Aus der Traum: Das Grand Hotel Locarno, das seit 2005 geschlossen ist, wird vorerst nicht wiedereröffnet. Der erhoffte Retter, René Schweri, Sohn des Denner-Gründers Karl Schweri, hat sich nach langem Hin und Her mit den Besitzern der Liegenschaft zurückgezogen. Es ging vor allem um den Preis von 20 Mio Fr. - dazu wären noch erhebliche Kosten für die Sanierung gekommen.

Trotz dieses Rückschlags gibt es eine Reihe von Schweizer Milliardären, die sich als Hotelbesitzer versuchen (siehe Tabelle) - vor allem in historischen Gemäuern - und auch in Zeiten der Wirtschaftskrise zu ihren Engagements stehen, wie eine Umfrage der «Handelszeitung» ergibt. Die schwerreichen Hoteliers sehen sich nicht als Mäzene mit Hobby-Ambitionen, sondern als Investoren mit Profit-Weitblick.

Plant Schwarzenbach Pension?

Der wohl grösste Schweizer Hotelinvestor ist der Financier Urs E. Schwarzenbach, der mit mehr als 500 Mio Fr. das «The Dolder Grand» in vier Jahren Umbauzeit zu neuem Glanz gebracht hat. Die Übernahme der Dolder Hotel AG, zu der auch das «Dolder Waldhaus» gehört, war mit 83 Mio Fr. fast schon günstig. Sein Engagement im Seehotel Sonne in Küsnacht ZH liess er sich 20 Mio Fr. kosten. Nur 6 Mio Fr. hat er in seine Beteiligung (27%) am «Suvretta House» in St. Moritz GR gesteckt - hier heisst der Hauptaktionär Martin Candrian (Candrian Catering), der seinerseits im «Dolder» engagiert ist.

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Zu den Beweggründen hinter seinem Hotelportfolio sagt Schwarzenbach: «Als Küsnachter in Küsnacht, als Zürcher in Zürich und als St. Moritzer und Freund von Martin Candrian in St. Moritz.» Zum Hintergrund seiner Investments meint er: «Pensionskasse UES.» Infolge der Wirtschaftskrise rechnet Schwarzenbach 2009 mit weniger Umsatz: «Wir können Zinsen bezahlen und Leute beschäftigen - wenn es gut geht, bleibt am Schluss noch etwas übrig.»

Schmidheiny hat grosse Visionen

Die Familie Schmidheiny (Holcim) ist seit gut 60 Jahren in die Schweizer Luxushotellerie involviert: «Das Engagement ins «Grand Resort Bad Ragaz» bildet einen festen Bestandteil in der Geschichte unserer Familie», sagt Thomas Schmidheiny. Seine Beteiligung an der Grand Resort Bad Ragaz AG, zu deren Verwaltungsrat er seit 1973 gehört, beträgt 73%.

Jünger ist sein Engagement in Klosters GR: Das Hotel Walserhof stand 2007 vor einem Eignerwechsel. Der Investor begründet den Erwerb: «Das Ziel des Einstiegs war und ist die Erhaltung eines kulinarisch hochstehenden Angebots im Prättigau.»

Anders gelagert ist Schmidheinys Interesse in Bad Ragaz SG: «Unbesehen von der familiären Bindung ist das Engagement eine auf einen nachhaltigen Ertrag angelegte Investition.» Der Verwaltungsrat hat Ende 2006 ein zukunftsweisendes Investitionsprogramm verabschiedet, für das rund 150 Mio Fr. in den Um- und Ausbau der gesamten Anlage gesteckt werden. Der «Quellenhof» wurde bereits renoviert - der «Hof Ragaz» (1. Semester) und die Tamina Therme (2. Semester) folgen 2009. Zudem werden per Mitte Jahr 50 Spa-Suiten eröffnet.

Zu seinen Ambitionen sagt Schmidheiny: «Ich habe die Vision, dass das ‹Grand Resort Bad Ragaz› das führende Health, Spa & Golf Resort des 21. Jahrhunderts in Europa wird.» Die Wirtschaftskrise hatte bislang keine Folgen für sein Portfolio, so Schmidheiny. Doch: «Die Verwerfungen werden auch am ‹Grand Resort Bad Ragaz› nicht spurlos vorbeigehen.» Er ist überzeugt, dass sich auch in Zukunft Geld verdienen lässt. «Wer auf kurzfristige Ertragsoptimierung aus ist, wird sich für andere Investitionsfelder entscheiden. Gerade in der jetzigen Situation zeigt sich, dass die Investition in ein erstklassiges touristisches Produkt durchaus nachhaltig sein kann.»

Landolt-Familie denkt langfristig

Ebenfalls auf eine langjährige Verbundenheit zur hiesigen Luxushotellerie kann die Sandoz-Familienstiftung zurückblicken, die 1964 von Edouard-Marcel Sandoz, Sohn des Gründers von Sandoz (heute Novartis), errichtet wurde. Die operative Führung liegt heute bei Pierre Landolt. Aktuell ist die Stiftung in vier Häuser investiert.

Sprecher Jörg Denzler erklärt: «Neben wirtschaftlichen Kriterien geht es uns um die Förderung von Entrepreneurship und Innovation sowie um die Pflege der Schweizer Unternehmertradition. Die Betriebe in privaten Händen zu erhalten, ist für uns eine Verpflichtung, der wir uns gerne stellen.» Trotzdem: «Auch wenn bei den Engagements ein Bezug zur Familie besteht, so sind sie immer als langfristige, an einer Wertsteigerung orientierte Investitionen ausgelegt», ergänzt Denzler. Dabei gehe es der Stiftung, wie bei allen Anlagen, immer um die Generierung eines nachhaltigen Ertrags. «Die auch unter kommerziellen Vorzeichen erfreuliche Entwicklung der vier Hotels bestätigt dies. So waren 2007 und 2008 absolute Rekordjahre mit beeindruckenden Resultaten.»

Die Sandoz-Familienstiftung sieht sich als langfristiger Investor. Entsprechend nimmt sie die Wirtschaftskrise laut Denzler gelassen: «Kurzfristig ist möglicherweise mit Ertragsschwankungen zu rechnen. Angesichts der hervorragenden Positionierung der Hotels werden diese jedoch ihre Position im Markt behaupten können.» Seit 1990 wurden in die vier Häuser bislang gegen 240 Mio Fr. gesteckt.

Straumann gegen Krise gerüstet

Thomas Straumann vom gleichnamigen Zahnimplantatehersteller begründet den Einstieg in die hiesige Luxushotellerie wie folgt: «Durch meine starke Reisetätigkeit waren Hotels viele Jahre beinahe ein Zuhause. Dies brachte mich auf den Gedanken, meine Erfahrungen in eigene Hotels einzubringen.» Wobei seine Engagements «rein persönliche Hintergründe» haben. Straumann hat seine Investitionen gegen die Wirtschaftskrise gerüstet, obwohl diese 2008 noch kaum spürbar war. «2009 wird da schon heikler.»

Die Folgen der Krise könne er schwer abschätzen: «Wir verfolgen eine sehr strenge Kostenkontrolle. Es stehen Massnahmenpläne bereit, die bei einem Ertragseinbruch zum Tragen kommen.» Er ist jedoch zuversichtlich, dass sich mit Luxushotels weiterhin Geld verdienen lässt. Daher steht er klar hinter seinen Engagements: «Wir haben viel Zeit und Herzblut in die beiden Hotels investiert. Da trennt man sich nicht einfach so schnell von heute auf morgen wieder.»