Die Nachricht kam überraschend, doch das Ganze war von langer Hand geplant. Schon vor mehr als zwei Jahren teilte Morten Hannesbo seinem Verwaltungsratspräsidenten, Amag-Eigentümer Martin Haefner, mit, «dass ich nicht bis 60 im Job bleiben möchte». Unter anderem möchte er «in Zukunft meine drei Enkel öfter sehen können». Hannesbo ist im November 58 geworden.

Seit 14 Jahren arbeitet er für die Amag, wo er Mitte 2007 als Chef des Zentralbereichs Import einstieg und im Oktober 2009 zum CEO avancierte. Zuvor leitete er Ford Schweiz, arbeitete für Nissan, Toyota und die Reederei AP Moeller-Mærsk.

Nach seinem Abtritt Ende Februar wird Hannesbo «erst einmal für einige Monate ein Sabbatical antreten, dann mache ich mich auf die Suche nach passenden Verwaltungsratsmandaten», kündigt er an. Denn: Hannesbo und seine Frau Lotte bleiben in der Schweiz wohnen, «und wir würden gern Schweizer werden».

Beziehungen gepflegt, Wachstum gesteigert

Während Hannesbos Amtszeit hat sich die Amag stark verändert. Als er antrat, hatte bereits der damalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking der Amag den Importvertrag für die Sportwagenmarke gekündigt, und mit den Marken VW und vor allem Audi unter dem damals kraftstrotzenden Chef Martin Winterkorn harzte es ebenfalls kräftig. Der Däne konnte die Wogen glätten, pflegte die Beziehung mit Wolfsburg fortan und schlug einen Wachstumskurs ein.

Der Umsatz, 2006 vor Hannesbos Antritt noch bei 3,5  Milliarden Franken, stieg 2019 auf 4,7 Milliarden, und der Schweizer Marktanteil wuchs von 22,7  Prozent auf knapp 30  Prozent. Zwischenzeitlich erneuerte die Amag ihr Logo, überstand mehrere Wirtschaftskrisen, zügelte den Hauptsitz nach Cham und modernisierte die Firmenkultur – Hannesbo schreibt bis heute jeden Mittwoch eine SMS an die Mitarbeiter.

Zudem besetzte er viele Schlüsselpositionen neu, zuletzt holte er den Schweiz-Chef von Renault, Olivier Wittmann, als Import-Chef zur Amag. Auch sein Nachfolger als CEO, Helmut Ruhl, der vom Daimler-Konzern kam und dort viel internationale Erfahrung gesammelt hat, gilt als Hannesbo-Wunschpersonalie.

Hannesbo kommt nicht in den Amag-VR

In den Verwaltungsrat der Amag wird Hannesbo nicht einziehen, das ist mit Haefner abgesprochen. Als langjähriger CEO und «Changemaker» wäre Hannesbo zu nah und zu tief drin im Geschäft; aus Gründen der Good Corporate Governance nicht ideal. Deshalb erfolgt ein klarer Schnitt. Beim Suchen nach Mandaten könnte wohl Top-Headhunter Bjørn Johansson behilflich sein; die beiden kennen sich viele Jahre.

Künftig hat Hannesbo mehr Zeit für die Familie, aber auch für seine sportlichen Hobbys. Der ambitionierte Velofahrer nahm bereits am 1000-km-Radrennen «Tortour» teil. Zudem pilotiert er eine Honda Gold Wing, ein Touren-Motorrad. Seinen schnelleren Töff hat er verkauft.