«Tuuuuuut». Ein Schiffshorn mitten in der Stadt Zürich? Der langgezogene, tiefe Ton erklang am Samstagnachmittag bei der offiziellen Einweihung des Hafenkrans zum ersten Mal. Zu hören war er am Limmatquai allerdings nicht. Die Festgäste mussten sich mit einem Alphorn und ihrer Fantasie begnügen.

«Wegen Ostwind ist der Ton (nach) Baden gegangen», sagte Jan Morgenthaler, Sprecher der Projektteams. Doch er nahm die unvorhergesehene Windrichtung gelassen, schliesslich kommt das Schiffshorn, das eigentlich für Containerschiffe von mindestens 200 Metern Länge gedacht ist, in den nächsten Monaten noch häufiger zum Einsatz.

Sehnsucht nach dem Meer wecken

Gefeiert wurde am Samstag «die Erweiterung des Horizonts», wie Morgenthaler sagte. Nach der Installation des Hafenkrans ist das Schiffshorn die nächste Etappe des Projekts «zürich transit maritim». Die umstrittene Kunstaktion spielt mit der Fantasie, dass es in Zürich einst einen Hafen gab, der allmählich wieder ausgegraben wird.

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Das Horn soll die Sehnsucht der Bevölkerung nach dem weiten Meer wecken, aber - so die Lieblingsphantasie des Projektteams - auch einen Hochseedampfer an die Limmat locken.

Bis Ende Mai steht das Schiffshorn auf dem Prime Tower. Danach wird es an einem neuen Ort installiert. Und auch in den Monaten nachdem der Kran Zürich wieder verlassen hat, soll der gewaltige Ton noch gelegentlich zu hören sein. Erklingen wird er höchstens einmal wöchentlich, in unregelmässigen Abständen.

Pfarrer und Zunft der Schiffleute erteilen Segen 

Es gehe jedoch nicht nur um das Spielen mit Fantasie und Träumen, sondern vielmehr um die Wiederentdeckung des öffentlichen Raums und darum, Erstarrtes wieder in Bewegung zu bringen, betonte Morgenthaler.

Dass der Kran als Störung empfunden werde, sei ein Zeichen, dass wir uns für den öffentlichen Raum interessieren, sagte Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) bei der Einweihung. Und alt Stadtrat Martin Waser (SP) forderte Mut zum Risiko, denn dieses mache das Leben erst lebenswert. Er hatte sich auch mit privatem Geld für die Realisierung des Hafenkrans eingesetzt.

Grossmünsterpfarrer Christoph Sigrist hielt eine Laudatio auf den Kran, an dem er vor allem den Rost möge und Peter Neuenschwander von der Zunft zur Schiffleuten erteilte seinen «nautischen Segen».

Der Kran lässt niemanden kalt

Kunst oder Klamauk, Inspirationsquelle oder Geldverschwendung: Die Meinungen zum Hafenkran sind geteilt. Und bei manchem ist die Ablehnung in Zuneigung umgeschlagen, wie beispielsweise bei Florian von Meiss, wie dieser erklärte.

Kalt lässt das rostige Ungetüm jedenfalls die wenigsten. Und neben unzähligen Leserbriefen und Kommentaren hat das Projekt bereits zu verschiedenen weiteren Inszenierungen angeregt.

Weitere Aktionen rund um den Kran

So wurden nachts verschiedene Sujets auf den Hafenkran projiziert und Künstler schmückten ihn mit einem roten Sessel und einem Transparent, auf dem «Freiräume für Kräne, Kunst und harmlosen Unfug!» gefordert wurde. In Basserdorf ZH steht am Dorfbach ein Mini-Hafenkran aus Holzlatten und der «Tages-Anzeiger» druckte einen Bastelbogen für den Bau eines eigenen Hafenkrans.

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Offensichtlich entfaltet der Kran seine gewünschte Wirkung. Weitere geplante und ungeplante Aktionen dürften folgen. Vom 4. bis 6. Juli wird auf alle Fälle ein grosses Hafenfest gefeiert, denn «jetzt geht die maritime Saison erst richtig los», sagte Morgenthaler.

(sda/gku)