Die UBS wird voraussichtlich einen Buchgewinn von bis zu 51 Milliarden Franken auf die Credit Suisse schreiben können, wenn sie die Notübernahme ihres kriselnden Lokalrivalen wie geplant im Mai abschliesst. Der Sondergewinn – wohl der grösste in der Geschichte des modernen Bankwesens – erwächst aus einem als «negativer Goodwill» oder auch etwas scherzhaft als «Badwill» bekannten Buchhaltungsprinzip. Demnach führt der Kauf zu einem Abschlag auf den Buchwert zu einem Gewinn beim Käufer. Die UBS zahlt für die CS gerade einmal 3 Milliarden Franken, während der Buchwert per Ende März bei 54 Milliarden Franken lag.

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Die UBS sagte am Dienstag bei der Präsentation der Quartalszahlen nur, dass sie einen «materiellen Gewinn» aus dem negativen Goodwill erwartet, ohne eine Zahl zu nennen. Es gibt auch zahlreiche Negativfaktoren, die den Gewinnschub schmälern könnten. So dürften erhebliche Restrukturierungskosten anfallen, die UBS könnte Vermögenswerte der Credit Suisse abschreiben und weitere Rückstellungen für Rechtsrisiken bilden. Die CS selbst hat im ersten Quartal bereits 1,3 Milliarden Franken auf ihr Wealth Management abgeschrieben.

Die UBS hatte die Credit Suisse in einer staatlich eingefädelten Transaktion Mitte März vor dem Kollaps gerettet. Der Kaufpreis liegt auch deutlich unter dem Aktienkurs vor der Übernahme, der wiederum selbst klar unter dem Buchwert lag. Alleine der Wert des Inlandsgeschäfts der Credit Suisse beträgt laut Analysten ein Vielfaches des Kaufpreises.

Teil der Übernahme war auch die komplette Abschreibung von 16 Milliarden Franken an Additional-Tier-1-Anleihen (AT1) der Credit Suisse durch die Schweizer Bankenaufsicht Finma. Diese führte ironischerweise zu einem Rekordgewinn in dem wahrscheinlich letzten Quartal der Credit Suisse als eigenständige Bank – und treibt damit auch den negativen Goodwill in die Höhe.

Die UBS könnte mit einem Gewinn in der Grössenordnung von 51 Milliarden Franken Geschichte schreiben. Als Erfolg des operativen Geschäfts kann dieser Effekt freilich nicht gelten – und bei der bereits äusserst kritischen Schweizer Öffentlichkeit dürfte er auch keine Begeisterungsstürme entfachen. Das UBS-Management beeilte sich daher auch, auf die erheblichen Risiken hinzuweisen, die sie mit der Übernahme auf sich nimmt.

UBS könnte Zahlen aus Q2 erst später veröffentlichen 

Den Rekord mit dem höchsten Quartalsgewinn im modernen Bankwesen hält für die USA und Europa bislang JP Morgan. Die US-Grossbank erwirtschaftete im ersten Quartal 2021 einen Gewinn von 14,3 Milliarden Dollar. Die Industrial & Commercial Bank of China hat diese Marke schon mehrfach übertroffen.

Die UBS wird die Ergebnisse für das zweite Quartal möglicherweise erst später veröffentlichen, um mehr Zeit für die Vorbereitung dieses aussergewöhnlichen Quartalsberichts zu haben. Die Bank hat noch keine Details zur Integration bekannt gegeben, etwa zum Umfang des geplanten Stellenabbaus und die Kosten der Restrukturierung. Mit dem Badwill könnte die UBS ihre Kapitalreserven schützen und einen Puffer für erwartete und unerwartete Belastungen aus der Transaktion aufbauen.

Auch wenn der Buchwert der Credit Suisse einen Puffer gegen Verluste bietet, hat sich die UBS darüber hinaus noch Garantien von der Schweizer Bundesregierung gesichert. Sie würde bis zu 9 Milliarden Franken an Verlusten bei bestimmten Vermögenswerten übernehmen, nachdem die ersten 5 Milliarden Franken Verluste von der UBS abgedeckt werden. Falls nötig, könne eine weitere Verlustbeteiligung mit der Schweizer Regierung vereinbart werden, so die UBS am Dienstag.

Verluste aus von der Credit Suisse übernommenen Geschäften, die nicht in die Abwicklungseinheit eingegliedert sind, fallen nicht unter den Verlustschutz. Das bedeutet, dass die UBS einen «Anreiz hat, vorsichtig zu sein», wie sie die von der Credit Suisse übernommenen Vermögenswerte klassifiziert, sagte UBS-CEO Sergio Ermotti am Dienstag vor Analysten.

(Bloomberg/mth)

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