Als die SNB Martin von der Federal Reserve abwarb, erhielt sie nicht nur einen erfahrenen Ökonomen, sondern auch einen potenziell wertvollen Aktivposten für die Diskussionen über die Finanzreform nach dem Niedergang der Credit Suisse. So hat sich Martin mit der Erforschung von Bank-Runs befasst und war an der Ausarbeitung von US-Massnahmen zur Stabilisierung des Finanzsystems nach der Finanzkrise von 2008 beteiligt.

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Der Wechsel zur SNB ist eine Art Heimkehr für den in der Schweiz geborenen Ökonomen, der 2001 sein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der University of Minnesota abschloss und dann in den USA blieb. Er war zunächst bei der Federal Reserve Bank of Kansas City und später in New York tätig und sammelte Erfahrungen in Bereichen wie Geldmärkte, geldpolitische Rahmenbedingungen und Kryptowährungen.

«Sein Hauptanliegen war es schon als Doktorand, die Probleme des Bankensektors zu verstehen, insbesondere Bankenpaniken», sagt V.V. Chari, Professor für Wirtschaftswissenschaften in Minnesota und Martins Dissertationsberater.

Experte für Geldmärkte, Pensionsgeschäfte und Liquidität

Seine nächste Bewährungsprobe wird darin bestehen, dass er sein Fachwissen zum ersten Mal nicht mehr in einer beratenden Funktion anwenden wird. Bei der Fed erwarb er sich einen Ruf als Experte für Geldmärkte, Pensionsgeschäfte und Liquidität auf den Finanzmärkten. Er half politischen Entscheidungsträgern dabei, die Reaktionen der Finanzinstitute auf die Massnahmen und Fazilitäten der Zentralbank zu durchdenken.

«Antoine ist pragmatisch. Wir konnten uns zusammensetzen und über Probleme oder Reibungen sprechen, und er konnte sich einen Rahmen ausdenken, der anwendbar war», sagte Lorie Logan, die mit Martin in New York zusammengearbeitet hat und jetzt Präsidentin der Dallas Fed ist. «Er hatte ein grosses Interesse an der operativen Seite unserer Arbeit».

Während der globalen Finanzkrise, als die Fed sich mit den Herausforderungen der Umsetzung der Geldpolitik mit einer grösseren Bilanz auseinandersetzte, gehörte Martin zu denjenigen, die den politischen Entscheidungsträgern den Rahmen vorstellten, den sie schliesslich annahmen, das «Floor-System» der Zinssätze, das immer noch in Kraft ist.

Bei der SNB löst Martin Andrea Maechler ab und wird die Abteilung III leiten, die für die Geldmärkte und die Devisenreserven zuständig ist, die die Bilanz der SNB aufgebläht haben. Martin wird aber auch für die Experimente der Nationalbank mit digitalen Währungen verantwortlich sein. (Bloomberg/hzb/pg)