Wie hoch ist das Risiko, sich am Arbeitsplatz das neue Coronavirus einzufangen? Einen interessanten Zugang bietet das schwedische Gesundheitsministerium Folkhälsomyndigheten: Es stellte die Anzahl der positiven Covid-19-Tests ins Verhältnis zur Grösse verschiedener Berufsgruppe (oder genauer: zur Häufigkeit, wie einzelne Berufe in der nationalen Statistik erfasst werden). 

Dies wiederum wurde in Relation zum Durchschnitt gestellt. Das heisst: Hat ein Beruf eine Quote von 2, so tragen die Beschäftigten hier ein doppelt so hohes Covid-19-Risiko wie der Schnitt; das Konfidenz-Intervall wird mit 95 Prozent veranschlagt.

Schwedens Daten sind besonders aussagekräftig, weil die Regierung keine Anti-Virus-Zwänge ausübte, so dass die meisten beruflichen Tätigkeiten in den letzten Monaten unter weitgehend normalen Bedingungen fortgeführt werden konnten.

Relativ am häufigsten fand sich das Virus bei den Taxifahrern, die – rein statistisch – ein fast fünfmal höheres Risiko trugen. Bemerkenswert der zweite Gefahren-Platz für die Pizzabäcker (das Risiko ist hier 4,5 mal höher als im Durchschnitt). Die Zahl könnte allerdings ein Hinweis darauf sein, dass weitere Faktoren ins Covid-19-Berufs-Risiko hineinspielen; also dass es bei gewissen Berufsgruppen zur Häufung anderer Risiken kommt – etwa Verwandtschaft in Italien oder beengte Wohnverhältnisse. 

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Insgesamt deutet die Liste aber an, dass sich Berufsleute mit hoher Mobilität plus Kunden-Exposure wohl leichter anstecken – oder aber Berufe, bei denen man Geräte bedienen oder reinigen muss, die von vielen Menschen benutzt werden.

Das «gute» Abschneiden von Lehrern, Hort- und Krippenpersonal scheint wiederum zu bestätigen, dass Kinder alles mögliche sein können – aber sicher nicht die «Superspreader» dieser Pandemie.

Leider ist die Auswertung aus Stockholm sehr begrenzt, klassische Büro-, Kader- und Managementberufe fehlen vollständig. Auf die Gesundheitsberufe verzichteten die Autoren explizit, da diese Profis viel intensiver und regelmässig mehrfach getestet wurden, so dass keine Vergleichsbasis zu anderen Branchen besteht.

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(rap)