Der Schweizer IT- und Telekommarkt ist im vergangenen Jahr kaum noch vom Fleck gekommen. Der Gesamtumsatz stieg um 0,2 Prozent auf 30,6 Milliarden Franken.

Das ganz leichte Plus ist dem IT-Markt zu verdanken, der um 3,4 Prozent auf 19 Milliarden Franken wuchs. Dies geht aus den Berechnungen des European Information Technology Observatory (EITO) in Zusammenarbeit mit dem US-Marktforschungsunternehmen IDC hervor, die am Dienstag veröffentlicht wurden.

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Dagegen büsste der Telekommarkt 4,6 Prozent auf gerade noch 11,7 Milliarden Franken Umsatz ein, was den Gesamtmarkt nach unten zog. Damit ist der Schweizer Telekommarkt erstmals seit 2012 unter die Marke von 12 Milliarden Franken Umsatz gefallen.

Weiteres Minus in Sicht

Grund für den Taucher sind vor allem die Handys. Deren Umsätze sackten im letzten Jahr um 22 Prozent auf noch 1,6 Milliarden Franken ab. Der Markt für Smartphones sei in der Schweiz nahezu gesättigt, sagte EITO-Experte Axel Pols auf einer Medienkonferenz in Zürich.

Insgesamt wurden noch 3,3 Millionen Smartphones verkauft. Das sind 9,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig gingen die Preise zurück. Smartphones machen mittlerweile gut 92 Prozent aller Handys in der Schweiz aus. Im laufenden Jahr dürfte es erneut ein Minus geben, sagte Pols.

Hinzu kommt ein weiterer Rückgang in der Sprachtelefonie. Hier sind die Preise bereits seit Jahren auf Talfahrt und die Bündelangebote nehmen zu. «Der traditionelle Telekommarkt schmilzt ab», sagte Pols. Einzig die Datendienste wüchsen. Dies sei den leistungsfähigeren Smartphones und den immer schnelleren Handynetzen zu verdanken. Die Telekomdienstleistungen schrumpften um 1,1 Prozent auf 9,4 Milliarden Franken.

Software profitiert von Digitalisierung

Im IT-Markt ist die Software der grösste Wachstumstreiber mit einem Plus von 4,8 Prozent. In der Schweiz werde anteilsmässig wesentlich mehr für Software ausgegeben als in der EU, sagte Pols: «Das hängt mit der Digitalisierung zusammen.»

Diese werde in der Schweiz stärker voran getrieben. Denn hierzulande gebe es zahlreiche Grosskonzerne, die in ihre Kundenbeziehungssysteme und Systemarchitektur oder in die Cloud investieren würden.

Mehr Umsatz mit weniger Geräten

Aussergewöhnlich ist die Entwicklung am Computermarkt. Hier sank der Absatz erneut um 5 Prozent auf 2,1 Millionen Stück, nachdem er bereits im 2015 um 15 Prozent eingebrochen war. Aber trotz dieses deutlichen Tauchers kletterten die Umsätze um 4,7 Prozent auf 1,5 Milliarden Franken, weil die Leute und die Unternehmen zu teureren Geräten griffen. Diese Geräte können mehr, sagte Pols.

Die durchschnittlichen Ausgaben für Tischcomputer stiegen um 8 Prozent, während für Laptops rund 7 Prozent mehr bezahlt wurde, wie Pols im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda sagte. Die Umstellung auf das Betriebssystem Windows 10 sowie die anspruchsvolleren Computerspiele hätten den Absatz von höherwertigen Geräten stimuliert.

Hochwertige Tablets gefragt

Am krassesten ist die Schere bei den Tabletcomputern. Nach dem Ende des Booms im Jahr 2015 tauchten die Absätze im vergangenen Jahr nochmals um gut 9 Prozent. Weil aber Unternehmen deutlich leistungsfähigere Geräte kauften, gingen die Durchschnittspreise um beinahe 30 Prozent nach oben.

Dies sei den 2-in-1-Geräten zu verdanken. Diese sind Tablets mit speziell vom Hersteller angepassten Tastaturen. Das hat den Vorteil, dass man damit ein besonders leichtes und flaches Tablet erhält, das einfach zu verstauen ist – und fürs Arbeiten trotzdem eine vollwertige Tastatur parat hat.

IT-Markt gleicht Telekommarkt aus

Die Geräte lassen sich also als Notebook oder als Tablet einsetzen. Damit sind sie vor allem für Unternehmen attraktiver, wie Pols erklärte. Deshalb stiegen trotz des Absatzrückgangs die Tabletumsätze in der Schweiz im vergangenen Jahr um knapp 16 Prozent auf 341 Millionen Franken.

Für das laufende Jahr 2017 erwartet Pols ein Wachstum des Schweizer IT- und Telekommarktes von gut einem Prozent auf 31 Milliarden Franken. Dabei dürfte der IT-Markt um 2,5 Prozent auf 19,4 Milliarden Franken zulegen, während der Telekommarkt um 1,2 Prozent auf 11,5 Milliarden Franken schrumpfen dürfte.

(sda/jfr)