Schon wieder brennts bei der Migros. Dieses Mal bei der wichtigsten Genossenschaft im orangen Universum – und im Ausland. Die Migros Zürich trennt sich von der Tegut-Gruppe, verkauft den Grossteil der 240 Bio-Supermärkte an Edeka.
Tegut hatte zuletzt ein grosses Loch in die Kasse der Migros Zürich gerissen. 2024 fuhr die Regionalgenossenschaft das schlechteste Jahresergebnis der Firmengeschichte ein. Der hohe Verlust «resultiert im Wesentlichen aus dem operativen Verlust der Tegut-Gruppe», hiess es damals im Finanzbericht. In den ersten Monaten 2025 lief es bei Tegut dann zwar etwas besser. Herumreissen konnte die Migros Zürich das Ruder aber nicht mehr, wie sich jetzt zeigt.
Tegut ist nicht die einzige Ausland-Offensive, die der orange Riese ennet der Grenze gestartet hat. Blick stellt dir einige gescheiterte Auslandsexpansionen der Migros vor.
Gries Deco Company: Deutschland
Im Jahr 2009 erwarb die Migros eine Mehrheitsbeteiligung an der Gries Deco Company mit Sitz im deutschen Niedernberg. Das Unternehmen mit derzeit 285 Deko-Geschäften in ganz Deutschland ist in der Schweiz wenig bekannt. Viel geläufiger dürfte der Name einer Tochterfirma des Konzerns sein, die lange auch hierzulande vertreten war: Depot. Im Januar 2025 meldete die Einrichtungskette in der Schweiz Konkurs an – 34 Filialen mussten per sofort schliessen, 300 Angestellte verloren ihren Job.
Auch die Migros hatte mit dem Erwerb der Gries Deco Company kein Glück: Zehn Jahre nach dem Kauf trennte sie sich 2019 wieder vom deutschen Händler und verkaufte ihre 90-prozentigen Anteile an Geschäftsführer Christian Gries (55). Das Investment kostete die Detailhändlerin 400 Millionen Franken.
Konsum: Österreich
In den 1990er Jahren wagte die Migros einen Abstecher nach Österreich. 1993 unterzeichnete sie einen Kooperationsvertrag mit dem österreichischen Grossverteiler Konsum, die Konsum-Migros Warenhandels GmbH & Co KG war geboren. Beide Parteien waren zu 50 Prozent am Zusammenschluss beteiligt. Nur zwei Jahre später scheiterte der Expansionsversuch kläglich: der strategische Partner Konsum ging pleite, die Migros zog sich zurück. Damit gingen rund 170 Millionen Franken flöten.
Aciso Fitness: Deutschland
Zehn Jahre lang mischte die Migros auch im ausländischen Fitness-Business mit. 2012 stieg die Migros Zürich mit dem Kauf der Aciso Fitness & Health GmbH ins Geschäft mit ausländischen Fitnessstudios ein. In Deutschland, Österreich und Belgien konnte sie sich mit Premium-Fitness-Zentren wie Elements und den Franchising-Konzepten Injoy und FT-Club zu einem Giganten im europäischen Fitness-Markt etablieren. Die Aciso-Gruppe war 2022 mit einem Umsatz von 400 Millionen Euro der zweitgrösste Player im europaweiten Fitnessgeschäft.
Dann machte die Corona-Pandemie dem orangen Riesen einen Strich durch die Rechnung. Plötzlich brachen die Einnahmen ein. Die Folge: Im Februar 2022 gab die Migros Zürich bekannt, das Geschäft rückwirkend an den Finanzinvestor Lafayette Mittelstand Capital zu verkaufen. Covid habe zu einem starken Umbruch in der Fitness-Welt geführt, erklärte damals eine Migros-Sprecherin gegenüber Blick. Die Aciso-Mutter hatte 2020 der Migros Zürich sorgar mit Darlehen und Forderungsverzichten im tiefen zweistelligen Millionenbereich aushelfen müssen. Über die Verkaufssumme wurde Stillschweigen vereinbart.
Mibelle-Tochter Gowoonsesang Cosmetics: Südkorea
Eine weitere Fehlinvestition tätigte die Migros im asiatischen Markt. 2018 übernahmen die Detailhändlerin und ihre Tochter Mibelle eine Mehrheitsbeteiligung an der südkoreanischen Firma Gowoonsesang Cosmetics. Der Einstieg in den boomenden asiatischen Kosmetikmarkt sollte die globale Präsenz von Mibelle stärken. Doch der Erfolg blieb aus: Im Dezember 2024 verkaufte die Migros Gowoonsesang mit den gut 200 Mitarbeitenden an den französischen Kosmetikriesen L'Oréal. Wie viel Geld der Detailhändler damit verbrannte, ist nicht bekannt. Über die Bedingungen des Verkaufs und den Preis habe man ebenfalls Stillschweigen vereinbart, erklärte die Migros damals.

