«Eigentlich ist es unnötig, den Leuten reinen Wein einzuschenken. Sie können ihn von unreinem Wein nicht mehr unterscheiden.» Vernichtender kann man die Verheerungen nicht beschreiben, welche die sogenannte Informationsgesellschaft in den Köpfen der Menschen angerichtet hat. Wenn er damit recht hätte, wäre auch Frank Hertels Buch unnötig. Denn er schenkt «reinen Wein» ein.

Der Soziologe, Pädagoge und Religionswissenschaftler beschreibt die Welt der körperlich harten Arbeit, der langen Arbeitstage mit Hungerlöhnen, wie wir sie uns in unseren komfortablen Büros gar nicht mehr vorstellen können. Frank Hertel schildert in seinem Buch diese Welt aus eigenem Erleben – mit einer verblüffenden Schlussfolgerung. So unglücklich, wie man meinen könnte, sind die Menschen dort gar nicht. Möglicherweise haben sie sich auch nur damit abgefunden.

Anders als weiland Günter Wallraff mit seinen Industriereportagen legt es Hertel nicht auf die Empörung der Leser an. Er beschreibt ganz einfach und unsentimental das, was ist: die Frustrationen und Hoffnungen der Menschen, ihren Alltag. Ohne sie wäre unsere klinische Welt nicht lebensfähig. Und bei aller Brutalität ist die Welt «da unten» zuweilen auch ziemlich komisch.

Frank Hertel: Knochenarbeit
Hanser, München
205 Seiten
Fr. 21.90

 

Weitere Bücher:

Beat Kappeler

Wie die Schweizer ­Wirtschaft tickt

NZZ, Zürich,

224 Seiten, Fr. 44.–

Gewerkschaftssekretär, Dozent, Buchautor – und vor allem Journalist: Beat Kappeler hält Rück- und Ausschau. In der Tonart ist sein Text bissig, aber nur selten verletzend – und zuweilen wohl­tuend selbstironisch.

 

N. Thom, A. Wenger

Die optimale ­Organisationsform

Gabler, Wiesbaden, 
210 Seiten, Fr. 56.90

Organisation ist nicht alles, aber ohne Organisation ist alles nichts. Eine didaktisch vor­bildliche, wissenschaftlich fundierte und doch sehr ­praxisnahe Anleitung für Fach- und Führungskräfte.

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Max Otte

Stoppt das 
Euro-­Desaster!

Ullstein, Zürich,

48 Seiten, Fr. 6.50

Nicht die Griechen haben die Eurokrise ausgelöst, ­sondern die globalen Finanz­oligarchen, denen man jetzt dringend das Handwerk legen sollte. Übrigens: Schon bei der Subprime-Krise lag Max Otte richtig.