Mit mehr als fünf Jahren Verspätung ist es soweit: Heute präsentiert die Schweizerische Nationalbank (SNB) die neue 50-Franken-Note. Sie gleicht ihrem Vorgänger nur im Wert und in der Farbe, wird im Format aber kürzer und schmaler. Zudem ziert sie zum ersten Mal keine Persönlichkeit, sondern ein «typisch schweizerisches Motiv», wie die SNB schreibt.

Die jetzige 50er-Note wird zurückgerufen – jedoch erst, nachdem die letzte Stückelung der neuen Note im Jahr 2019 in Umlauf gebracht wurde, erklärt die SNB auf Anfrage. Auch dann droht keine Hektik: Banknoten können anschliessend während 20 Jahren bei der SNB umgetauscht werden. Und nach Ablauf dieser Frist? «Dann können Sie ein Feuer aus ihren alten Noten machen – oder sie sammeln», sagt Banknoten-Experte José Truyol von der Münzenhandlung Erwin Dietrich. Und Letzteres ist recht lukrativ – wie sich zeigt.

80'000 für eine Banknote

Auf Online-Plattformen oder in Wechselstuben kaufen und verkaufen Sammler alte Banknoten teils zu einem Vielfachen ihres ursprünglichen Werts. Der Münzenkatalog für 2016 beziffert den empfohlenen Preis für eine intakte 100er-Note aus dem Jahr 1907 etwa mit 5000 Franken, eine 20er Note von 1920 kostet auch mal 1200 Franken. Am Ende entscheidet der Liebhaber, was er zu zahlen bereit ist.

Der Preis wiederum richtet sich laut Truyol nach der Qualität der Note: wie oft sie gefaltet wurde, in welchem Zustand das Papier ist. Dann sei die Exklusivität entscheidend, also wie selten eine Note ist. Auch die Druckart, das Motiv und die historische Bedeutung spielen eine Rolle bei der Preissetzung. «Für ganz exklusive Noten zahlen Schweizer Sammler schon mal bis zu 80'000 Franken», so Truyol. Das seien meist Konkordatsnoten aus der Zeit vor 1907, bevor also die SNB anfing, einheitliche Geldscheine zu drucken und jeder Kanton noch seine eigenen Geldnoten herausgab.  

Erben schwemmen den Markt mit Noten

Von 1000-Noten gewisser Kantone gebe es teilweise nur noch Einzelexemplare, bestätigt Ruedi Kunzmann, Numismatiker vom Münz-Auktionshaus Sincona. Seiner Erfahrung nach liege die Obergrenze, die Sammler für Einzelstücke in der Schweiz zahlen, jedoch eher bei 50'000 Franken. Für höhere Summen sei der Schweizer Sammler-Markt zu klein. Es gebe nur rund 20 bis 30 Sammler, die im Auktionssaal viel Geld in die Hand nähmen, um Banknoten zu erstehen, schätzt er.

Gerade beim Nachwuchs ist das Banknotensammeln nicht mehr so in Mode, wie Notenhändler Truyol bestätigt. «Früher spielte die Jugend Fussball, sammelte Briefmarken, Münzen und Banknoten. Heute haben die Jungen eine riesige Palette an Hobbies zur Verfügung.» Dazu komme, dass die Generation, die früher gesammelt habe, langsam wegsterbe, so Truyol. Deshalb werde aber auch viel neue Ware auf den Markt geschwemmt, da die Erben alte Sammlungen verkauften. Dies führe zu einem Überangebot an Banknoten – selten seien diese jedoch von guter Qualität.  

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Banknoten – das neue Gold?

Lohnt sich die Banknote dennoch als Geldanlage – wie etwa Kunst oder Gold? «Es gibt keine 100-prozentig sichere Anlage», so Truyol. Mit den Banknoten sei es wie bei der Kunst: Wenn man investieren wolle, müsse man auf Seltenheit und beste Qualität setzen. Und auch dann käme es immer noch darauf an, was gerade beliebt sei – danach richte sich der Preis. Truyol sagt: «Gerät etwas aus der Mode, kann der Preis sehr schnell abfallen.»

Kunzmann von Sincona widerspricht dem grundsätzlich: Banknoten seien kein sinnvolles Investment. Allein schon wegen der bescheidenen Grösse des Schweizer Marktes seien kaum Spekulationen möglich. Als Anlage diene schon eher der Münzmarkt, auf dem etwa mit sehr seltenen, grossen Goldmünzen gehandelt werde. Banknoten seien dann eben doch das: Ein Stück Papier mit hohem emotionalen Wert für wenige Liebhaber.