Unter die Top Ten hat es Ciba Spezialitätenchemie geschafft, einerseits wegen der unerwartet guten Halbjahresresultate, andererseits wegen eines angekündigten grösseren Stellenabbaus. Obwohl dieser weitestgehend über natürliche Fluktuationen abgefedert wird, haben sich die Medien darauf gestürzt. Man wundert sich: Die Frage etwa, was mit den Saurer-Mitarbeitenden passiert, hat die Medien bisher wenig interessiert.

An erster Stelle findet sich, wie nicht anders zu erwarten, der Swissfirst-Skandal, Unschuldsvermutungen hin oder her. Swissfirst hat sich das durch eine katastrophale Kommunikation selbst zuzuschreiben. Das Ganze ist aber auch ein Beispiel dafür, wie unsägliche kollektive Treibjagden nicht nur einen Botschafter, sondern eine veritable Bank in den Abgrund stürzen können.

Eng verbunden mit Swissfirst – und auf Platz zwei – ist das Transparenzproblem der Pensionskassen. Dass hier Handlungsbedarf bezüglich Kontrolle besteht, ist offensichtlich, weil PK-Verantwortliche ohne Aufsichtsinstanz mit dubiosen Anlagegeschäften immer wieder enorme Verlustgeschäfte produzieren. Der vom Boulevard über Wochen an den Pranger gestellte «Kassenwart» von Rieter hat zwar sein Vermögen wundersam vermehren können, hinterlässt aber, was man hie und dort in einem Vierzeiler lesen konnte, eine grundsolide Pensionskasse mit einer exzellenten Überdeckung.

Auf die Plätze drei und vier schaffen es die Konjunktur, vor allem wegen einer für 2007 erwarteten Verlangsamung, sowie die Kosa-Initiative. Zwei Spitzenreiter neben dem Lehrstellenmangel und der Euro 2008 bilden die Economiesuisse-Krise und der Krach in der Chefetage von Kuoni. Beide Themen sind durch ein und dieselbe Person verbunden: Walter Kielholz, in der BILANZ als einer der bestvernetzten Wirtschaftsführer gepriesen – und von andern als letztes Exemplar des Filzes beschimpft –, hat gegen erhebliche Widerstände seinen Wunschkandidaten Andreas Schmid ins Economiesuisse-Präsidium geboxt. Nach dessen Scheitern bei Kuoni wurde schlagartig klar, dass Economiesuisse nun nicht mehr nur ein personelles, sondern auch ein strukturelles und inhaltliches Problem hat. Keine mächtige Stimme für die Wirtschaft spricht hier, sondern allenfalls ein Fistelstimmchen.

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Dass Schmids Tage bei Kuoni gezählt waren, mag überraschen. Vor allem die Begründung, er habe vertrauliche (!) Fusionsgespräche geführt. Da wurde der VR-Präsident, dem die Strategie und gemäss OR das langfristige Wohl einer Firma obliegt, medial skandalisiert und totgeschrieben; nur ein paar Wochen später ereignet sich bei Saurer eigentlich viel Ungeheuerlicheres. Da aber die Marke von Saurer über die Jahre erodiert ist, während Kuoni quasi eine nationale Institution ist, kommen journalistisch unterschiedliche Massstäbe zur Anwendung. Dass bei Kuoni ein strategischer Fit im Vordergrund stand und bei Saurer lediglich das schnelle Geld, ist ja nur ein Detail.

Fazit: Kombiniert man die Hauptthemen von August und September – neues Stichwort: Insidergeschäft eines Swisscom-VR – miteinander, so geht es hauptsächlich um Gier, Filz & Co. Fortsetzung folgt!

Peter Schürmann ist Unternehmensberater für Kommunikation und VR-Präsident der Adwired AG, die auf Issue und Reputation Management für Unternehmer und Firmen spezialisiert ist.

Adwired entwickelt Lösungen für digitale Unternehmenskommunikation und unterstützt börsenkotierte Firmen mit Systemen für elektronisches Issue und Reputation Management.

Der Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft (FÖG) der Uni Zürich ist das «Kommunikations-Cern» der Öffentlichkeitsforschung. Er betreibt ein Monitoring von Kommunikationsereignissen, etwa zur Früherkennung gesellschaftlicher Trends.

Hintergründe zum Issues-Barometer auf www.reputation-management.ch.