Einen Krimi über fünf Sätze hat es gebraucht, dann war der Traum vorbei: In einem dramatischen Finale unterlag Roder Federer dem Serben Novak Djokovic in Wimbledon. Federers achter Titel im All England Club lässt weiter auf sich warten. 

Es war also Djokovic, der dieses Jahr den begehrtesten Pokal der Tenniswelt gen Londoner Himmel hob. Federer hielt neben ihm die Plakette des Zweitplatzierten und zeigte Zurückhaltung. Wer genau hinsah, konnte dennoch ein Insignium seiner Macht erkennen: eine silberne Rolex. Der Uhrenhersteller ist einer der ausgewählten Sponseren der 32-Jährigen.

Federer finanziell hervorragend aufgestellt

Federers geschäftlicher Erfolg ist sicher nicht unabhängig von seinen Triumphen auf dem Court. Dennoch hat er seine Zeit als Tennis-Superstar klug genutzt, um sich finanziell gut aufzustellen. Obwohl 2013 sportlich betrachtet nicht sein stärkstes Jahr war, verbuchte Federer laut «Forbes» Einnahmen in Höhe von 68 Millionen US-Dollar. Der Grossteil fliesst dabei von den Sponsoren.

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Federer weiss, wie viel sein Name wert ist, und lässt das seine Partner spüren – etwa die Organisatoren des Basler Tennisturniers Swiss Indoors. Federer überwarf sich mit den Veranstaltern überworfen, nachdem vergangenes Jahr sein Vertrag ausgelaufen war. Mehr als ein Jahr lang hatte Federer um seine Antrittsgage gezockt, bevor er im April dann doch darauf verzichtete und erneut unterschrieb.

Wer mit Federer Geschäfte macht, hat es mit absoluten Profis zu tun. Im Verwaltungsrat seiner Schweizer Firma Tenro, die unter anderem Fanartikel verkauft und die Rechte an Federers Bild vermarktet, sitzen neben dem Tennisprofi selber Steuerexperten der beiden Top-Wirtschaftskanzleien Wenger Plattner und Niederer, Kraft & Frey. Zum Perfektionisten Federer passt auch, dass es in seinem Umfeld kaum je personelle Rochaden gibt. In seinen Unternehmen gab es seit deren Gründung keine einzige Veränderung im Handelsregister.

Jeder Schritt als Unternehmer geplant

Allgemein scheint jeder Schritt des Unternehmers genau geplant. So haben Trittbrettfahrer seit 2001 keine Chance mehr, von seinem Namen zu profitieren. Dieser ist geschützt für fast alles, was man verkaufen kann - so auch für Wasch- und Bleichmittel, Putz-, Polier- und Schleifmittel, für Seife, Zahnpasta, Schreibmaschinen, Karton, Klebstoffe, Schuhwaren, Kopfbedeckungen, Christbaumschmuck. Vor vier Jahren liess Federer in der chinesischen Sonderwirtschaftszone Macau seinen Namen auch als Marke registrieren. Sie gilt unter anderem für den Bau von Sport- und Unterhaltungszentren sowie für die Organisation von Sportereignissen. 2010 gründete das Tennis-Ass in Bottmingen BL auch eine Firma, die Veranstaltungen im Bereich Sport, Kunst und Kultur organisiert und durchführt.

Heute ist das Unternehmen Federer millionenschwer. Das Vermögen des Ausnahmesportlers wird auf mehr als 350 Millionen Franken geschätzt. Federer wirbt für die Credit Suisse, Gillette, Nike, Mercedes, Lindt, Jura Elektroapparate, Rolex, Nationale Suisse und Wilson.

In den Millionensphären wird sich Federer noch lange bewegen, sind sich Sponsoringexperten einig. Mit seinen bisherigen Siegen sichere Federer «seinen hohen Marktpreis langfristig über sein Karrierenende hinaus», sagte Hans-Willy Brockes, Chef der Europäischen Sponsoring-Börse. Auch Ex-Fussballer und Vermarktungsexperte Günter Netzer zeigte sich überzeugt: «Federer bestätigte seinen Partnern, dass sich langfristige Verträge mit ihm lohnen.«

Sponsoringpartner akribisch ausgewählt

Seine Sponsoringpartner wählt der Baselbieter akribisch aus. Wer mit dem Unternehmen Federer schon mal Verträge aushandelte, weiss, dass diese bis über das Ende der Karriere hinaus laufen – anders als bei anderen Sportlern. Federer profitiert von mehrjährigen Kontrakten. So löste Rolex vor acht Jahren Federers damaligen Uhrensponsor Maurice Lacroix mit einem «sehr langjährigen» Vertrag ab. Federer war es dabei wert, dafür rund eine Million Franken Ablösegeld an Maurice Lacroix zu zahlen.

Zum Imperium Federers gehört auch seine Stiftung. Die Roger Federer Foundation unterstützt insbesondere Bildungsprojekte in Afrika. Auch da habe Federer höchste Qualitätsansprüche, sagt Geschäftsführerin Janine Händel, eine langjährige Schweizer Diplomatin und ehemalige Geschäftsführerin zweier Credit-Suisse-Unternehmensstiftungen.

Nicht alles kann Federer indes planen. Manchmal ist der Markt eben doch stärker als sein geschäftlicher Aufschlag. 2003 lancierte er eine eigene Kosmetiklinie und gründete dafür eine eigene Firma. Ein Eau de Toilette, ein Aftershave, ein Duschgel und ein Deo gehörten zur Produktepalette. Mit dem Slogan «Für Männer, die Herausforderungen lieben» wollte man Umsätze generieren. Doch nach sechs Jahren liquidierte Federer seine RF Cosmetics AG. Diese Herausforderung war auch für Männer seiner Statur zu gross.