Das wichtigste Möbelstück ist für sie der Esstisch. Der eine steht draussen vor der Fensterfront, der andere drinnen. Je nach Wetter wird am Mittag hier oder dort gedeckt. «Das gemeinsame Mittagessen ist für uns der Fixpunkt im Tagesablauf», so Andres Gruner. Das tägliche Treffen am Tisch sei eine Art informelle Familienkonferenz. Gemeinsam werde gegessen und genossen, berichtet und gelacht. Man tauscht Befindlichkeiten aus, nimmt Anteil an Sorgen, informiert, schmiedet Pläne, verteilt Aufgaben, organisiert das Zusammenleben. Andres Gruner ist ein neugieriger Mensch, wissbegierig und aktiv. Er verfolgt das Zeitgeschehen, interessiert sich für kulturelle, soziale und politische Zusammenhänge, denkt ganzheitlich vernetzt und übernimmt Verantwortung. Wer am Puls der Zeit sein wolle, brauche Informationen und bilde sich danach die eigene Meinung. Als Kommunikationsprofi nutzt er auch das Internet. Beim «Googeln» stosse man auf Chancen. Im September 2003 habe er ohne Kaufabsichten den Basler Immobilienmarkt angeklickt. Unglaubliches entdeckte er: Stand doch ein Haus im Gellert zum Kauf. Gruner kannte die Gegend. Als Kind habe er in den Ferien bei seiner Tante in jenem Park gespielt.

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Das angebotene Objekt war tatsächlich eines der sechs Häuser, die der Architekt Prof. Martin Burckhardt anno 1961 dort zwischen die Bäume in den Park baute. Sein Grundriss ist ein Rechteck von 7 x 20 m, der Bau dreigeschossig und im Parterre mit der Wohnebene zu beiden Gartenseiten hin grossflächig verglast. Im ersten Stock gibt es zwei Bäder, den Wirtschaftsraum und die vier Schlafzimmer mit einem durchgehenden Balkon vor den Glasfronten. Die schlichte Anmutung dieser Häuser gefällt nicht allen. Doch Andres und Salomé schätzen die Moderne, so auch die Sachlichkeit dieser Architektur. Die Offenheit zum Parkgarten und die durchdacht organisierte Raumfolge im Hausinnern entsprechen ihrem ästhetischen Empfinden wie auch ihren Wohnvorlieben: «Verschnörkelte Scheinwelten und Repräsentiergehabe liegen uns nicht.»

Eine Auflage ist mit dem Grundbesitz verbunden und mit der kann Gruner gut leben: Die Grosszügigkeit der sechs Hektaren umfassenden Parkanlage muss in ihrem Ursprung erhalten bleiben. Die Hauseigentümer verpflichten sich, die Pflege der Bäume von Spezialisten ausführen zu lassen, ihre Grundstücke nicht mit Zäunen einzugrenzen und keine individuellen Bepflanzungen vorzunehmen, ausser unmittelbar am Haus. Gerade jene um die hundert Jahre alten Bäume mit ihren Rindenstrukturen wollte er gerne als Nachbarn haben. Motiviert habe ihn auch das unterirdische Schwimmbad. Nicht um zu baden, sondern für sein Experimentieratelier.

Sie wagten den häuslichen Aufbruch

Salomé und Andres Gruner haben sich in den 70er Jahren an der Kunstgewerbeschule Basel (jetzt Hochschule für Gestaltung und Kunst) kennen gelernt. Sie wurden ein Paar und als diplomierte Grafikdesigner berufliche Partner im eigenen Atelier für Werbung und Grafik. Nach der Geburt der Tochter 1980 änderte sich die Situation, die Rollen wurden neu verteilt. Salomé, inzwischen Mutter von zwei Töchtern und zwei Söhnen, übernahm die Pflichten daheim und organisiert Haus, Verpflegung und Familie. Andres führt gemeinsam mit Peter Brenneisen die 1982 gegründete Kommunikationsagentur. Wichtiger Leitsatz in Gruners Beratertätigkeit ist: «Wer es wagt, Erstarrtes aufzubrechen, setzt positive Impulse und findet einzigartige Lösungen.» Was für ihn im Beruf gilt, nutzt er auch privat.

Passionierte Kunstsammler

Die gemeinsamen Interessen von Salomé und Andres Gruner gehen weit über Geschäft und Gedeihen der Kinder hinaus. Sie sammeln Kunst und besuchen Kunst- und Architekturausstellungen im In- und Ausland. Sie lieben Konzert- und Theaterbesuche und verfügen über eine bemerkenswerte Bibliothek mit Büchern zu Themen wie Philosophie, Architektur, Kunst und Design. Manchmal fahren sie mit ihrer «Harley-Davidson» los. «Selbst bei der kleinsten Tour auf spüren wir Freiheit, es ist wie ein Vitaminschub», lachen sie. Nein. Ferien machen sie keine. Weshalb auch? Ihnen sei es wohl daheim, sehr oft im Kreis gleichgesinnter Freunde. Strandleben sei nicht ihr Ding. Erholung finden sie im kulturellen Engagement, im Zusammentreffen mit interessanten Leuten. Gruner liebt die Debatte. Fantasielose Small Talker langweilen ihn. Mutlose Kunden, die wenig wagen, versucht er aufzurütteln. «Anspruchsvolle Aufgaben fordern mich heraus», sagt er. Privat wagt er den häuslichen Aufbruch. Er werde die Bauleitung selber übernehmen und sogar eigenhändig renovieren.

Die Entscheidung fiel rasch: Haus und Park warben für sich. Zwar wirkte der Bau noch etwas verwahrlost, war er doch seit einem Jahr unbewohnt. Das Buschwerk streifte Fassade und Fenster, Äste neigten sich schwer über das Dach, der Patio mit der hoch über das Haus hinausgewachsenen Eiche war verwildert, durch die grossen Fenster drang nur noch wenig Licht. Doch die gute Wohnqualität war erkennbar und sogar der winterliche Park zeigte jene Grandezza, die das Haus vermissen liess. Die Bausubstanz war gut, umzubauen gab es wenig. Im Januar begannen sie mit Renovieren. Gruner verdoppelte seinen Arbeitseinsatz, war tagsüber in seiner Firma Unternehmer im dunklen Anzug und nachts in seinem zukünftigen Domizil Handwerker in alten Hosen. «Das Planen und das Werken auf dem Bau haben mir unheimlich Spass gemacht.» Und erst recht das Resultat.

Das Haus ist innen von oben bis unten neu gestrichen. Bäder wie auch die Küche wurden erneuert. Die italienische Strato-Küche vom Wohnbedarf Basel ist schmucklos und zweckmässig, und sie hat keine Oberschränke. «Sie engen bloss ein», findet Salomé. Zudem wolle sie gern auf deren Stauraum verzichten. Der verleite bloss dazu, Dinge aufzubewahren, die man eh nie brauche. Dafür gibt es die kleine Theke fürs Frühstück, das in dieser Familie zeitlich individuell mit unterschiedlichen Essgewohnheiten eingenommen wird. Bei der Material- und Formenwahl folgen sie dem sachlichen Baustil. Dazu passen die raffiniert einfachen Armaturen aus Chromnickelstahl von Boffi aus Italien. «Goldene Armaturen wären genauso fehl am Platz wie nostalgisch anmutende Küchenmöbel», so Gruner. Die Böden in Küche und Bad sind aus schwarzem brasilianischem Schiefer, Plattenmass und Verlegart mit dem Marmorboden von 1961 identisch. Für das Obergeschoss mit den Schlafräumen wählte man durchgehend einen Holzboden aus geölter Eiche.

Im April 2004 sind sie eingezogen und stellten freudig überrascht fest: «Unsere Möbel passen wie für diese Räume gekauft.» Kein Wunder, ihre Einrichtung besteht mehrheitlich aus Designklassikern, die dieser zeitgenössischen Architektur entsprechen. Das Ambiente ist diskret und leise, die Farben zurückhaltend. Man spielt mit Weiss über Grauschattierungen bis hin zum Schwarz. Sparsam werden rote Akzente gesetzt. Im Entrée übereck gesetzt das rote «Poligone» von Andres Gruner (1987) sowie ein rotes Alu-Objekt von Rémy Zaugg, in der Bibliothek der rote Ledersessel, im Wohnraum das rote Bild, im Einbauschrank die «rote Bar», im ganzen Haus im roten Originalton von 1961 die Rahmen der Fenster und Schiebetüren und abends schmückt draussen das von Gruner kreierte siebzig Meter lange rote LED-Objekt die beiden Gartenmauern, die das Grundstück zur Gellertstrasse hin sowie zum Privatweg hin schützend abgrenzen.

Ein Hallenbad ist nicht zu verantworten

Die Wendeltreppe führt auch ins Untergeschoss. «Weshalb wird es in Kellergeschossen immer so miefig grau und ungemütlich?», fragte sich Gruner und entwickelte ein Farb- und Lichtkonzept. Der helle Eichenboden auch hier unten, dazu das Rot für die Wände, eine attraktive Lichtinstallation, die durch den langen Korridor führt. Ganz hinten helle Vielfarbigkeit. Wir sind auf dem Weg ins Atelier, in das unter der Erde liegende ehemalige Schwimmbad. Der Einbau eines Oberlichtes war der einzige bauliche Eingriff. Draussen liegt es, auf den ersten Blick als Lichteinfall nicht erkennbar, wie eine geheimnisvolle schwarze Skulptur neben dem Haus im Rasen. Unter der Verglasung wird experimentiert. «Meine Bilder sind keine Kunstwerke», sagt Gruner. Er bringe seine Gedanken und Gefühle auf sehr persönliche Weise auf Papier, Leinwand, Stein.

«Wohnen heisst für mich auch malen»

Bei der Hausbesichtigung stossen wir auf seine Denkfragmente. Zum Beispiel im Wohnraum das zwischen 1998-2001 entstandene rote Bild mit dem Satz: «Stille ist das Schönste, was ein hektisches Leben begleiten kann». Oder jenes grün-gelb strukturierte Werk (1991) neben der Wendeltreppe: «Looking for Freedom». Böse ist die im Stein eingeritzte Aussage auf der in Holz gerahmten Granitplatte, die über der Anrichte hängt: «Denken ist halsbrecherisch». Gruner ist seit den 70er Jahren künstlerisch tätig. 1978 erhielt er das «Eidgenössische Kunststipendium für freie Kunst». Ob das neue Atelier ein Schritt weg vom Beruf und hin zum freischaffenden Künstler sei? Gruner verneint. Dann müsste er ja den unternehmerischen Teil seiner Interessen aufgeben. «Das eine schöpft aus dem anderen.» Seine Beratertätigkeit bringe ihm den Kontakt zu den Leuten der Wirtschaft. In der beruflichen Vielfalt hole er wichtige Impulse für sein Schaffen im Atelier. Dieses wiederum sei Inspirationsquelle für kreative Kommunikationslösungen.


Das Unternehmen

Name: Gruner & Brenneisen AG, Kommerzielle Kommunikation
Gegründet: 1982
Kapital: 50000 Fr.
Partner: Peter Brenneisen (50%), Andres Gruner (50%)
Umsatz: ca. 25 Mio Fr.

Name: Gruner & Brenneisen Corporate Identity AG
Gegründet: 1997
Kapital: 100000 Fr.
Umsatz: ca. 5 Mio Fr.

Mitarbeitende: 15 vollzeitlich Angestellte, externe Spezialisten
CI-Philosophie: Kompromisslosigkeit in der Leistung, Dynamik und Understatement im Auftritt
Kundenliste: Clariant, Danzas, Roche, Syngenta, Swatch, Actelion, Pentapharma, Zine Davidoff, Helvetia Patria, Maurice Lacroix, Radio DRS, Ricola, Spitex, Universitätsspital, Kantonspolizei, Coop, Stratec Medical, Wohnbedarf Basel und andere mehr
Adresse: Gruner & Brenneisen Communications, Lautengartenstrasse 9, CH-4010 Basel
Internet: www.gruner-brenneisen.ch