Seine Anzüge wirken stets zu knapp, doch es ist das Markenzeichen von US-Designer Thom Browne: Die betont schmal geschnittene Herrenanzüge im Stil der 1950er und 1960er Jahre, dessen Ärmel- und Hosenlängen kurz über den Knöchel enden sind bei modebwussten Männern gefragt – und das nicht nur bei schmächtigen Fashionistas. In seinem Stil kleidet Thom Browne selbst kräftige Männer wie die Basketball-Spieler von Cleveland Cavaliers oder die Fussballer vom FC Barcelona ein.

70 Prozent des Firmenumsatzes wird mit Herrenmode gemacht. Und die Geschäfte laufen gut: So setzte die US-Marke im vergangenen Jahr rund 125 Millionen Dollar um und damit 25 Prozent mehr als noch 2016. Das Unternehmen betreibt 30 eigene Shops und ist in über 300 Multibrand-Stores präsent.

Zegna übernimmt 85 Prozent

Künftig gehört das 2001 vom gleichnamigen Gründer ins Leben gerufene US-Label zu 85 Prozent zum italienischen Modekonzern Ermenegildo Zegna. Rund 500 Millionen Dollar sollen die Italiener für die Anteile in die Hand genommen haben. Die restlichen 15 Prozent hält weiterhin Thom Browne, der als Kreativdirektor dem Unternehmen treu bleibt. Auch der derzeitige CEO Rodrigo Bazan behalte seinen Posten.

 

 

 

 

US-Designer Thom Browne

Mag Uniformen und graue Anzüge: US-Designer Thom Browne.

Quelle: John Lamparski/Getty Images

«Wir teilen die gemeinsame Leidenschaft für Exzellenz und tadellose, moderne Schneiderei», lässt sich Ermenegildo Zegna, der Geschäftsführer des gleichnamigen Familienunternehmens, zitieren. Das vor gut 100 Jahren gegründete Wollstoffunternehmen zählt heute zu den grössten Herrenausstattern der Welt. In Sachen klassische Anzüge gilt es als Mass aller Dinge. 1,18 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftete das Unternehmen im vergangenen Jahr. Mit dem Kauf erweitert Zegna seine Reichweite auf Nordamerika.

Anzüge aus dem Trockner

Wie Zegna war auch Thom Browne anfänglich ausschliesslich in der Männermode unterwegs. Nach seinem Studium der Volkswirtschaft, versuchte er sich in in Los Angeles erfolglos als Schaupsieler. Schliesslich begann er, alte Herrenanzüge zu kaufen, die er in den Trockner steckte, bis sie seiner Meinung nach richtig sassen: etwas zu klein. 

1997 zog er nach New York, arbeitete als Verkäufer für Giorgio Armani und erhielt schliesslich die Chance, für Club Monaco, einen Ableger von Ralph Lauren, Hosen und Oxfordhemden im Ivy-League-Stil zu entwerfen. Vier Jahre später eröffnete er seinen eigenen Spezialbetrieb: um Flanellschrumpfanzüge aus feinsten Stoffen schneidern zu lassen. Zwei Jahre nach Betriebsgründung präsentierte er 2003 seine erste Kollektion.

2010 weitete er schliesslich seinen Geltungsbereich auch auf die Damenwelt aus. Zu den bekanntesten Trägerinnen zählt etwa Michelle Obama, die am Tag der Amtseinführung ihres Mannes einen Seidenmantel vom Thom Browne trug.

(ccr)