Digitalisierung am Berg: Das Zermatt setzt ab diesem Sommer auf Rettungsschafe. Die speziell ausgebildeten Tiere sollen - wie Rettungshunde - verletzte Wanderer aufspüren und diesen helfen. Die Schafe tragen ein SOS-Set am Körper, welches neben Erste-Hilfe-Arzneien auch mit einem GPS ausgestattet ist. Handelszeitung.ch war vor Ort und hat die Rettungsschafe auf der Weide begleitet.

Die Idee ist, dass sich die ausgebildeten Schafe wie gehabt in ihrer Herde frei auf den Alpenwiesen bewegen. Sobald sie sehen, hören oder riechen, dass ein Wanderer verletzt ist, begeben sie sich zu der Person. Diese kann den Notfallknopf am SOS-Set betätigen, der auf der Helikopterbasis der Air Zermatt einen sogenannten «Schaf-Alarm» auslöst. Der Rettungspilot peilt dann den GPS-Punkt an, den der Sender übermittelt und holt die verletzte Person ab. Beim Test geht alles glatt: Kaum ist der Alarm aktiviert, landet Rettungshelikopter-Pilot und CEO der Air Zermatt Gerold Biner auch schon auf der Weide.

Trittfester und schwindelfreier als Suchhunde

Zum Einsatz kommen für die Rettungsmission sogenannte Schwarznasenschafe. Ausgewählte Tiere haben diesen Winter ein Trainingslager durchlaufen, welches sie zu Rettungsschafen ausbildete. «Schwarznasenschafe können sich im Gelände unglaublich gut orientieren», sagt Schafzüchterin Rebecca Julen, die das Programm mit ausgearbeitet hat, zu Handelszeitung.ch. Eine Demonstration vor Ort zeigt: Das Training zeigt Wirkung. Hält man dem Schaf ein Kleidungsstück zur Erkennung hin, findet es im Gelände den dazugehörigen Gegenstand.

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Im Gelände seien die Schafe trittsicherer und schwindelfreier als Suchhunde. «Unsere Schafe wissen ganz genau, wie sie im Gebirge am schnellsten von A nach B kommen. Damit sind sie für die Hilfe im alpinen Gelände geradezu prädestiniert», so Züchterin Julen. Sie vermutet, dass Rettungsschafe weltweit zum Einsatz kommen könnten, wenn das Pilotprojekt Erfolg hat.

Sommersaison stärken

Zermatt setzt zunehmend darauf, den Sommertourismus zu stärken und die Sommersaison verlängern. Bis 2018 sollen die Wander- und Velowege sowie die Erlebniswelt «Matterhorn Glacier Paradise» ausgebaut werden. Auch die Anbindung zu Stellarium und Observatorium auf dem Gornergrat wird verbessert.

Als höchstgelegenes Skigebiet der Schweiz mit Teilen der Pisten auf dem Gletscher können Gäste heute zwar noch 365 Tage im Jahr Ski fahren. Doch Experten warnen vor der Auswirkungen des Klimawandels: Die Schneesaison beginnt in den Schweizer Alpen inzwischen bereits 12 Tage später als noch im Jahr 1970 und endet 25 Tage früher.

So sieht es in der Zermatter Schaf-Rettungswacht aus:

April, April! Schwarznasenschafe werden ab Sommer nicht als Rettungstiere eingesetzt, wie vermeldet. Es handelt sich um einen Aprilscherz von Zermatt Tourismus in Kooperation mit handelszeitung.ch.