Die Basler «Galerie des 20. Jahrhunderts» unter Leitung von Gerti Lurié und Claudius Ochsner hat sich auf Kunst und Design des 20. Jahrhunderts spezialisiert und zeigt dieses Jahr im Rahmen der Art 41 Basel in ihren Räumen an der Elisabethenstrasse 40 eine Einzelausstellung der international bekannten Künstlerin Karina Wisniewska. Die 1966 in Venedig geborene Wisniewska lebt und arbeitet in der Schweiz. Im Jahr 2000 setzte ein Unfall mit einer Schere, bei der die Nervenbahnen im Mittelfinger der linken Hand durchgetrennt wurden, ihrer Karriere als Konzertpianistin ein Ende. Seither widmet sich Karina Wisniewska der Malerei und stellt weltweit erfolgreich in renommierten Galerien sowie an internationalen Kunstmessen aus. Sie präsentiert in der Galerie des 20. Jahrhunderts und - erstmals - Arbeiten auf Papier. Die Malerin vereint in ihren Arbeiten klangvolle Monochromien und virtuose Arabesken, leuchtende monochrome Werke in strahlendem Weiss und lebhaften Farben.

Der langjährige Direktor des Museums Tinguely, Guido Magnaguagno, schreibt in seinem Vorwort im 2009 erschienenen Buch mit dem Titel «Bewegte Stille» zum Werk Karina Wisniewskas: «Kann Stille bewegt sein? Hält Stille nicht einfach still? Ruhig, ruhend. Zur Stille gesellen sich die Unveränderlichkeit, das Ewige, Echolose. Falls sie sich dennoch bewegt, wie auf den Bildern von Karina Wisniewska, bricht ihre Ordnung aber keineswegs aus den Fugen. Wenn der Bildkörper der Stille fliesst, sein Gewebe sich dehnt und atmet, wenn seine Struktur eine Resonanz erzeugt, kann sie summen. Wie Bienenwaben. Wenn ein Wind über den Sand streicht und den Sand kräuselt, erobern diese Bildtafeln Raum und bilden ein Werk, das eigenen Gesetzen gehorcht im Gleichgewicht von Stille und Bewegung.»

 

 


Karsten Greve: Nachkriegsavantgarde

Von Bartha: Analytische Interventionen

Ammann Fine Art: Warhol-Highlights

Freymond-Guth: Cineastisches Kammerspiel

Galerie Skopia: Ästhetische Perspektiven

Die renommierte Kölner Galerie Karsten Greve, die Dependancen in Paris, Mailand und seit 1999 auch in St. Moritz betreibt, ist mit einer hochkarätigen Auswahl von Werken an der diesjährigen Art Basel vertreten.

Von der kürzlich verstorbenen Louise Bourgeois wird die Bronze «The welcoming hands» zu sehen sein. In über 60 Jahren hat die 1911 geborene, französisch-amerikanische Künstlerin ein unverwechselbares ?uvre geschaffen. Viele ihrer Werke enthalten körperliche Anspielungen. Louise Bourgeois suchte das Haptische, um ihre Erlebnisse und Ängste zu verarbeiten. Die 20,3 x 109,2 x 66 cm grosse Skulptur von vier losgelösten Armen, die sich an den Händen halten, stammt aus dem Jahr 1996 und kostet 570 000 Euro.

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Mit Cy Twombly ist ein weiterer hochkarätiger Künsler präsent. Die überaus komplexe Kunst des in Italien lebenden Malers voller Anspielungen und Assoziationen ist nicht leicht zu dechiffrieren. Aus dem Jahr 1971 stammt die Arbeit auf Papier «ohne Titel (Ramification)» mit Gouache, Bleistift, Fettkreide, Wachskreide und Papiercollage auf Papier, das auf Karton aufgezogen ist. Das 85 x 70 cm grosse Werk wird in das neue Werkverzeichnis des Künstlers «Works on Paper» von Nicola del Roscio aufgenommen und hat einen Preis von 680 000 Euro.

«Peinture» nennt sich ein gänzlich in Schwarz gehaltenes Acrylbild des 1919 geborenen französischen Malers Pierre Soulages, der als Begründer der abstrakten Kunst im Jahr 1943 gilt. Das 130 x 102 cm grosse monochrome Werk mit reliefartiger Struktur aus dem Jahr 2010 wird 310 000 Euro kosten.

Jannis Kounellis, der 1936 geborene italienische Maler und Objektkünstler griechischer Herkunft, ist u. a. bekannt für seine Schrift- und Buchstabenbilder. Bei Karsten Greve ist er mit einem grossformatigen, 233 x 310 cm grossen Ölbild mit signalhaften Buchstaben und Zeichen vertreten, das im Jahr 1960 in Rom entstanden ist und nun für 1,35 Mio Euro angeboten wird.

Im Zusammenhang mit dem Galerienschwerpunkt, der auf der internationalen Nachkriegsavantgarde liegt, werden darüber hinaus ausgewählte Arbeiten von Künstlern wie Lucio Fontana, Piero Manzoni und John Chamberlain gezeigt.

Die amerikanische Künstlerin Sarah Oppenheimer, geb. 1972, wurde bekannt mit ihren originellen und analytischen Interventionen, mit denen sie die innere Struktur von Wohnformen hinterfragt. An der letztjährigen Art Basel stellte sie im Sektor Art Unlimited aus. Bis Ende Juli zeigt sie nun neue Arbeiten in der Von Bartha Garage in Basel.

Sarah Oppenheimer vollzieht radikale Eingriffe in den Raum und legt so die Herstellungsmuster auf postminimalistische Weise frei. Der Raum wird von Oppenheimer geschnitten und ausgeschnitten, gestaltet und umgestaltet, um so die Grenzen des Sehens zu erkunden. Die künstlerischen Interventionen legen die Bauweise eines Raumes bloss und enthüllen die Struktur seiner Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, um die Potenziale der Gegebenheiten für den Betrachter zu verändern. Oppenheimers Raumanalyse kommt einem Sezieren gleich, durch welches sie gleichsam einen neuen räumlichen Körper kreiert.

In vielen ihrer Installationen nimmt sie einen Schnitt durch durchbrochene Wände vor und ermöglicht es dem Betrachter auf diese Weise, die Raumstruktur wie durch ein Periskop zu betrachten. Die neu geschaffenen Öffnungen legen verschiedene Zugänge zum Sehraum frei. Die Perspektive verändert sich auf greifbare Weise mit der Präsenz der Betrachter - mit ihrem Auftauchen und Verschwinden und ihrer Bewegung durch den Raum. Die kinästhetische Kunst Oppenheimers macht aus den Betrachtern eine bewegliche Zuschauerschaft. Ihr Mobilisieren, Entfalten und Neuverpacken sowie ihr Eingreifen in die Ausstellungsräume schaffen überraschende Neuverbindungen zwischen anderen Kunstwerken an den Wänden, die sich zuvor entfernt voneinander befanden.

Darüber hinaus bringt sie die Betrachter miteinander in Berührung, da ihre gerahmten Ansichten ein Zusammentreffen und eine Begegnung der Blicke zur Folge haben.

Die Galerie Thomas Ammann Fine Art zeigt in ihren Galerienräumen am Zürichberg in ihrer Sommerausstellung Gemälde und Zeichnungen von Sigmar Polke aus der Zeit von 1965 bis 2005. An der Art 41 Basel ist sie schwerpunktmässig mit weiteren internationalen zeitgenössischen Meistern wie Martin Kippenberger, Willem de Kooning, Brice Marden, Agnes Martin, Cy Twombly und Andy Warhol präsent. Werke von Albert Oehlen und Philip Taaffe runden das Angebot ab. Das Highlight bildet ein Überblick über das vielseitige Schaffen von Andy Warhol, dem unbestrittenen Star der Pop Art, mit Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen. Die Arbeiten des schillernden Exzentrikers und technisch virtuosen Künstlers erfreuen sich seit Jahrzehnten ungebrochener Nachfrage auf dem Kunstmarkt. Unverkennbar die Handschrift des Künstlers trägt das grosse Selbstporträt in Acryl und Siebdruck auf Leinwand, entstanden 1966-67, das zu seiner wichtigen Serie der «Self-Portraits» gehört. Der Traditionalität der Gattung verpflichtet ist die Geste, mit der sich der Künstler hier inszeniert: Er stellt sich in selbstbewusster Pose mit einer ans Kinn gelegten Hand, der klassischen Geste des Intellektuellen, dar. Auffällig ist der Schatten, der die eine Bildhälfte fast gänzlich bedeckt. Vom linken Bildrand her breitet er sich auf dem Gesicht aus und schluckt die linke Seite fast vollständig. Bei Selbstporträts ist das Spiel mit Licht und Schatten häufig. Meist zeigen sich die Künstler jedoch, wie sie aus dem Schatten ins Licht treten. Warhol dagegen scheint sich im Schatten zu verstecken.

«Crosses» heisst eine Werkgruppe von grossformatigen Siebdruckgemälden, die Warhol Anfang der 80er-Jahre schuf. Das bei Ammann ausgestellte Exemplar zeigt 12 leuchtend gelbe Kreuze auf schwarzem Grund. Bekannt für seine Projekte in architektonischem Kontext ist der Schweizer Mayo Bucher.Ihn hat die Galerie für die Messe eingeladen, die 15 Meter lange äussere Wand des Stands zu gestalten.

Die junge Zürcher Galerie Freymond-Guth & Co. Fine Arts ist bekannt für ihre experimentellen Ausstellungen mit jungen Künstlern, bei denen oft Film, Performance und Installation im Vordergrund stehen. Noch bis zum 4. Juli 2010 zeigt sie in Zürich Werke von Loredana Sperini.

Mit ihrer ersten Teilnahme an der Art Basel präsentiert Freymond-Guth & Co. Fine Arts nun gleich zwei Positionen: Den israelischen, in Berlin lebenden Künstler Dani Gal bei den Art Basel Statements (Stand S21) und die amerikanische, in Zürich lebende Elodie Pong bei der Art Unlimited (Stand U38). Die Werke der beiden Kunstschaffenden, die sich mit gesellschaftlichen Normen, Identität und Politik auseinandersetzen, sind bereits in zahlreichen internationalen institutionellen Ausstellungen aufgefallen.

In der Schweiz hat Elodie Pong zuletzt mit ihrem Film «After The Empire» in der Ausstellung «Shifting Identities» im Zürcher Kunsthaus für Furore gesorgt. Für den Film, der nun an der Art Unlimited zu sehen ist, hat sie den Schweizer Kurzfilmpreis am renommierten Winterthurer Kurzfilmfestival erhalten. Pong lässt darin Ikonen des 20. Jhs. wie etwa Marilyn Monroe oder Karl Marx neu aufleben. Diese und andere, unbekannte Figuren treten an zu einem cineastischen Kammerspiel über soziale Konventionen und Werte einer Gesellschaft am Ende einer Epoche.

Im Gegensatz zu der visuell sehr aufgeladenen Bildsprache Elodie Pongs steht Dani Gals speziell für die Sektion Statements konzipiertes Projekt, eine formal reduzierte Sound- und Filminstallation. Sie befasst sich mit einem Klassiker der hebräischen Literatur, der die Vertreibung der Palästinenser durch die israelischen Streitkräfte 1948 beschreibt.

Die Galerie Skopia, 1989 in Nyon von Pierre-Henri Jaccaud gegründet, stellt seit 1993 an der Art Basel aus. An ihrem diesjährigen Stand an der Art Basel widmet sich die Galerie dem Raum im weitesten Sinn und vereint gegensätzliche theoretische, ästhetische und moralische Perspektiven.

Zu sehen sind unter anderem Fotografien von Aglaia Konrad. Die österreichische Künstlerin bereist mit der Kamera seit vielen Jahren weltweit Peripherien, Grossstädte und schnell wachsende «Megacities». Die dabei entstehenden Bilder verwendet sie frei von jedem Pathos und überraschend variabel in ihren raumbezogenen Ausstellungen.

Silvia Bächli wiederum setzt sich seit den späten 1970er-Jahren mit dem Medium der Zeichnung auseinander. Die Beschränkung der Mittel - Gouache, Ölkreide oder Tusche auf Papier - erlaubt es ihr, Beobachtungen handschriftlich und sparsam zu verdichten. Francis Baudevin hingegen ist mit (Wand-)Malereien bekannt geworden, die auf vorgefundener Gebrauchsgrafik basieren, aber sämtliche Schriftelemente weglasssen. Im Gegensatz dazu stehen die Kohlezeichnungen von Alain Huck. Seit mehr als zehn Jahren realisiert er Zeichnungszyklen auf Papier, die eng verknüpft sind mit seinem persönlichen Werdegang und gleichzeitig aus dem Reservoir von Stilen und Formen des 20. Jhs. schöpfen. Auch von dem mittlerweile 65-jährigen Olivier Mosset wird ein Werk zu sehen sein. Dieser bezeichnet seine Bilder nicht als Malerei, sondern als Raum-Objekte, die Räume verändern, indem die Farbflächen neue Massstäbe setzen.

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Erinnerung spielt bei den Zeichnungen von Simone Schardt eine zentrale Rolle. Die studierte Chemikerin zeichnet auf Papier, welches sie früher im Labor zur Aufzeichnung von Versuchsreihen gebraucht hat. Darüber setzt sie mit Filzstift quasi Seismogramme der Erinnerung. Eine komplexe Welt des Symbolismus kennzeichnet die Gemälde von Thomas Huber, dessen Werk von einer intellektuellen Auseinandersetzung mit Kunst bestimmt ist. Darüber hinaus werden an der Messe Werke von Erik Bulatov, Pierre André Ferrand, Franz Gertsch und Pierre Schwerzmann zu sehen sein.