Leyla Ibrahimi-Salahi rückte im Februar ins Rampenlicht, nachdem sie Germania Flug, den Schweizer Ableger der insolventen deutschen Germania, übernommen hatte. Die Chefin der auf Balkan-Reisen spezialisierten Firma Air Prishtina in Zürich machte bald klar, was ihr Motto ist: Wir bleiben bei Germania Flug nicht nur kurzfristig an Bord, setzen auf Swissness und wollen dem Lufthansa-Konzern nicht alleine das Feld über­lassen. (Das ausführliche Interview mit Ibrahimi-Salahi steht hier.) Die Botschaft an Kundschaft und Konkurrenz: Wir lassen uns nicht unterkriegen, auch wenn die Lage für kleine Fluggesellschaften nicht rosig ist. In Europa müssen viele Airlines aufgeben. Es herrschen Überkapazitäten und Verdrängungskampf. So läuft die Konsolidierung.

«Airline wieder fit machen»

Nun übernimmt überraschend die polnische Charter-Gesellschaft Enter Air 49,9 Prozent von Germania Flug. Das wirft ­Fragen auf: Wird Germania Flug nun ­polnisch? War der Neuanfang inklusive Swissness-Debatte nur Marketing-Talk?

Ibrahimi-Salahi erwidert: «Wir stehen hinter Germania Flug und unserem Investment. Priorität ist, die Airline wieder fit zu machen sowie ein Gleichgewicht auf dem Schweizer Flugmarkt zu halten.» Wenn dies die Einbindung eines strate­gischen Partners beinhalte, «dann gehen wir diesen Weg, die Verteilung der Besitz­verhältnisse ist zweitrangig».

Aus Sicht von Aviatik­experte Thomas Jaeger vom Luftfahrtdatenanbieter CH-­Aviation hat der Einstieg Vorteile: «Die Situation für Germania Flug ist nun deutlich einfacher geworden, ein starker Investor wie Enter Air hilft massiv.» Hintergrund ist, dass Germania Flug nach der Germania-Pleite die Dienstleistungen, die bisher aus Deutschland kamen, selbst stemmen muss, wie IT-Systeme oder das Callcenter. Das Betreiben einer Airline ist aufwendig und kostenintensiv, jeder Grössenvorteil hilft – etwa beim Kerosinkauf.Germania Flug startete in die Unabhängigkeit mit lediglich drei Airbus-Maschinen. Kürzlich schrumpfte die Flotte zeitweilig auf zwei Maschinen, weil es Engpässe im Leasing-Markt gibt. Seit Boeing-Flieger des Typs 737 Max gegroundet sind, stieg die Nachfrage nach Airbus-Maschinen so stark, dass sich Germania Flug diese nicht leisten konnte.

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Enter Air hat 23 Maschinen

Mit Enter Air hat Germania Flug nun einen soliden Partner an Bord. Der pol­nische Anbieter wurde 2009 gegründet und bezeichnet sich, gemessen an der Flottengrösse, als fünftgrösste Charter-Airline in Europa. Charter-Geschäft bedeutet, dass solche Anbieter nicht nur ein eigenes Streckennetz offerieren, sondern auch Flieger und Per­sonal für Reiseveranstalter bereitstellen, die ihre Kunden in die Fe­rien fliegen.

Enter Air hat 23 Maschinen und ist in mehr als dreissig Ländern aktiv, darunter Island, Portugal und Kenia. Die Airline lieferte Rekord-Geschäftszahlen für 2018, der Umsatz legte zum Vorjahr um 36 Prozent, der operative Gewinn um 87 Prozent zu. Seit Anfang des Jahres ­gewann die Aktie 17 Prozent. «Enter Air hat sich in Polen gut behauptet und hat Inte­resse, im deutschsprachigen Raum mehr zu fliegen», sagt Jaeger. Von diesem Wachstumsstreben könnte auch Germania Flug profitieren.

Allerdings: Der Konkurrenzdruck ist gross, auch auf dem Balkan. Dort ist Air Prishtina stark und spezialisiert auf das sogenannte ethnische Reisegeschäft: Menschen, die Wurzeln in Mazedonien und Kosovo haben, fliegen von Deutschland, der Schweiz und Italien Richtung Balkan. Doch ab Juni wird die Luft­hansa-Billigmarke Eurowings in Pristina eine ­Basis eröffnen und auch Zürich bedienen. Edelweiss Air baut ebenfalls aus und fliegt direkt nach Ohrid in Mazedonien.

Debatte um Swissness

Nicht nur der Wettstreit mit der Konkurrenz ist eine Herausforderung für ­Germania Flug. Immer noch läuft das Rebranding. Da Germania pleitebelastet ist, braucht es einen neuen Namen. Kürzlich liess Germania Flug den Titel «CHair» schützen. Das beinhaltet zwar etwas Swissness, klingt aber seltsam.

Allerdings: Vielen Passagieren, besonders bei Pauschalreisen, scheint gar nicht so wichtig zu sein, welcher Name auf dem Flieger prangt. Darauf setzt wohl auch Ibrahimi-Salahi. Sie sagt: «Swiss und Edelweiss stehen auch für Swissness, obwohl beide Unternehmen zu 100 Prozent im ­Besitz der deutschen Lufthansa sind.»

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