Darum geht's
  • Die Einführung der digitalen ID in der Schweiz, geplant für 2026, soll die Nutzung von Online-Diensten bei Finanzdienstleistern und Behörden erheblich vereinfachen, wobei noch politische Hürden zu überwinden sind. 
  • Moderne Technologien ermöglichen ein schnelles und sicheres Onboarding, während dezentrale Identitäten den Nutzern und Nutzerinnen mehr Kontrolle und Privatsphäre bieten. 
  • Entscheidend für den Erfolg der E-ID wird die Nutzerakzeptanz sein, die von der Benutzerfreundlichkeit und dem Mehrwert der digitalen ID abhängt.
     
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Die digitale ID, mit der man die Online-Dienste von Finanzdienstleistern und Behörden nutzen kann, soll nach den Plänen des Bundesrates ab 2026 angeboten werden. Sie soll vollständig beim Staat angebunden und im Vergleich mit ihren Vorgängerprojekten vielseitiger und breiter nutzbar sein. Wenn die User das wünschen, können sie sich damit auch gegenüber Privatunternehmen wie Banken und Versicherungen digital ausweisen und auch onboarden. 

Der technische Rahmen ist abgesteckt, jetzt folgen die Beratungen im Parlament, und sobald diese abgeschlossen sind, läuft die Frist für ein mögliches Referendum. «Es gilt noch abzuwarten, ob ein solches Referendum initiiert wird», äussern sich Expertinnen und Experten zurückhaltend.

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Herausforderungen bei der Implementierung einer digitalen Identität

«Die aktuelle Herausforderung in der Schweiz besteht darin, dass keine breit anerkannte digitale Identität vorhanden ist», sagt Raffael Grob, Senior-Product-Manager und Digital-Identity-Experte bei Netcetera in Zürich. «Wer eine digitale Identität für die Kommunikation mit Kundinnen und Kunden nutzen möchte, steht vor der Herausforderung, eine solche mit bestehenden Lösungen zu entwickeln, während gleichzeitig der Weg für die neue Schweizer E-ID freigehalten werden soll.» Heute implementierte Lösungen würden sich in naher Zukunft also nochmals stark verändern, also beispielsweise mit der Schweizer E-ID verknüpft oder durch diese ersetzt.

Schnelleres Onboarding durch moderne Technologien

«Es gibt bereits heute robuste Verfahren, um die Identifikation innerhalb weniger Minuten volldigital durchzuführen», so Grob weiter. «Per Mobiltelefon wird ein Ausweisdokument fotografiert und, wenn vorhanden und aus Sicherheitsgründen notwendig, der biometrische Chip ausgelesen. Danach erfolgt mit der Kamera des Mobiltelefons ein sogenannter Liveness-Check, der auf einem ‹Selfie› basiert. Künstliche Intelligenz gleicht das Passfoto mit dem Selfie automatisch ab, um die Person zu identifizieren», beschreibt der Experte den Vorgang. 

Das bringt auch ein schnelleres Onboarding bei Finanzdienstleistern und vereinfachte Verfahren, wenn das Smartphone mit dem installierten Mobile Payment verloren geht. «Betrüger, die sich zum Beispiel an mein Bankkonto machen wollen, werden es durch moderne, gute digitale Identitäten viel schwerer haben», so Grob.

Einfluss europäischer Standards und dezentrale Identitäten

Die Schweiz lehnt sich laut Grob stark an die Entwicklung der europäischen Standards an. Das Verfahren der dezentralen Identität (Self-Sovereign Identity) hat sich durchgesetzt. «Das ist eine sehr gute Nachricht für uns alle», so Grob. «Dezentrale Identitäten geben uns Menschen viel Macht zurück, die wir in den letzten Jahren Grossfirmen abgegeben haben.» Die staatlichen E-IDs stehen in gewisser Form in Konkurrenz mit privaten Unternehmen und Grosskonzernen.

Startups und Blockchain-Technologien als Innovationstreiber

«In Bezug auf Startups, Blockchain und innovative Technologien stehen wir heute in einer gross angelegten Experimentierphase», so Grob weiter. «Blockchain ist eine Möglichkeit unter den technischen Lösungen, um eine sogenannte Registry für dezentrale Identitäten zu betreiben.» Startups sind wichtig, um hier neue Ideen zu liefern.

Bedeutung der Nutzerakzeptanz für den Erfolg der E-ID

«Die Nutzerakzeptanz wird entscheidend sein für den Erfolg der E-ID», erklärt Leo Huber, Managing Director Security Solutions bei Adnovum in Zürich. «Diese Akzeptanz wiederum ist von verschiedenen Faktoren abhängig, so etwa von der Benutzerfreundlichkeit und vom Mehrwert, den die E-ID den Nutzern und Nutzerinnen bringt.» 

Ein gutes Beispiel dafür ist die Suisse ID, welche etwa 2010 lanciert wurde. «Gemäss einer Konzeptstudie des Fedpol aus dem Jahr 2013 führte auch eine wenig komfortable Installation dazu, dass die Suisse ID die Nutzerakzeptanz nie wirklich erreicht hat», so Huber.

Evaluierung technischer Szenarien für die Schweizer E-ID

Oft wird Estland als Vorbild genannt. Die Schweiz evaluiert laut Huber aktuell zwei technische Szenarien. Im ersten würde man sich nach dem Architecture and Reference Framework (ARF) der Europäischen Union richten. «Das ARF setzt auf heute etablierte Technologien. Dieses Szenario wäre deshalb tendenziell einfacher zu implementieren», so Huber. «Hier bestehen jedoch zum Teil Bedenken bezüglich der Privatsphäre der Nutzenden.» 

Beim zweiten Szenario würden laut Huber Technologien verwendet, welche den Inhaberinnen im Ökosystem ein höheres Mass an Privatsphäre bieten sollen als das erste Szenario. «Ein Beispiel wäre die ‹Unlinkability› – also das Verhindern der Möglichkeit, verschiedene Ausweise miteinander zu verknüpfen und so ein Tracking über verschiedene Dienstleister einzurichten», erläutert Huber diesen Vorgang. «Eine weitere Möglichkeit wären Predicate Proofs, also die Möglichkeit, zu beweisen, dass man über 18 ist, ohne dabei sein Alter preiszugeben.»

Die Technologien im zweiten Szenario haben jedoch im Vergleich zu jenen im ersten Szenario einen geringeren Reifegrad, was die Unsicherheit in Bezug auf die technische Umsetzung erhöht.

Vereinfachtes Onboarding durch die E-ID

Laut Huber wird sich das Onboarding erheblich vereinfachen. So werden sich die Nutzerinnen und Nutzer mit der E-ID ausweisen können, während das Aufsuchen eines Schalters oder eine Videoidentifikation in vielen Fällen entfallen wird.

Digitale Ausweise und verifizierte Dokumente im digitalen Ökosystem

«Wirklich spannend wird es, wenn innerhalb eines grösseren Ökosystems digitale Ausweise wie zum Beispiel das Diplom einer Universität, eine Wohnsitzbestätigung oder ein Arztzeugnis ausgestellt und von Dienstleistern verifiziert werden können», so Huber. «Dadurch können dann ganze Abläufe digitalisiert werden. Der Wert des Ökosystems wird steigen, je mehr Nutzerinnen und Dienstleister daran teilnehmen.»

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