Hawaii, Bora Bora, Cancun, Jamaica – und jetzt die Schweiz. Wer für die Verjüngungsprodukte-Firma Jeunesse Global erfolgreich verkauft, kann sich auf Belohnungstrips an exotische Orte freuen. Dieser Tage profitieren davon Tausende Verkäufer aus China

Leisten kann sich Jeunesse Global mit Sitz in Florida die Mega-Reisegruppen wohl ohne Problem. Das Geschäft scheint zu laufen, das zeigen die wenigen erhältlichen Zahlen. Das US-Unternehmen soll über eine Milliarde Dollar Umsatz machen. Bei einer Präsentation in Regensdorf ZH 2017 sagt ein Repräsentant aus Deutschland, dass Jeunesse Global «fast jedes Jahr seinen Umsatz verdoppelt hat.» Er vergleicht das mit Facebook, Google und weiteren Tech-Erfolgsgeschichten.

Eine verschworene Familie

An den Start ging Jeunesse Global 2009. Laut Gründungsmythos am 9. September um 9 Uhr abends. Neun, so die Erklärung, stehe für Langlebigkeit und den Wunsch der Gründer-Gurus Randy Ray und Wendy Lewis zu florieren. Inzwischen sei Jeunesse in über 140 Ländern aktiv. 500'000 Vertriebspartner bringen die Produkte unter die Leute. Mit an Bord sind auch Sohn Scott und seine Frau Isabel. Dazu passt das Firmenmotto, das auch zu einer Sekte passen würde: «Jeunesse ist mehr als nur ein Unternehmen – es ist Familie.»

Ihre Produkte versprechen Jugendlichkeit – für Haut, Haare und Geist. Das hat seinen Preis. Wer sich für eines der Nahrungsmittel ergänzenden Produkte entscheidet und wie empfohlen zu sich nimmt, zahlt dafür pro Jahr rund 3500 Franken. Auch die anderen Produkte sind keine Schnäppchen. Da gibts Creme in Ampullenform, Energydrinks oder einen Saft aus 19 Superfrüchten - darunter so alltägliche wie Birne und Banane.

Von einem «Pionier der Stammzellenforschung» wurde die pflanzliche Getränkemischung RevitaBlu entwickelt. Die Webseite wirbt zudem mit «renommierten Wissenschaftlern» und zahlreichen Preisen und Erfolgen des Gründerpaars.

Auf eigenes Risiko

Unabhängige Informationen fehlen aber – auch zur Wirksamkeit der Produkte. Die Jünger und Verkäufer aber glauben fest an die Cremes und Pülverchen. Das müssen sie auch. Schliesslich verdienen sie nur, wenn sie auch verkaufen und andere Vertreiber anbinden. Davor allerdings müssen sie selbst Geld in Produkte stecken. Das Risiko tragen damit die einfachen Verkäufer von China bis in die Schweiz und nicht die Chefetage in Florida. So funktionieren Multi-Level-Marketing-Firmen.

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Drei Wege führen für die «unabhängigen Vertriebspartner» zum Erfolg: Kundenverkäufe, Provisionen beim Teamaufbau und Vergütungen für Führungsarbeit. Ein 15-seitiges Dokument erklärt, wofür es welche Zahlungen und Boni gibt. Abhängig davon erklimmen die Jeunesse-Jünger die interne Hierarchie mit zehn Stufen.

Ganz zuunterst stehen die einfachen Geschäftspartner. Wer sich erfolgreich an die Spitze hocharbeitet, wird «Doppel-Diamant-Direktor». Es lockt ein einmaliger Bonus von 1 Million Dollar. Gratisferien gibts ab Stufe 7.

Für viele endet Jeunesse mit einer Enttäuschung

So engagiert die Verkäufer, so begeisternd die Mission («Die Jeunesse-Familie macht die Welt zu einem besseren Ort») und so gross die Versprechen («Jung aussehen. Sich jung fühlen. Jung Leben.») – viele der «Familien»-Mitglieder kommen mit Jeunesse auf keinen grünen Zweig.

Wie «Die Zeit» schreibt, konnten 2015 der Produkte-Vertreiber in den USA von ihren Jeunesse-Einkünften leben. 97 Prozent aber machten weniger als 10'000 Dollar Umsatz pro Jahr. Viele davon verdienten gar nichts.
Auch in der Schweiz sind Jeunesse-Vertriebspartner aktiv. Laut Facebook veranstalten sie etwa Wellness-Abende. Auf BLICK-Anfrage war bis jetzt niemand zu erreichen.

Dieser Artikel erschien zuerst im «Blick» unter dem Titel «Diese Firma belohnt ihre Verkäufer mit Schweiz-Trip»

Dieser Artikel wurde zuerst im Wirtschaftsressort des «Blick» veröffentlicht.

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