Wenn es um den besten Ort auf diesem Planeten geht, um Hospitality-Management zu studieren, dann ist die Antwort jedes Jahr gleich: die Schweiz – die École Hôtelière de Lausanne, kurz EHL. Der Lausanner Campus ist, akademisch-gastronomisch gesprochen, ein Triple-Chocolate-Mousse-Cake aus Harvard, ETH und Stanford – das Beste der Welt. Und da ist noch mehr: In Glion, Montreux und Crans-Montana, in Luzern und Thun gibt es weitere Hotelfachschulen, die Weltspitze sind.
Die besten Hotelfachschulen, alle versammelt in einem kleinen Land, das über ein historisch gewachsenes und hochstehendes touristisches Ökosystem verfügt – die Schweiz mutet an wie ein Silicon Valley der Touristik. Schön wärs.
Die massgeblichen touristischen Massenmarkt-Innovationen der letzten 25 Jahre kamen aus den Niederlanden (Booking.com, Zoku-Hotels), aus den USA (Airbnb, Expedia, Tripadvisor, Uber) und in der Budgetdesignhotellerie aus Deutschland (25 Hours, Motel One, Prizeotel, Ruby Hotels). Die bestehenden Schweizer Touristikschulen gehören zwar zur Champions League, wirken dabei aber nicht umwerfend innovativ, sondern machen die bestehende Exzellenz exzellenter. Dagegen kann natürlich niemand etwas haben.
Doch die Frage muss erlaubt sein: Wer züchtet jene Brains, die mit ihren Touristik-Start-ups ebenso Bewegendes hinbringen wie unsere Biotech-Köpfe? Schnee von gestern haben wir reichlich. Aber wer sorgt für den Schnee von morgen?
Ein grosser Touristik-Player aus der Schweiz – ersonnen von Nicht-Touristikern
Eine Antwort darauf erhalten wir möglicherweise durch jenes Schweizer Touristik-Start-up, das in den letzten 25 Jahren wirklich weltweit rockte und die Milliardenbewertung knackte: das Tourenportal Get Your Guide. Ersonnen wurde es 2009 an der ETH Zürich von Studis der Naturwissenschaften, die zwar nichts mit der Touristikindustrie am Hut hatten. Dafür eine gute Idee unter dem Hut.
Neben aller Pflege der Branchenexzellenz sollten wir nicht vergessen, auf Quereinsteigerinnen und Querdenker zu hören. Wenn etwa einer wie Daniel Renggli eine dreifache Hotel-Flatrate erfindet, ist das eventuell nicht genau die Idee, die uns noch gefehlt hat. Aber vielleicht das Abflug-Gate für einen noch besseren Einfall. Einen Einfall, der die Schweiz dorthin bringt, wo sie hingehört: an die Spitze der touristischen Innovation.

