In der Gemeindekasse von Zollikon werden künftig etliche Promille des bisherigen Steueraufkommens fehlen, nachdem der russische Schnapszar Juri Shefler seine Residenz an der Goldküste geräumt hat. Er hat sich in Genf ein neues Domizil eingerichtet. Dort lässt es sich müheloser untertauchen als am überschaubaren Zürichsee. Russlands Generalstaatsanwaltschaft nämlich schrieb, inspiriert von Wladimir Putin, den Multimillionär vor zwei Jahren zur Fahndung aus.

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Angeblich soll Shefler einem Vizeminister mit Mord gedroht haben. Zurzeit zeichnet sich ein Waffenstillstand ab in den Scharmützeln zwischen der russischen Regierung und Shefler um die Markenrechte an rund 45 Wodkamarken wie den Bestsellern Stolichnaya oder Moskovskaya. Die Lizenzen hat der 37-jährige Jungunternehmer 1997 für umgerechnet lumpige 445 000 Franken gekauft.

Der wahre Wert dürfte hundertmal so hoch sein.

Den Schnäppchenpreis konnte sich Shefler nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und unter der Präsidentschaft des selbst wodkaseligen Boris Jelzin eigenhändig gewähren. Er amtete damals als Chef der Staatsdestille Soyusplodoimport. Shefler gründete unauffällig eine eigene Firma mit beinahe identischem Namen, liess lediglich ein «o» verschwinden.

Sheflers private Soyusplodimport schluckte sodann sämtliche werthaltigen Markenrechte. In Genf ging gleichzeitig eine S.P.I. Group ins Verkaufsrennen, flutet seither weltweit mehr als 25 Millionen Liter Wodka jährlich in Verkaufsregale und buchte bereits 2002 knapp eine Milliarde Franken Umsatz. S.P.I. steht für Spirits Product International.

Die Genfer Holding schaffte es in der Folge problemlos, die Marken in mehr als 100 Nationen für sich schützen zu lassen. Reihenweise bestätigten zuletzt Gerichte in aller Herren Ländern die Rechtmässigkeit der in Genf eingelagerten S.P.I.-Lizenzen. WP