Chinas Präsident Xi Jinping hat in Sachen Sport drei grosse Träume. Zunächst soll sich die chinesische Fussball-Nationalmannschaft für eine Weltmeisterschaft qualifizieren. Dann soll China eine WM ausrichten. Und schliesslich soll das Nationalteam einen WM-Final gewinnen. Ein grosser Traum, rangiert China auf der Fifa-Rangliste zurzeit doch auf Platz 84 unter «ferner liefen».

Zwei Männer könnten Xi bei der Verwirklichung seines Traums von WM-Gold im Fussball helfen. Zunächst einmal Wang Jianlin, der reichste Mann Chinas und Chef über die Wanda Group, ein 17-Milliarden-Franken-Imperium aus Immobilien, Einkaufszentren, Kinos, Hotels und Vergnügungsparks. Im Februar dieses Jahres kaufte Wang für etwas über 1 Milliarde Franken auch den Zuger Sportvermarkter Infront.

Blatter soll Milliardenfirma bauen

Und damit kommt Xis zweiter Erfüllungsgehilfe ins Spiel: Philippe Blatter. Der Neffe von Sepp Blatter war zehn Jahre lang Chef von Infront und machte aus dem Verkäufer von Fifa-Weltmeisterschaften die zweitgrösste Sportrechtfirma der Welt. Sie vermarktet und vertritt 160 Rechteinhaber in 25 Sportarten. Vor ein paar Tagen wurde Blatter von Wang nun zum Chef von Wanda Sports befördert. Und er hat einen klaren Auftrag bekommen: Er soll das Unternehmen Wanda Sports zu einem Branchenriesen machen.

Wangs Zielgrösse ist ein Umsatz von 10 Milliarden Dollar. Neben Infront besteht Wanda Sports aus der kürzlich für 650 Millionen Dollar gekauften World Triathlon Corporation mit ihrer Marke Ironman und einem 20-Prozent-Anteil am spanischen Spitzen-Fussballclub Atlético Madrid. Teil von Letzterem ist ein Abkommen, das den Aufbau von drei professionellen Fussballschulen im Reich der Mitte vorsieht. Sie sollen sicherstellen, dass Chinas Nebenrolle im Weltfussball demnächst der Vergangenheit angehört.

Alibaba investiert ebenfalls

Doch das Team Blatter/Wang ist nicht allein. Im Gegenteil: Die Rivalität unter Xis Erfüllungshelfern ist gross. Im September gründete der E-Commerce-Gigant Alibaba von Multimilliardär Jack Ma eine neue Firma, die sich auf Investments in den Profisport konzentriert. So kaufte Ma für umgerechnet knapp 200 Millionen Dollar die Hälfte am Fussballverein Guangzhou Evergrande, dem Bayern München Chinas.

Zudem wurde diese Woche bekannt, dass chinesische Investoren – allesamt mit starken Banden zu Xis Kommunistischer Partei – 13 Prozent am britischen Premier-League-Club Manchester City gekauft haben. Für rund 410 Millionen Franken. Die Beteiligung kommt nur wenige Wochen, nachdem Xi zusammen mit dem britischen Premier David Cameron im Oktober zum Abschluss seines Staatsbesuchs das Trainingsgelände des Clubs besucht hat.

Wichtige Geldgeber in der Serie A

Für Chris Brady, Professor für Sportbusiness an der Universität von Salford, sind die jüngsten Deals erst der Anfang: «Präsident Xi Jinping ist ein erklärter Fussballfan», so Brady zur BBC. «Für ihn ist die Entwicklung des chinesischen Fussballs eine absolute Priorität. Entsprechend werden wir in naher Zukunft noch mehr Beteiligungen von chinesischen Investoren in europäischen Spitzenclubs sehen.» Für die italienische Serie A seien Chinesen bereits wichtige Geldgeber.

Doch während Wanda-Chef Wang, Alibaba-Zampano Ma und andere nur Geld in die Waagschale werfen können, um Xis Fussballphantasien zu befeuern, hat Philippe Blatter einen garantiert stechenden Trumpf in der Hand: Seinen Onkel Sepp.

Der momentan provisorisch suspendierte Fifa-Präsident wird auch nach dem Ablauf seiner letzten Amtszeit über ein einzigartiges Beziehungsnetz im Spitzenfussball verfügen, das für Präsident Xi wohl fast jeden Traum erfüllen kann. Und obwohl Philippe die Karriere bei Infront unabhängig von seinem Onkel gemacht hat, gelten die beiden als Vertraute. Und das schadet im Fussball sicher nie.