Der Legende nach ist Didier Maus ein Patron alter Schule. Diskret, zurückhaltend, nur im Hintergrund aktiv, die grossen Linien umreissend. Faktisch aber ist Maus ein aktiver Präsident, ein sehr aktiver Präsident. Vor allem bei Manor. Schliesslich handelt es sich beim grössten Warenhauskonzern der Schweiz um das wichtigste Investment der Familie.

Und um ein Sorgenkind. Auch wenn Manor seit Jahren nicht einmal mehr den Umsatz publiziert, ist es unter Detailhändlern ein offenes Geheimnis: Manor schrumpft – und verliert Kundschaft an die Konkurrenz. Und das seit Jahren.

Letzte Woche scheint das Fass für Maus übergelaufen zu sein. Auch seine jüngste Wahl für den Manor-Chefsessel, der Franzose Stéphane Maquaire, hat den Turnaround nicht hinbekommen – und wurde so rasch entsorgt, wie er vor zwei Jahren engagiert worden war.

«Didier hat die Nerven verloren»

Über die Gründe schweigt sich Manor aus. Branchenbeobachtern aber ist klar, dass Maquaires Abgang ein Zwist mit Präsident Maus vorangegangen sein muss. «Didier hat die Reissleine gezogen», sagt einer, der den Genfer Patron seit Jahren kennt. «Er hat die Nerven verloren.» Weil Maquaires Strategie für ­Manor schlicht nicht aufgegangen sei.

Tatsächlich wollte der Franzose das Warenhaus nach einem zuvor in Frankreich eingeübten und erfolgreich durchexerzierten Rezept umbauen: Manor sollte günstiger werden und dadurch mehr Kunden anlocken.

Das Problem dabei: «Im Zeitalter des boomenden E-Commerce mehr Kunden in stationäre Warenhäuser zu bekommen, ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit», sagt der Chef eines grossen Schweizer Detailhändlers. Dies umso mehr, wenn diese oft grenznah gelegenen Warenhäuser dann doch nicht günstiger sind als die Konkurrenz im Ausland. Und vor allem, wenn diese Warenhäuser textillastig sind und trotz breitem Sortiment in der Breite nicht mit Online-Anbietern mithalten können. Da half es Maquaire auch kaum, dass Manor online anständig gewachsen ist, auf geschätzte 50 bis 60 Millionen. Das ist schlicht zu wenig, um in einem Unternehmen mit Verkäufen von gut 2 Milliarden Franken einen Unterschied zu machen.

Noch mehr «Bricks and Mortar»

Dennoch glaubte Maquaire daran, dass seine Strategie Früchte tragen werde. Und er träumte, wie er der «Bilanz» anvertraute, von noch mehr Läden: in Bahnhöfen, an Flughäfen, in der Stadt Bern.

Dort eröffnet Manor demnächst tatsächlich ein neues Warenhaus, an ­bester Lage an der Marktgasse, in einer ehemaligen Filiale des konkursiten Modehändlers OVS. An der Eröffnung im Frühling ist Maquaire nicht mehr dabei. Dafür sein Nachfolger Jérôme Gilg.

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