Neulich hatte ich einen Weisswein aus der Sorte Pecorino im Glas: Zartes Gelb, diskreter Duft nach weissen Blüten, ein Hauch von knackigen Mirabellen sowie eine feine Zitrusnote. Schlank, geradlinig und mit einem feinen Säurenerv, der bis zum Schluss durchzieht.
Pecorino ist eine seltene Rebsorte und wächst in den Marken und in den Abruzzen, also in jenen Weinregionen im Osten Italiens, die man nicht sofort auf dem Schirm hat. Ihr Namen leitet sich tatsächlich vom italienischen Wort für Schaf (pecora) ab.
Traumlandschaft zwischen Adria und Gran Sasso
Pecorino-Trauben reifen, wenn das Gras auf den Weiden nach der Sommerhitze mehr dürr als saftig ist. Dann holen sich die Schafe in den Rebbergen eine Erfrischung, oft zum Leidwesen der Winzer.
Überhaupt sind die Abruzzen (noch) ein Geheimtipp. Die Gegend zwischen Pescara an der Küste und dem Gebirgszug Gran Sasso ist nicht überlaufen. Die Landschaft ist ursprünglich und die Dörfer haben ihren Charme bewahrt.
Und zumindest im Hinterland der Adria sind die Bars und Ristorante noch frei von Aperol Spritz, diesem Getränk, das lokale, erfrischende Weine auf unerträgliche Weise konkurriert.
Rosé und Rotwein aus Montepulciano
Ein erfrischender Durstlöscher aus der Region ist Cerasuolo. Der kräftige Rosé wird aus der Montepulciano-Traube gekeltert, die mit 17'000 Hektar die wichtigste Sorte der Region ist.
Montepulciano reift spät und hat eine robuste Beerenhaut. Damit die Trauben genügend Zucker einlagern können und die Tannine reif werden, darf sie nicht in Lagen unter 750 Höhenmeter angebaut werden. Die roten Montepulciano-Weine sind herrlich unkompliziert. Zu Lasagne und gegrilltem Fleisch passen sie perfekt.

