Vordergründig haben die vier Dinge, welche in der Luxusindustrie zuletzt Wellen geschlagen haben, wenig bis nichts mit der Schweizer Uhrenindustrie zu tun. Aber eben nur vordergründig.
Erstens: Diese Woche hat das amerikanische Bollwerk im Detailhandel mit Luxusgütern, der Warenhauskonzern Saks Global, Konkurs angemeldet respektive Gläubigerschutz beantragt. Das hängt natürlich in erster Linie mit allzu riskanten Finanztransaktionen zusammen. Aber auch mit einer schrumpfenden Nachfrage.
Zweitens: Die beste Luxusaktie 2025 war nicht Hermès oder Richemont und schon gar nicht LVMH oder Kering. Sondern Tapestry. Zum US-Konzern gehört die Marke Coach, bekannt für Handtaschen im mittleren Preissegment. Stücke von Coach gibt es für wenige Hundert Dollar, nicht wenige Tausend Dollar.
Drittens: Rund 40 Prozent aller Luxusgüter wurden 2025 mit teils happigen Rabatten verkauft, wie eine Studie von Bain und Altagamma zeigt. Die Margen der Branche sind fast so tief wie während der Covid-Krise.
Viertens: Selbst unantastbare Marken wie Hermès, die eine sehr wohlhabende und exklusive Klientel ansprechen, sind keine Selbstläufer mehr. Potenzielle Kundinnen und Kunden stören sich immer stärker an der minutiös kontrollierten Verkaufsstrategie für die beliebtesten Produkte.
Alles in allem zeigt sich zu Beginn des Jahres also eine Situation, die der hiesigen Uhrenindustrie zu denken geben sollte. Kurz zusammengefasst: Auch die Kundinnen und Kunden der Luxusindustrie sind preisbewusst und lassen sich, wenn sie denn etwas kaufen möchten, nicht länger behandeln, als müssten sie erst beweisen, dass sie der Marke würdig sind.
Auch Reiche rechnen
Strategisch bedeutet das, dass viele Uhrenmarken demnächst zu einer Kehrtwende gezwungen sein könnten. Das in den letzten Jahren zum Mantra gewordene Rezept, Jahr für Jahr die Preise für mehr oder minder identische Produkte zu erhöhen, um so den Umsatz zu steigern oder zumindest zu halten, wird in eine Sackgasse führen. Luxuskunden zahlen gern hohe Summen, aber eben nicht für Luft. Die Branche muss endlich entdecken, dass auch Reiche rechnen, selbst wenn sie es nicht müssten.
Die Stückzahlen sind in der Schweizer Uhrenindustrie in den letzten Jahren regelrecht zusammengebrochen.
Die Stückzahlen sind in der Schweizer Uhrenindustrie in den letzten Jahren regelrecht zusammengebrochen. Die Branche hat ihre Umsätze nur aufgrund immer höherer Durchschnittspreise steigern können. Für wenige Marken mag dieser Weg in die Exklusivität aufgehen, für das Gros der Brands gilt das allerdings nicht. Oder plakativ formuliert: Ein wachsendes Uhrenunternehmen ist 2026 entweder Rolex – oder eine Firma, die es versteht, eine gut gemachte Uhr für 1500 bis 2500 Franken zu verkaufen.
In den letzten Jahren hat die Industrie ihren potenziellen Markt allzu sehr selbst verkleinert.

