Auslöser für den Boom bei den Applikationen sind das iPhone von Apple und Googles Android-Plattform. Sie machen den Internetzugang zu einem unabdingbaren Bestandteil des Telefons und bieten auch gleich ein integriertes und vollständiges Vertriebssystem. Etablierte Hersteller von Mobiltelefonplattformen wie Microsoft, RIM (Blackberry) und Nokia ziehen nach.

Doch wie kann auf den mobilen Plattformen Geld verdient werden? Heute sind die meisten Anwendungen kostenlos, der Preis käuflicher Programme bewegt sich im Bereich von wenigen Franken Inhalte, die frei auf dem Internet verfügbar sind, können nicht mehr zusätzlich für das Mobiltelefon verkauft werden. Der Internetzugang funktioniert heute ohne Einschränkungen und ist im Daten-Pauschaltarif der Telekommunikationsanbieter eingeschlossen.

Welche Geschäftsmodelle

Das Geschäft mit dem Verkauf von Applikationen zahlt sich nur bei hohen Absatzzahlen aus. In einem kleinen Verkaufsgebiet, z.B. auf die Schweiz beschränkt, klingelt die Kasse kaum. Ohne grossen Marketingaufwand fällt ein Anbieter im Pool von zigtausenden Applikationen kaum auf. Nur wer in der Liste der 10 bis 20 meistverkauften Programme erscheint, profitiert vom kostenlosen Marketingeffekt. Ausserdem droht das latente Risiko, von einem Gratisangebot eingeholt zu werden.

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Das zweite Geschäftsmodell verkauft Werbeplätze: Hier ist einiges Potenzial vorhanden, denn auf dem Mobiltelefon kann die Zielgruppe genauer adressiert werden als mittels klassischer Werbemedien. Allerdings ist die Werbewirtschaft sehr konjunkturabhängig, was sich ungünstig auf eine langfristig sichere Finanzierung auswirken kann. Modell Nummer drei vertreibt Inhalte. Während die Distributionskosten tief sind, ist der Grundsatz «Internet = kostenlos» indes schon so stark in den Köpfen verankert, dass Konsumenten nur zahlen, wenn sie wirklich qualitativ hochstehende oder exklusive Informationen erhalten.

Mobile Commerce, das vierte Geschäftsmodell, bietet Produkte und Dienstleistungen übers Internet an, läuft sehr gut auf Desktop-PC und erfreut sich hoher Wachstumsraten. Den virtuellen Laden für Mobiltelefone anzupassen, ist für Produkte zu empfehlen, die unterwegs gekauft werden.

Modell fünf nutzt Gemeinschaften und Nutzerprofile, die sich auf dem Mobiltelefon ideal bilden lassen. Das Mobiltelefon ist sehr persönlich, immer dabei, immer eingeschaltet und immer online. Mit ihm gelingt es, das Verhalten eines Nutzers einfach zu verfolgen. Das sechste Geschäftsmodell hat hohes Erfolgspotenzial und schafft durch Aktivitäten auf dem Mobiltelefon immaterielle Werte. Dazu zählen erhöhte Kundenbindung und -zufriedenheit, Imagegewinn und mehr Effizienz bei Anbieter und Abnehmer.

 

 

nachgefragt


«Nokia kommt günstig zu genialen Ideen»

Der Professor für Strategie und Innovation an der ETH Zürich hat mit seinen Mitarbeitern untersucht, weshalb sich der Handy-hersteller Nokia auf freiwillige Programmierer verlässt.

Was bewegt einen Weltkonzern wie Nokia, mit Open-Source-Entwicklern zu arbeiten?

Georg von Krogh: Die Entwicklungskosten können gesenkt werden. Eine Technologie durch ein Patent schützen zu lassen und dann die Rechte durchzusetzen, kann teuer sein. Wenn ein Unternehmen glaubt, dass eine Technologie für die Funktionalität eines Produktes nicht kritisch ist oder für dessen Erfolg am Markt nicht entscheidend, dann kann es den Code durch eine Open-Source-Lizenz freigeben.

Wie gross ist die Kostenersparnis?

Von Krogh: Beim Modell N810 von Nokia haben etwa 30 Entwickler über 7 Mio Zeilen Open-Source-Code geschrieben. Hinzu kommen viele freie Softwareprojekte. Die Applikationen reichen von Flugsimulatoren bis zur GPS-Software. Diese Plattform hat mittlerweile über 12 000 User mit mehr als 600 Projekten. Zudem reduzieren sich bei Open-Source-Software die Lizenzgebühren. Als das Gerät lanciert wurde, hat die Lizenz für die Symbian-Software für die ersten 2 Mio Geräte über 7 Dollar pro Stück gekostet.

Wo ist der Nutzen für die freiwilligen Entwickler?

Von Krogh: Die Teilnehmer können ihre eigene Software entwerfen und sie kommen mit anderen Programmierern in Kontakt. So entsteht ein Austausch. Das gegenseitige Feedback ist wichtig. So kann sichergestellt werden, dass die Software auf anderen Geräten funktioniert. Je mehr Leute eine Software benutzen, desto besser wird das Feedback. Zudem geraten Entwickler durch die Mithilfe an solchen Projekten auf den Radarschirm von Nokia. Die Programmierer treibt auch der Ehrgeiz an. Sie wollen sich als besonders begabt auszeichnen.

Wo sind die Risiken für Nokia?

Von Krogh: Ein mit Open Source freigegebener Code lässt sich von einem Wettbewerber leicht anschauen. Auch wenn er ihn nicht 1:1 übernehmen will, können zumindest die Ideen kopiert werden. Um die Teilnehmer zur Entwicklung zu motivieren, müssen aber Informationen über neue Produkte oder Pläne von neuen Projekten preisgegeben werden. Das kann ziemlich heikel werden, wenn es um wettbewerbssensitive Informationen geht.

Wird es in Zukunft mehr solche Projekte geben?

Von Krogh: Solche Lösungen lassen sich nicht in allen Bereichen umsetzen. Bei einigen Applikationen werden aus Innovations- und Kostengründen Open-Source-Lösungen vermehrt eingesetzt werden. Zudem kommen Unternehmen so zu genialen Ideen von Aussenstehenden, die im Labor wohl nicht aufgetaucht wären.