Die Schweizerische Nationalbank (SNB) gibt am Donnerstag ihre geldpolitische Lagebeurteilung ab. Alle Experten gehen dabei davon aus, dass die SNB in der Geldpolitik keine Änderung vornimmt. Solche sind nicht einmal mittelfristig absehbar.

Die SNB hat zwar im Januar 2015 mit ihrem Entscheid zur Aufhebung des Euromindestkurs gezeigt, dass sie für Überraschungen gut ist. Doch diesmal ist eine solche überhaupt nicht in Sicht. Und zwar weder in die eine noch in die andere Richtung.

Denn weder liefern die internationalen Entwicklungen der SNB zurzeit einen Grund, das Regime mit Negativzinsen und Interventionen am Devisenmarkt zu verschärfen. Noch genügt das überraschend gute Wachstum der Schweizer Wirtschaft im zweiten Quartal für eine Entschärfung.

Darin sind sich alle angefragten Experten einig. «Die Nationalbank hat zurzeit keinerlei Grund, an ihrer Geldpolitik etwas zu ändern. Ihr ist wohl mit ihrer zwei Säulen-Strategie», sagt zum Beispiel der Chefökonom der UBS Schweiz Daniel Kalt. Auch Claude Zehnder von der Zürcher Kantonalbank (ZKB) und Maxime Botteron von der Credit Suisse erwarten wie 29 von 31 von Reuters befragten Analysten keine Änderungen.

Auch mittelfristig keine Änderungen

Damit wird voraussichtlich das seit mehr als anderthalb Jahren geltende Krisenregime unverändert weitergeführt. Die Experten sind sogar überzeugt, dass ein Abrücken davon nicht einmal mittelfristig absehbar ist. «Von einer Normalisierung der Geldpolitik sind wir noch weit weg», sagt Zehnder. Kalt geht davon aus, dass die SNB frühestens Ende 2017 überhaupt an einen Zinsschritt denken kann.

«Dafür muss aber vieles sehr gut laufen», sagt er. Gut laufen hiesse gemäss Kalt vor allem, dass sowohl in den USA wie in Europa die Wirtschaft kräftig wachsen wird. Das sei nämlich die Voraussetzung dafür, dass die US-Notenbank Fed bis dann die Zinsen in drei bis vier Schritten erhöhen und die Europäische Zentralbank (EZB) das Anleihenkaufprogramm bis spätestens im Sommer 2017 auslaufen lassen kann.

Zahlreiche Stolpersteine

Die Stolpersteine für ein solches Hoffnungszenario sind aber zahlreich. Einer zum Beispiel wäre gemäss Botteron, wenn die EZB das Anleihenkaufprogramm aggressiv aufstocken und die Zinsen nochmals senken würde. Nach dem jüngsten Entscheid der EZB scheine dies jedoch unwahrscheinlich zu sein.

Ein weiterer Stolperstein könnte ein Stocken der chinesischen Wirtschaft sein. In einem solchen Fall steige nämlich die Gefahr, dass China den Renminbi schwäche, sagt Kalt. Die EZB geriete damit unter massiven Druck, etwas gegen die Deflationsgefahr zu unternehmen, womit auch die SNB unter Zugzwang geraten würde.

Anzeige

US-Wahlen bewegt die Märkte nicht

Als nur geringes Risiko für die Geldpolitik dagegen stufen die drei Experten die Wahlen in den USA ein. Sollte Donald Trump US-Präsidenten werden, berge das zwar gewisse Risiken, sagt Botteron. Doch entscheidender sei, ob die Fed ihren eingeschlagenen Kurs zur Erhöhung der Zinsen fortsetzen können oder nicht.

Zehnder und Kalt weisen darauf hin, dass auch die Wahl von Trump kaum zu einem markanten geldpolitischen Richtungswechsel in den USA führen wird. Denn voraussichtlich erringen weder die Demokraten noch die Republikaner mit dem Präsidentenamt auch die Mehrheit in den beiden Parlamentskammern, sagt Kalt.

Ein Indiz für eine weitere relative Stabilität sei auch die Reaktion der Aktienmärkte auf Wahlumfragen, sagt Zehnder. «Ob gerade Clinton oder Trump oben ausschwingen - die Märkte bewegt das nicht.»

Keinen Spielraum für Verschärfung

Alle drei Experten stufen dabei die Wahrscheinlichkeit höher ein, dass die SNB ihren Krisenkurs noch für längere Zeit beibehalten muss, als dass sie ihn in absehbarer Zeit beenden kann. Gleichzeitig sehen sie kaum Spielraum für die Nationalbank, ihre Geldpolitik weiter zu verschärfen.

So sei es zwar denkbar, dass die SNB die Negativzinsen von heute -0,75 auf -1,0 Prozent erhöht, sagt Botteron. Damit würde jedoch das Risiko steigen, dass negative Zinsen auch an Kleinsparer weitergegeben werden. Eine solche Situation könnte zur Bargeldhortung führen und die Stabilität des Finanzsystems schwächen

Für den UBS-Chefökonomen Kalt ist sogar sicher, dass die SNB nur im äussersten Notfall weitergehende Massnahmen beschliessen wird. Ein solcher sei zurzeit aber weit und breit nicht in Sicht. Im Gegenteil, sagt Kalt. «Der Brexit hat gezeigt, dass das Konzept der Nationalbank auch in schwierigeren Situationen funktioniert.»

(sda/ccr)