Uber hat zum zweiten Mal in knapp zwei Jahren die Lizenz für die Millionenmetropole London verloren. Die Verkehrsbehörde der britischen Hauptstadt erklärte am Montag, der Fahrdienstvermittler arbeite nicht ordentlich und gefährde die Sicherheit der Fahrgäste. Zwei Punkte, die bei Uber immer wieder bemängelt werden. Nicht nur in London, sondern weltweit. Egal, ob man mit einem Uber-Fahrer in Los Angeles oder Paris redet – das Thema ist ein Dauerbrenner. 

Der Gigant aus dem Silicon Valley fährt aber weiterhin Vollgas. Chef Dara Khosrowshahi hat für 2021 endlich Rentabilität versprochen. Bei diesen Ambitionen werden so mühselige und komplizierte Angelegenheiten wie Sicherheit der Passagiere und Arbeitsbedingungen für Fahrer gerne übersehen.

Das ist als Signal zu verstehen

Jetzt kommt eine Quittung: Das britische Verbot mag unverhältnismässig erscheinen, ist aber ein klares Signal, dass Uber fundamentale Probleme lösen muss. 

CEO Khosrowshahi zeigt sich allerdings auf Twitter als trotziges Kind, obwohl er als Nachfolger von Gründer Travis Kalanick eigentlich versprochen hat, eine demütigere Rolle als sein Vorgänger einzunehmen. Und Khosrowshahi will natürlich Berufung einlegen. Dafür hat Uber 21 Tage Zeit – und kann bis dahin weiter sein Geschäft betreiben. Uber-Fahrzeuge werden also vorerst weiter in London zu sehen sein.

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«Sie müssen sich an die Regeln halten»

Londons Bürgermeister Sadiq Khan unterstützt den Entscheid seiner Transportaufseher. «Es gibt Platz für innovative Unternehmen in London. Aber sie müssen sich an die Regeln halten», schrieb Sadiq auf Twitter. Und prangerte an, dass es unter den 45'000 Uber-Fahrern in der britischen Hauptstadt auch solche habe, welche die Sicherheit der Passagiere gefährdeten. 

Insbesondere wird beim jetzigen Verbot argumentiert, dass es eine Lücke in Ubers Sicherheitssystemen gibt. Sie habe Fahrern ermöglicht, eigene Fotos auf die Konten anderer Fahrer hochzuladen. Sie gaben sich für jemand anderes aus. Darunter waren auch Personen, die keine Lizenz hatten. So seien über 14'000 Fahrten mit unbefugten Lenkern in London getätigt worden, heisst es. 

Hat Uber ein Sicherheitsproblem?

Bereits im September 2017 entzogen die Londoner Transportbehörden TFL Uber die Lizenz. Die Begründung damals lautete unter anderem: Mangelhafte Hintergrundprüfungen der Fahrer und die Zurückhaltung des Unternehmens, Straftaten zu melden, die vermutlich von diesen Fahrern begangen wurden. Das Verbot in London schmerzte Uber damals wie heute: Die 3,5 Millionen Passagiere und 45'000 Fahrer machen rund 20 Prozent des Umsatzes aus. 

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Die Bemühungen, die Uber nach diesem Entscheid im Spätsommer 2017 an den Tag legte, zeigten Wirkung, und die Behörden gaben wieder grünes Licht für eine 15-monatige Lizenz.

«Wie bei WeWork scheint auch hier ein Silicon-Valley-Geschäftsmodell zu wanken.»

Hier geht es nicht nur um einige Fahrer

Jetzt erkannten die Transportbehörden in London anscheinend wieder Mängel bei der Identifikation von registrierten und nicht-registrierten Fahrern.

Aber es geht bei dem Entscheid um mehr als einige schwarze Schafe unter den Fahrern. Uber scheint sich nach Jahren mit Verlusten in Milliardenhöhe immer noch darauf zu konzentrieren, Marktanteile zu gewinnen und Konkurrenten auszubooten. Anstatt sich darauf zu konzentrieren, die Qualität seines Angebots zu verbessern und der Sicherheit sowie der Kundenzufriedenheit oberste Priorität einzuräumen. Und dabei die Fahrer nicht aussen vor zu lassen.

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Diese werden nämlich noch immer nicht als vollwertige Angestellte betrachtet. Und das ist das grösste Problem, das Uber seit Jahren mit sich rumschleppt. Das bemängeln Experten seit Jahren. 

Ein heikles Geschäftsmodell

Auch wenn London die Lizenz früher oder später wieder erteilen dürfte, wartet noch mehr Ärger auf Uber. Fahrer der Firma haben geklagt und gefordert, endlich den Status als Angestellte zu erhalten. Der endgültige Entscheid des Obersten Gerichtshofs im Vereinigten Königreich steht zwar noch aus, aber die Botschaft ist klar: Der Status der Uber-Fahrer muss endlich dem eines normalen Arbeitnehmers entsprechen.

Dann muss das Unternehmen nämlich auch Mehrwertsteuer und Sozialabgaben zahlen. Das würde das gesamte Geschäftsmodell von Uber auf den Kopf stellen, weil sich das Modell kaum mehr von dem eines normalen Taxibetriebs unterscheiden würde. 

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Die Regeln gelten für alle

Dieses Silicon-Valley-Geschäftsmodell, so schnell wie möglich zu wachsen, scheint, wie bereits bei WeWork, nun zu wanken. Wer die regulatorischen Schranken übersieht, und auf Biegen und Brechen die Welt erobern will, wird früher oder später mit der Realität konfrontiert. Die Frage ist, ob Uber in einer Welt gewisser Regulierung überleben kann.