Rund 200 Millionen Franken soll der schweizerisch-deutsche Handelsmilliardär Otto Beisheim in den zurückliegenden vier Jahren über seine Beisheim Holding Schweiz (BHS) für Internetinvestments spendiert haben. Der zurückhaltende Patriarch überliess dabei stets seinem langjährigen, unlängst allerdings zurückgetretenen Finanzchef Hans-Dieter Cleven die Medienpräsenz.

Dem hier zu Lande spektakulärsten Zukunftsprojekt, dem Highest-Tech-Haus Futurelife in der Chamer Vorortgemeinde Hünenberg ZG, nur wenige Meter von Clevens privatem Refugium entfernt, drehte die Beisheim Holding per Ende September nach einem auf zwei Millionen Franken geschätzten Zustupf den Saft ab. Doch jetzt wird spekuliert, dass Beisheim mit seinem gewinnträchtigsten IT-Business Kasse machen will: Angeblich bietet der bald 80-Jährige seine Mehrheitsbeteiligung an der Scout-24-Gruppe feil.

Als Kaufinteressenten werden genannt: Deutschlands grösster Zeitungsverlag, die Axel Springer AG («Bild», «Welt»), und der deutsche Kommunikationsgigant Telekom.

«Ich bin der falsche Ansprechpartner», wehrt Scout-Verwaltungsrat Hugo L. Trütsch Rückfragen ab. Sein VR-Kollege Toni Calabretti sagt nichts sa-gend: «Spekulationen kommentieren wir grundsätzlich nicht.» Er verweist lediglich auf die Anfang September verabredete Portal-Kooperation von AutoScout 24 mit dem Telekom-Internetableger T-Online.

Doch nicht nur der Scout-Automarktplatz mit einem Angebot von fast 800 000 Gebrauchtfahrzeugen und etwa 20 000 Neuwagen brummt. Die Scout 24 schaffte zuletzt knapp 100 Millionen Franken Umsatz und, wichtiger, erreichte den Break-even-Point. Für das laufende Jahr 2003 wird ein Zuwachs von 30 Prozent prognostiziert. Christian Mangstl, CEO der Scout 24, geht von einem Umsatz von gegen 130 Millionen Franken aus. Er sagt: «Die operative Gewinnmarge soll auf Ebitda-Basis deutlich zweistellig werden.»

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Clevens Abgang

Um Beisheims Konzernzentrale an der Neuhofstrasse in Baar ZG geistern seit Monaten Gerüchte, weshalb sich der Metro-Gründer von seinem über Jahrzehnte die Fäden ziehenden, ersten «Lehrsohn» Hans-Dieter Cleven getrennt hat. Fakt ist: Der illustre Geschäftsmann Cleven ist nicht mehr mit von der Partie. Gründe dafür gibt Hans-Dieter Cleven auf Anfrage der BILANZ keine an. Augenscheinlich ist, dass mit Clevens Abgang auch Beisheims Interesse am Internet stark abgekühlt ist.

Beisheims Businessmodell für Start-up-Firmen wie Scout oder auch Primus-Online sieht durchaus einen Verkauf vor, sobald der Ableger Anlaufverluste abgebaut hat und somit profitabel verkauft werden kann. Anders als Beisheims originäres Unternehmen, die Verkaufsfilialen der Metro-Handelsgruppe, erfordern Internetfirmen in kürzeren Zyklen kostspielige Investitionen in die Technik.

Springer-Vorstandschef Matthias Döpfner indes zählt von jeher zu den euphorischs- ten Propheten des IT-Business. Bei seinem Umstieg aus der «Welt»-Chefredaktion in den Springer-Vorstand hat dies Döpfner als Leiter des Ressorts Neue Medien einst bewiesen. Elektronische Einkaufsstätten bescheren dem klassischen Verlagsgeschäft Umsatzeinbussen. Um das weggebrochene Geschäft mit Zeitungsinseraten zu kompensieren, würden die inzwischen acht Online-Marktplätze der Scout-24-Gruppe perfekt in Springers Portefeuille passen.

Es scheint eine Frage des Preises zu sein. Scout-Erfinder und -Minderheitsaktionär Joachim Schoss bewertet einen Verkauf als ganz normale Geschäftsentwicklung. Das BHS-Unternehmensmodell erläuterte er der «Financial Times Deutschland» ganz simpel: Aufbauen, weiterentwickeln und verkaufen – «wenn ein attraktiver Preis geboten wird». WP

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