Es war ein Abschied mit Ansage: Nach Wochen voller Gerüchte bestätigte die Bank Safra Sarasin Anfang März, dass sie sich aus dem schwierigen deutschen Markt zurückzieht. Nach der Liechtensteiner LGT und der Credit Suisse ist dies die dritte Schweizer Privatbank, die dem grössten europäischen Bankenmarkt den Rücken kehrt.

Doch mit der Rückzugsankündigung ist der Ärger in Deutschland für die Schweizer Bank des brasilianischen Unternehmers Joseph Safra noch lange nicht vorbei.

Für Provisionen

Im Zusammenhang mit der Pleite des deutschen Windparkbetreibers Windreich vor rund vier Jahren fühlen sich Kunden der Bank über den Tisch gezogen und verlangen Schadenersatz. Denn die Bank habe auf der einen Seite von Windreich Provisionen dafür bekommen, eine Anleihe über 70 Millionen Euro zu platzieren. Parallel hätten Berater der Bank ihren Kunden die Papiere zum Kauf empfohlen, ohne die Kunden korrekt über die Provisionsvereinbarung mit Windreich zu informieren, kritisiert Rechtsanwalt Klaus Rotter, der Bankkunden in dem Fall vertritt.

Manche Kunden hätten auf Anraten ihres Beraters ­einen erheblichen Teil ihres Portfolios in die Papiere investiert. 2013 entpuppte sich das angeblich sichere Investment als Flop, Windreich ging pleite.

Nächste Runde steht an

Die erste Runde in dem Streit ging indes an Safra Sarasin, das Landgericht Frankfurt liess im Sommer eine Klage nicht zu. Rotter hat Berufung dagegen ­eingelegt, die Entscheidung des Oberlandesgerichts Frankfurt dazu wird in den kommenden Wochen erwartet. Von Vergleichsgesprächen will die Bank laut Rotter nichts wissen. Safra Sarasin selbst wollte den Fall nicht kommentieren.

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