Schon morgen Montag läuft ein erstes Ultimatum ab: Die hochverschuldete Künstlerin Simone Erni fordert den von ihrem Anwalt berechneten gesetzlichen Pflichterbteil von 18,2 Prozent vom Nachlass ihres im März verstorbenen Vaters Hans Erni. Zahlen zum Vermögen des Jahrhundert-Künstlers sind bisher noch nie an die Öffentlichkeit gelangt, in keinem Reichen-Ranking war er je gelistet. Doch Kunsthändler Raphael Fornara-Erni (58), seit 38 Jahren Ehemann von Simone Erni, verrät der Zeitung: «Alleine der Wert der rund 13'000 zurückgelassenen gelagerten Werke ist immens – im Schnitt kann man pro Bild mit 22'000 Franken rechnen, denn es gibt ja ganz grosse teurere und dann wieder viele kleinere Werke. Zudem hatte mein Schwiegervater ein enormes Vermögen auf der Bank und rund 20 Immobilien an bester Lage in der Stadt Luzern», sagt der erfahrene Kunstexperte und Familien-Insider.

Man gehe nun von rund 100 Millionen Franken Privatvermögen aus. Dazu komme der Wert der mehr als 380 Werke im Museum im Verkehrshaus Luzern, die der Hans-Erni-Stiftung gehören, und auch der Bargeldwert der Stiftung, der gemäss Raphael Fornara-Erni noch einmal auf 60 Millionen Franken beziffert wird. Erst jetzt wird deutlich: Der gelernte Bauzeichner Hans Erni, einst in der Schweiz 20 Jahre lang zur «Persona non grata» erklärt, fichiert und als Kommunist beschimpft, gehörte bis zu seinem Tod vor wenigen Monaten zu den weltweit reichsten noch lebenden Kunstmalern.

«Es gibt kein weiteres Geld von uns!»

Doch von den vielen hinterlassenen Millionen sollten seine Tochter und sein Schwiegersohn eigentlich keinen Rappen bekommen. Denn gemäss dem Luzerner Teilungsamt ging mit einer Verzichtserklärung aus dem Jahre 1979 eine Abmachung einher, dass Hans Erni dem Ehepaar Bargeld schenkt (es waren damals 250'000 Franken), die Tochter Simone Erni danach aber nichts mehr erben würde. Diese Zuwendung erfolgte, weil Simone Erni und Raphael Fornara-Erni schon damals hohe Schulden aufgrund eines Immobiliengeschäfts plagten.

Die «Schweiz am Sonntag» erreichte die Witwe von Hans Erni diese Woche telefonisch. Sie kann das Theater um das Erbe überhaupt nicht verstehen und lässt sich durch ein Ultimatum nicht unter Druck setzen: «Wir haben uns schon länger von den beiden distanziert und sie ausbezahlt», sagt Doris Erni, die gemäss eigenen Angaben ihrem verstorbenen Gatten sehr nachtrauert. «Ich sehe den Forderungen gelassen entgegen. Für mich ist das erledigt, es gibt kein weiteres Geld von uns!» Auf das Privatvermögen von geschätzten rund 100 Millionen Franken und das Vermögen der Stiftung angesprochen, will sich Doris Erni nicht äussern.