Die Zurich Insurance Group trennt sich vom Sachversicherungsgeschäft in Marokko und in Taiwan. Für die marokkanische Tochter löst der grösste Versicherer des Landes 244 Millionen Euro, für die taiwanesische Gesellschaft erhält Zurich 198 Millionen Dollar. Das sind überraschend attraktive Preise, meint Stefan Schürmann von der Bank Vontobel. Er rechnet aus den beiden Transaktionen mit einem Vorsteuergewinn von insgesamt 350 Millionen Dollar.

Damit könne die Gruppe die erwarteten Kosten von rund 500 Millionen Dollar für die tiefgreifende Restrukturierung teilweise auffangen, meint der Vontobel-Experte. Der seit drei Monaten amtierende CEO Mario Greco hat der Zurich Anfang Juni eine neue Struktur verpasst, die im Laufe des Jahres voll umgesetzt werden soll.

Weitere Rückkäufe

ZKB-Analyst Georg Marti schreibt indes von einem «kleinen Abrundungsverkauf» der Zurich in Marokko. Es handle sich um eine insgesamt kleine Transaktion, welche die Geschäftsstruktur der Zurich-Gruppe nicht massgeblich verändere.

Marti geht davon aus, dass weitere solche Verkäufe folgen dürften. Gerüchteweise stehe derzeit der Rückzug aus Südafrika zur Diskussion.

Konzentration des Geschäfts

Die weitere Umgestaltung des Geschäfts steht im Zeichen der am Investorentag im Mai 2015 angekündigten Strategieüberprüfung. Demnach will sich die Zurich geographisch auf jene Länder mit dem höchsten Potenzial konzentrieren und sich entsprechend aus gewissen Märkten zurückziehen.

Zwar hätten die Märkte in Marokko und Taiwan durchaus Wachstumspotential, doch bei der Analyse der Geschäfte in den beiden Ländern habe sich ergeben, dass ein Verkauf die beste Option darstelle, teilte Zurich am Freitagabend mit. Die Einheiten seien bei anderen Gesellschaften besser aufgehoben.

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Marokko mit Mini-Nettoertrag

Die Evaluation des marokkanischen Geschäfts habe ergeben, dass dieses seitens der Zurich zu hohe Investitionen erfordert hätte, um ein genügendes Niveau zu erreichen. Die marokkanische Tochter wird an die Allianz-Gruppe verkauft. Der Verkauf werde vorbehaltlich der Zustimmung der Aufsichtsbehörden bis Ende 2016 abgeschlossen.

Die Zurich Assurances Maroc zählt mehr als 600'000 Kunden, ist der siebtgrösste Schaden- und Unfallversicherer im nordafrikanischen Land und hat zudem eine Lizenz für das Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft. Die gebuchten Bruttoprämien beliefen sich 2015 auf 130 Millionen Dollar, der Nettoertrag betrug 4,8 Millionen Dollar.

Beschränkte Perspektiven in Taiwan

Käuferin der taiwanesischen Tochter ist die Hotai Motor. Der sich im Familienbesitz befindende taiwanesische Toyota-Partner habe sich in einem Bieterverfahren durchgesetzt, in welchem auch sichergestellt worden sei, dass alle Rechte und Verpflichtungen von Kunden vollständig gewährleistet blieben, so die Zurich.

Die Bruttoprämien im Taiwan-Geschäft beziffert der Versicherer auf 118 Millionen Dollar, der Nettoertrag belief sich auf 10,6 Millionen Dollar. Der Markt in Taiwan sei zwar attraktiv, allerdings sehe die Zurich für ihr Versicherungsgeschäft nur eine beschränkte Perspektive.

Aktien im Hoch

Bereits im November des vergangenen Jahres hatte die Gruppe den schrittweisen Rückzug aus Teilen des Sachversicherungsgeschäfts im Nahen Osten eingeleitet. Weiter ist die Zurich etwa auch aus dem Privatkundengeschäft in den Niederlanden sowie bereits im Jahr 2014 aus jenem in Russland ausgestiegen.

An der Börse gewinnen die Zurich-Aktien in einem stark avancierenden Gesamtmarkt ebenfalls deutlich an Wert. Bis um 10.10 Uhr klettern sie um 2,2 Prozent auf 230,30 Franken in die Höhe und liegen damit im Mittelfeld des Leitbarometers SMI, welches um 1,8 Prozent zulegt.

(awp/ise/ama)