Herr Angehrn, Domo will ab Dezember drei Schweizer Fernbusstrecken betreiben. Der Bund muss noch grünes Licht geben. 
Die Fahrt von Zürich nach Bern soll gerade mal zwölf Franken kosten. Wie decken Sie die Kosten?
Patrick Angehrn: Indem wir das Geschäft mit einer maximalen Effizienz betreiben. Wir investieren dort, wo es unsere Kunden spüren, nämlich in 
die Qualität an Bord unserer Busse, und nicht in den Overhead.

Rothrist soll zur zentralen Umsteigestelle werden: 
Bauen Sie dort einen Busbahnhof?
Ja, wir wollen einen Busterminal mit einer angemessenen ­Aus­stattung bauen.

Der Verband des öffentlichen ­Verkehrs (VöV) sträubte sich anfangs gegen Ihre Pläne. Inzwischen hat 
er den Widerstand aufgegeben. Wie ­erklären Sie sich das?
Da es sich um einen Fernbusverkehr handelt und wir den subventionierten Regionalverkehr nicht konkurrenzieren wollen, werden wir freiwillig keine Verbindungen innerhalb von Tarif- und Verkehrsverbünden anbieten. Und Erfahrungen aus den Nachbar­ländern zeigen, dass Fernbusse die Bahnen zu besserem Service anspornen.

Sind Sie nicht ein Rosinenpicker? Schliesslich wollen Sie nur dort ­fahren, wo die Bahn selber profitabel unterwegs ist.
Die drei beantragten Strecken sind aus Kundensicht die interessantesten. 
Wir werden praktisch alle Landesteile bedienen. Da hat es auch unrentable Streckenteile dabei. Von Rosinenpickerei kann also keine Rede sein. Wenn man bedenkt, dass die SBB ­täglich 1,25 Millionen Fahrgäste befördern, stellen die 828 von uns angebotenen Sitzplätze pro Tag keine Konkurrenz für die Bahn dar.

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Aber Sie könnten zu einer werden.
In Deutschland hat sich gezeigt, dass nur rund 30 Prozent der Fernbuskunden vorher mit der Bahn gereist sind.

Wie bitte? Sie vergleichen das öV-Land Schweiz 
mit Auto-Deutschland?
Es gibt zurzeit meines Wissens keine besseren Studien. Jene aus Deutschland zeigt, dass die Fernbuskunden zu einem Drittel vom Auto umgestiegen sind, ein Drittel vorher nicht gereist ist und der Rest im Zug unterwegs war.

Patrick Angehrn verantwortet beim Carunternehmen Domo Reisen den Bereich Fern­verkehr. Der 40-Jährige hatte 2009 das Fernbusunternehmen ExpressBus gegründet, das er letztes Jahr verkaufte.