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Luxus-Auktion
Warum Hermès-Taschen gebraucht meist teurer sind als neu

Birkin
Jane Birkin: Die nach der Schauspielerin benannte Tasche der französischen Edelmarke Hermès wird seit 1984 in Handarbeit angefertigt.Quelle: Getty Images

Sie erzielen die höchsten Preise für Taschen: Heute kommen bei der Auktion von Koller 22 Hermès-Taschen unter den Hammer.

Corinna Clara Röttker
Von Corinna Clara Röttker
am 25.06.2018

In wilden Bieterkriegen kämpfen sie um die schönsten, berühmtesten und seltensten Objekte – und treiben dabei die Preise in immer obszönere Höhen: Auktionen erfreuen sich einer grossen Beliebtheit. Und das nicht nur, wenn es um Kunst geht.

London, 12. Juni. Das Auktionshaus Christie's knackt den europäischen Rekord für den höchsten Preis, der je für eine Tasche in einer Auktion geboten wurde. Stolze 162'500 Pfund (umgerechnet etwa 213'000 Franken) erzielte eine Himalaya Niloticus Tasche aus dem Jahr 2008. Doch es ist nicht irgendeine Tasche, sondern eine Birkin Bag von Hermès. Der Name kommt vom weiss-grauen Leder, das die schneebedeckten Gipfel des Himalaya symbolisieren soll.

Krokodilleder und 450 Diamanten

Das Besondere an ihr: Sie wird aus Krokodilleder gefertigt, die Beschläge sind aus 198 Karat Weissgold, der Verschluss und das Schloss sind mit 450 Diamanten besetzt. Und vor allem: Weltweit gibt es angeblich nur weniger als 50 Stück. Ganz genau weiss das natürlich nur das französische Luxusunternehmen selbst. Sicher hingegen ist: Auch einige Stars zählen zu den stolzen Besitzern der Himalaya.

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Ebenfalls sicher ist: Bei Taschen-Auktionen ist vor allem Hermès beliebt. Auch wenn die Preise nicht immer in unendliche Höhen gehen, so verkaufen sich die Taschen auf dem Auktionsmarkt teurer gebraucht als neu im Geschäft. Denn die Rarität der Taschen gehört zum Marketingkonzept von Hermès.

Hermès Himalaya Niloticus
Himalaya Niloticus von Hermès: Eine der teuersten Handtaschen der Welt.
Quelle: ZVG

Von jedem Modell werden in Handarbeit stets nur wenige Taschen gefertigt, je nach Tasche können maximal zwei Taschen pro Woche produziert werden – von der Himalaya in den letzten Jahren höchstens zwei im Jahr. Die Wartelisten des Hauses haben unter Liebhabern schon Legendenstatus. Auch deshalb gehen viele zu einer Auktion. «Wird eine Hermès-Tasche bei einer Auktion angeboten, ist das eine echte Chance sie zu bekommen, deswegen wird auch viel für sie geboten», sagt Jara Koller vom Zürcher Auktionshaus Koller.

Hermès ist heiss begehrt

Bei der Fashion-Auktion von Koller am 25. Juni kommen neben ausgewählten Designerkleidern, edlen Accessoires auch Taschen unter den Hammer. Darunter ausgefallene Exemplare von Chanel, Dior, Louis Vuitton, Gucci oder etwa Fendi. Doch das grösste Interesse – so viel ist bereits jetzt klar – werden die Hermès-Taschen auf sich ziehen: 22 Stück stehen zur Auswahl. Darunter sind jene Klassiker wie die elegante Kelly Bag und auch die grössere Birkin ist mit dabei – in knallorange. Beide Taschen bilden den Heiligen Grahl unter allen Luxustaschen.

Birkin Bag
Knallig: Beim Zürcher Auktionshaus Koller wird eine orange Birkin Bag versteigert.
Quelle: Koller

Vor allem die Birkin Bag ist die vielleicht berühmteste Tasche der Welt, obwohl sie schlichter kaum sein könnte: zwei Henkel, eine rechteckige Form, kein Logo. Trotzdem erkennt man das Modell sofort. Der Einstiegspreis liegt bei rund 5000 Euro.

Bis zu 20'000 Franken

«Wir können jetzt schon sagen: Die orange Birkin Bag wird das mit Abstand begehrteste Objekt auf unserer Auktion», sagt Koller. «Wir haben bereits viele Angebote bekommen, ehe die Auktion überhaupt angefangen hat.» Das Besondere an ihr: Es ist nicht nur eine echte Birkin, sie ist zudem ungebraucht. «Eine Frau aus Genf hat uns die zusammen mit drei weiteren Hermès-Taschen angeboten. Sie war noch im Originalkarton, hat sogar noch die Folie auf dem Metall», sagt Koller. Beim Zürcher Auktionshaus wird die Birkin mit einem Schätzpreis von 8000 bis 12000 Franken angegeben, «bei der Auktion können es dann auch 20'000 Franken werden», sagt Koller

Das Auktionshaus verdient daran mit. Bei sehr wertvollen Objekten liegt ihre Kommission bei etwa 10 Prozent, bei weniger teuren bei maximal 20 Prozent. Allerdings machen die richtig teuren Versteigerungen nur einen kleinen Prozentsatz des Umsatzes eines Auktionshauses aus. «Der Grossteil wird mit den kleinen Objekten erzielt», sagt Koller. So wie bei der aktuellen Fashion-Auktion: «Die meisten unserer Objekte liegen unter 1000 Franken.»

Deutlich tiefer ins Portemonnaie greifen, muss der Glückliche, der letztendlich die Birkin ersteigert. Doch die Investition dürfte sich auszahlen. Denn Jahr für Jahr steigen die Preise in immer schwindelerregendere Himalaya-Höhen. Ein Ende ist vorerst nicht in Sicht.