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Zalando Schweiz-Chef: «Schweizer sind die jüngsten Kunden»

Zalando
Zalando-Verteilzentrum in Brieslang bei Berlin. Quelle: ZVG

Linus Glaser ist als DACH-Chef von Zalando auch verantwortlich für den Schweizer Markt. Er erläutert die Eigenheiten des Schweizer Marktes.

Von David Torcasso
am 28.06.2018

In weniger als einem Jahrzehnt gelang es Zalando von einem zuvor unbekannten Player zur Nummer eins im Schweizer Modehandel zu werden. Einer, der die Schweiz schon lange kennt ist Zalando-DACH-Chef Linus Glaser. Er hat an der Universität St.Gallen studiert und ist jetzt verantwortlich für den deutschsprachigen Raum. Beim Interview in Berlin erzählt er über den Wachstum von Zalando und vom stationären Handel. 

Sie sind als DACH-Chef der höchste Zalando-Verantwortliche für die Schweiz. Wie shoppen die Schweizer?
Linus Glaser*: Die Kunden in der Schweiz sind modischer als in Deutschland und stehen auf junge Marken.  Das Label Topshop läuft hervorragend. Die Zalando-Kunden in der Schweiz sind übrigens im Durchschnitt die jüngsten von all unseren Märkten.

Zalando hat in Deutschland eine Beauty-Linie gestartet. Ab wann kann man Lippenstift und Nagelzange in der Schweiz kaufen?
Aktuell besteht dieses Angebot nur in Deutschland. Bei der Schweiz gibt es eine zusätzliche Anforderung an den Zoll. Das ist bei den Beauty-Produkten auch in unseren Lagern der Fall. Sie müssen in separaten ­Räumen eingelagert werden. 

Wie viel Umsatz macht Zalando in der Schweiz?
Das werden wir oft gefragt (lacht). Wir geben aber ­keine einzelnen Länderzahlen raus. Nur für die DACH-Re­gion. Das sind rund 2,15 Milliarden Euro. 

Wächst der Umsatz in der Schweiz?
Ja. Wir sind sehr zufrieden.

Vor einem Jahr ist die italienische Modekette OVS in der Schweiz gestartet, jetzt gibt sie auf. Warum übernimmt Zalando nicht die 140 Läden in der Schweiz?
Nein, dazu gibt es keine Pläne. Man muss das Thema Offline-Shopping aber klar differenzieren. Wir haben sogenannte Outlets in rund fünf deutschen Städten, in denen wir Ware aus Vorsaison oder mit kleinen Mängeln verkaufen. Dann gibt es das Thema der Integra­tion von Offline und Online. Das etablierteste Modell ist das Partnerprogramm, das es seit Jahren gibt.

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Zalando_chef_schweiz
Linus Glaser von Zalando verantwortet den DACH-Raum.
Quelle: ZVG

Kennen Sie Galaxus-Chef Florian Teuteberg?
Ich habe von ihm gelesen – aber ich habe ihn persönlich noch nicht kennengelernt. 

Was sagen Sie zur geplanten Einführung von Digitec/Galaxus in Deutschland. Da gibt es ja auch Koopera­tionen mit Zalando.
Ich finde das spannend. Aus der Perspektive von Zalando hat es uns geholfen, einen so grossen Heimmarkt zu haben und Teil einer Union zu sein. Das hat die internationale Expansion einfacher gemacht. Die Schweiz hat hingegen einen relativ kleinen und auch komplexeren Heimmarkt. Deshalb bewundere ich es, wenn ein Schweizer Unternehmer mit seiner Idee ins Ausland expandiert.

Zalando möchte nicht mehr nur Klamotten verschicken, sondern eine Lifestyle-Welt erschaffen. Würde sich zur Verstärkung dieser Welten nicht anbieten, neben ­Fashion und Beauty auch noch andere Produkte anzubieten? Beispielsweise Handtücher oder sogar Möbel?
Und dazu noch Waschmaschinen und Autoscheiben (lacht). Bei der Produktexpansion überlegen wir, mit welcher Infrastruktur wir arbeiten können. Die Expansion nach Tschechien, das in der Nähe der deutschen Grenze liegt, ergibt Sinn, weil wir das Land von ­unseren Lagern aus beliefern können. Wir sind ein Lifestyle-Brand und es ist denkbar, dass schöne Bett­wäsche oder Home-Accessoires auch dazugehören. Wir ziehen aber die Grenze bei Fernsehgeräten oder Bedarfsgegenständen.

Was ist wichtiger für Kunden: Geschwindigkeit oder Verfügbarkeit?
Das hängt vom Kunden ab. Das sehe ich auch bei mir selbst: Manchmal möchte ich schnell etwas kaufen. Künftig wird man das noch besser einstellen können: Brauche ich etwas schnell, kostet es mehr; wer Geduld hat, zahlt weniger.

* Linus Glaser (35) ist seit 2011 bei Zalando tätig. Der HSG-Absolvent verantwortet den DACH-Raum und Polen und Tschechien