Nach dem grossartigen Wahlerfolg in Grossbritannien versucht die neue Regierung die übrigen europäischen Partner auszutesten. Im kommenden Jahr wollen sie ihr Wahlversprechen einhalten und über einen Verbleib in der Europäischen Union (EU) abstimmen. Sie reihen sich mit ihren Versprechen in diejenigen von Griechenland ein. Mit überzogenen Forderungen, die sie selbst nicht einhalten können kamen sie zu einem Wahlerfolg.

Die Abstimmung über den Verbleib hat die Regierung selbst nicht in der Hand, sondern gibt ihren Regierungsauftrag an die Wähler zurück. Bevor jedoch die Wähler erneut zur Urne gebeten werden, unternimmt die Downing Street eine Road Show durch die europäischen Regierungssitze und versucht ihre Vorstellungen in Gesprächen darzulegen. Dabei unternimmt die englische Politik das Mittel der Auslotung, inwieweit die Europäer ihnen entgegenkommen bei den Neuverhandlungen über den Verbleib in der EU.

So sollen die Lissabonner Verträge noch einmal mit Grossbritannien verhandelt werden und neue Zusgestänisse für die Insel herauskommen. Den Europäern insbesondere Paris und Berlin ist zu raten diesem Ansinnen nicht im Ansatz entgegenzukommen. Es wäre ein Aufdröseln, der mit den anderen 27 Eurostaaten geschlossenen Verträge und somit der Anfang vom Ende. Danach kämen andere Staaten, die ebenfalls in Nachverhandlungen sich besser stellen wollen, um ihre Wahlversprechen zu Lasten der übrigen Staaten durchzusetzen.

Viele Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel

Ein Ausscheren aus der EU hätte nicht nur politische sondern auch wirtschaftliche Folgen. Allein die Warenausfuhr von der Bundesrepublik auf die Insel betrug im vergangenen Jahr 84 Milliarden Euro. London hat eine gewichtige Stimme bei den wirtschaftlichen Entscheidungen in Brüssel und ist ausserdem ein Nettozahler in die EU-Kasse. Die wirtschaftlichen Beziehungen sind in den letzten Jahren zum Festland erheblich gewachsen und die Verflechtungen sind besonders bei den Automobilherstellern bemerkbar.

Bei einem Ausscheiden stehen jedoch erhebliche Arbeitsplätze auf dem Spiel. Die grossen Automobilhersteller werden daher überlegen, ob sie weiter Personenwagen und Ersatzteile in England anfertigen wollen, denn eine dann anfallende Einfuhrimportsteuer würde die Endprodukte mehr als belasten. Auf der Insel arbeiten über 450'000 Mitarbeiter in Autofabriken, die somit auf der Strasse stehen würden.

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Ausserdem ist die Londoner - City vor allem die Finanzzentrale Europas, in der grosse Investments zusammenfügt und zum Abschluss gebracht werden. In Zukunft könnte sich das Zentrum nach Frankfurt oder nach Luxemburg verlagern mit dem Verlust von geschulten Fachkräften, die für solche Geldgeschäfte hervorragend ausgebildet sind. Auch die USA könnten von diesem Aderlass profitieren. 

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