann: Es wird regelmässig ein Finanzplatz-Gipfel mit den Spitzenvertretern von Behörden, Politik und Verbänden durchgeführt. Schliesslich wollen die Verbände als Initiatoren jährlich eine gemeinsame Standortbestimmung zur Situation des Finanzplatzes durchführen. Auch wir Banken werden aufmerksam verfolgen, wie Verwaltung und Parlament die Vorschläge aufnehmen und umsetzen.

Was ist Ihr grösster Wunsch an die Politik?

Dickenmann: Dass die Stempelsteuer abgeschafft wird. Das wäre mein persönlicher Wunsch. Dies liegt auch im Interesse der ganzen Volkswirtschaft, da die auf den ersten Blick drohenden Steuerausfälle durch neue Geschäfte mehr als kompensiert werden können. Wir haben wegen dieser Steuer in den 70er Jahren Geschäfte verloren, die wir heute weiterhin bei uns haben könnten, wie zum Beispiel den ganzen Bondhandel, der nach London abgewandert ist; der könnte auch hier in der Schweiz sein.

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Steckbrief

Name: Urs Dickenmann
Funktion: Credit Suisse, Leiter Private Banking Switzerland
Alter: 50
Wohnort: Kriens LU
Familie: Verheiratet, zwei Kinder
Ausbildung: Abschluss HWS, Zürich
Karriere
- 1980–1986: Leiter Finanz und Administration des Industriebetriebs Luwa, Paris
- 1986–1999: Credit Suisse, Rechnungswesen/Controlling und Firmenkundengeschäft
- 1999–2002 Credit Suisse Private Banking, Leiter Niederlassung Luzern
- 2002–2006: Credit Suisse Private Banking, Leiter Regionen Zentralschweiz und Mittelland
- Seit 2006: Credit Suisse Leiter Private Banking Switzerland

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Credit Suisse
Im 1. Halbjahr 2007 hat die zweitgrösste Schweizer Bank einen Reingewinn von 5,918 Mrd Fr. erwirtschaftet. Der Gewinn pro Aktie beträgt 5,56 Fr., und die Eigenkapitalrendite liegt bei 27,4%. Der Konzern verwaltet 1629 Mrd Fr.

Credit Suisse Schweiz
Im Heimmarkt der international tätigen Grossbank wird ein Anteil von zirka 30% zum Gesamtergebnis des Konzerns erwirtschaftet. Das Private Banking ist das volumenmässig wichtigste Geschäftsfeld innerhalb der CS Schweiz.