Dieses ist eine elendige Geschichte. Hab schon fast keine Lust sie aufzuschreiben. Vielleicht fang ich mal mit Bildern an. Die sind das am wenigsten Elendige an ihr. Sie sind gern angedunkelt, nur im Zentrum scharf. Der Hintergrund verwischt in Schemen. Die Farben sind im Exil. Sie wackeln, die Bilder, in denen der Kameramann Felix Novo de Oliveira Manuel Flurin Hendrys Luzerner «Tatort» erzählt.

«Schutzlos» heisst der. Und in den besten Momenten sind das die Bilder auch. Sie sehen alles, halluzinieren gern, sind nicht schön. Sind elend, wie die Parallelwelt, aus der sie geholt sind. So schutzlos wie jene, die fremd einziehen in die Schweiz, fremd gehalten werden und tot wieder ausziehen im Sarg nach Nigeria.

Minderjährig und unbegleitet

Die Fremden heissen Ebi und Jola zum Beispiel. Minderjährig und unbegleitet sind sie in die Schweiz gekommen. Ausgewiesen werden dürfen sie aber erst mit Erreichen der Volljährigkeit. Dem faulen sie dann in Heimen entgegen. Dürfen nichts lernen, nicht arbeiten. Nur bei den Drogenleuten.

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Das endet im Fall von Ebi tödlich. Er liegt – zugekokst, wie weggeworfen – erstochen im Müll unter einer Brücke. Ein Elend. Sozialarbeiter werden der Situation um die als «Straßss der Angst» berüchtigte Luzerner Baselstrasse, die man für den «Tatort» noch ein bisschen finsterer gemacht hat, als sie ist, schwer Herr. Gleich drei Drehbuchteams wurden es auch nicht.

Und das ist ja das eigentliche Elend. Die Baselstrasse ist wie Kiels Brennpunkt Gaarden, in dem – nicht viele «Tatorte» ist es her – Kommissar Borowski fremd blieb. Auch ihr würde man gerne helfen. Aber, da hat eines der Kinder von Gaarden sehr recht, es gibt Gegenden, da kann man nur «alles falsch oder ganz falsch machen, richtig gib's da nicht». Es werden gleich mehrere Vorträge über die Lage von Asylanten in der Schweiz gehalten.

Rassisten und Karrieristen

Jola wird gejagt und schaut oft angemessen verhetzt. Rassisten gibt's und Karrieristen. Es wird in Italien ermittelt. Das vom Westen gemachte Elend wird gezeigt, aus dem Ebi und Jola kommen. Eine fette weisse Frau betätigt sich als Schleusermuhme. Das Sozialdrama verwischt trotzdem im Hintergrund, die Geschichte verfasert, nichts ausser den Bildern hängt sich fest in Herz und Hirn.

Die elende Synchronisation zehrt an den Nerven. Und dann bekommt Flückiger – wie wir – deftige Kopfschmerzen. Vielleicht kündigt sich ein finaler Tumor an. Es halten sich hartnäckig Gerüchte, das Luzerner Kommissariat stünde kurz vor seiner Schliessung.

Man würde ja eine Petition zu seinem Erhalt starten. Leider waren die Luzerner nie sehr viel besser als hier. Das ist kein Lob. Das ist ein Elend.

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