Beziehungsstatus: Es ist kompliziert. So würde das Schweizervolk seine Liebschaft mit der Swisscom in den sozialen Medien heute deklarieren. Seit der Aufspaltung der PTT hält die Schweiz an ihrem Liebling fest. Der Bund ist mit 51 Prozent noch immer Hauptaktionär, der Vorschlag zur Vollprivatisierung scheiterte 2006 im Nationalrat. Die Swisscom genoss jahrelang die Zuneigung des Volkes, die ihr eine Marktdominanz bescherte, welche europaweit ihresgleichen sucht. Doch es kriselt.

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Der jüngste Vertrauensbruch ist die Preiserhöhung im Privatkundenbereich Anfang April: Das Mobile- und das Internet-Abo kosten je 1.90 Franken mehr, TV und Festnetz je 90 Rappen. Pro Monat. Wer Angebote gebündelt hat, zahlt für jeden Bestandteil einzeln drauf. Betroffen ist fast die halbe Schweiz. Die Argumente dafür sind dünn: Man investiere fortlaufend in die Netzinfrastruktur, heisst es vom Unternehmen. Allein 2025 seien dafür 1,7 Milliarden Franken geflossen. Doch der Ausbau von Infrastruktur gehört zum Kerngeschäft eines Telekom-Anbieters und ist kein Sonderposten, den man auf die Kundschaft abwälzen kann.

Lange ging die Rechnung auf: Die Swisscom baute ihre Marktmacht aus, das Volk erhielt eine 1-A-Netzqualität. Doch die Swisscom verkalkulierte sich. Mit der Aufholjagd von Sunrise und Salt lassen sich die hohen Preise nicht mehr rechtfertigen. Die Qualitätsunterschiede bewegen sich längst nur noch im Prozentpunktebereich. Und die Konkurrenz bietet eine vergleichbare Netzqualität, ohne die Kundschaft zu schröpfen. Die Swisscom erhöht die Preise nicht, weil sie es muss, sondern weil sie es kann. Noch immer sieht sie sich als Love-Brand der Nation – und verschliesst dabei die Augen vor der Realität. Bereits 2025 musste sie rückläufige Marktanteile in den Bereichen Mobilfunk, Internet und TV hinnehmen. Gleichzeitig gewann der Konkurrent Salt trotz eigener Preisanpassung im März 2025 im Mobilgeschäft rund 110'000 Neuzugänge.

Und die Swisscom? Mit der Preiserhöhung löste sie eine Kündigungswelle aus, die sie offenbar selbst überforderte. Kundinnen und Kunden, die vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch machten, erlebten verzögerte Nummerportierungen, irrtümliche Gebührenrechnungen für ausserordentliche Kündigungen und einen überlasteten Kundendienst. Dabei rechtfertigt die Swisscom ihre Preise stets mit ihrem Premiumservice. In dem Fall hat sie diesen nicht erbracht.

Kurz: Die Swisscom ist drauf und dran, das hohe Ansehen, das sie bei der Bevölkerung geniesst, durch eigene Überheblichkeit zu verspielen. Wenn sie nicht zur Hate-Brand werden will, sollte sie mehr in die Beziehung zu ihren verbleibenden Kundinnen und Kunden investieren – und vielleicht auch mal an eine Preissenkung denken.