Durch die Zentralisierung der Einheit wird die Macht des SRG-Generaldirektors gestärkt. Neben der klassischen Aufgabe, Politik und Behörden bei Laune zu halten, gilt es für den neuen Generaldirektor, in den nächsten Jahren das Konvergenzprojekt zu implementieren. Weil die SRG vermehrt wie eine Wirtschaftseinheit geführt werden soll, sind Kandidaten mit Managementerfahrung in der Privatwirtschaft gefragt.

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Das grosse Handicap dabei: das relativ tiefe Fixgehalt von 400  000 Franken, insgesamt liegt die Vergütung bei um die 550  000 Franken jährlich.

Favorit für die Nachfolge von Armin Walpen ist der Edipresse-Chef Tibère Adler. Der 46-jährige Genfer gilt als talentierter Generalist mit Durchsetzungsvermögen, er spricht fliessend Deutsch und hat sich im kompetitiven Umfeld des Edipresse-Managements behauptet. Auch politisch wäre nach dem Walliser Armin Walpen und dem Tessiner Antonio Riva ein Romand angesagt.

Axpo-CEO Heinz Karrer, der ein Interesse vehement dementiert, bleibt dennoch als Anwärter für den Generaldirektorenposten im Gespräch. SRG-Insider geben jedenfalls zu erkennen, dass Karrer ihr Wunschkandidat wäre. Der ehemalige Ringier-CEO verfügt über politisches Flair, Managementerfahrung im Medienbereich und ein Ego, dem die stärkere öffentliche Exposure entsprechen könnte. Als Verwaltungsrat der SRG hat Karrer ausserdem noch vor seinem Rücktritt aus dem Gremium das Konvergenzprojekt mitlanciert.

Bakom-Chef Martin Dumermuth, ein respektierter Fachmann und valabler Kandidat, wurde zwar angefragt. Doch er wollte sich gar nicht erst auf das Verfahren einlassen, weil er keine Führungserfahrung in der Privatwirtschaft mitbringt, ein Kernkriterium in der Ausschreibung.

Nicht mehr in der Endrunde ist auch Elvia-CEO Jürg Wittwer, der von einer Gruppe um SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner als bürgerliche Lösung lanciert wurde. Wittwer katapultierte sich gleich selber wieder aus dem Rennen, indem er sich Ende Januar in Interviews äusserst unglücklich ins Licht rückte («Ich habe etliche Jahre als Journalist gearbeitet und hatte als Chef der Elvia immer wieder intensiven Kontakt mit den Medien»).

Nun bleibt den Bürgerlichen die Hoffnung auf den FDP-Nationalrat und SVP-Sympathisanten Filippo Leutenegger. Er ist gleich auch als möglicher Superdirektor im Rennen, falls er bei der Generaldirektorenwahl durchfallen sollte. Die SRG hat für die Besetzung beider Positionen bewusst denselben Headhunter eingesetzt, Martin Heuberger von Amrop Executive. So können auch andere Kandidaten gleich für beide Jobs geprüft werden.

Mit starkem Ego, Polit- und Medienerfahrung stünden Leuteneggers Chancen an sich gut – nur wird der rührige Charakterkopf kaum mehrheitsfähig sein. Und für den Posten des Superdirektors wird offenbar eine interne Lösung favorisiert.

Weitere Namen, über die spekuliert wird: Ex-Bundesrätin Ruth Metzler, die St.Galler Regierungsrätin Karin Keller-Sutter, die Freiburger Regierungsrätin Isabelle Chassot sowie auch der frisch ernannte welsche SRG-Direktor Gilles Marchand.