Das ist er also, sechs Zylinder. Was bei Porsche, ich sag nur: Boxer, für Enthusiasmus im obersten Drehzahlbereich der Markenfans sorgt, war Ferrari und damit den Ferraristi bisher zu popelig, um sich damit zu befassen (sofern man die Dinos der siebziger Jahre einmal beiseitelässt, die aber nie offizielle Ferraris waren). Aber andere Zeiten, andere Motoren.

Nicht einmal Ferrari kommt um die Elektrowende herum, «dank» der brettharten Abgasvorschriften der EU. 2025 bringen die Italiener ihren ersten reinen Stromer an den Markt. Zuvor also Trockenübungen mit Downsizing-Motor und angeflanschtem E-Motörli.

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25 Kilometer rein elektrisch liegen drin, aber der wahre Auftrag der Batterie ist: Vortrieb verstärken.

Ob der 296 ein echter Ferrari ist, darüber braucht man nicht ernsthaft zu diskutieren – wobei genau dieses Thema natürlich dem C-Level in Maranello die grössten Sorgen macht: Wie zukunftsfähig ist die Petrolheads-Fraktion, mutmasslich die grösste Partei im Kundenkreis?

Erste Meldungen von der Verkaufsfront zeigen: Dinos Enkel sind in der Familie willkommen.

Der Testfahrer

Dirk Ruschmann fährt seit 25 Jahren Auto. Er schreibt über Unternehmen, Manager, Autos und andere bewegliche Teile.

Optisch ist der 296 ohnehin ein klassischer Ferrari mit Mittelmotor. Kurze Front, Fahrgastzelle mit hübscher Dachlinie, die in ein gefühlt kaum enden wollendes Heck mündet. Vorne eine Luftzufuhr wie ein Hai-Maul und moderne Scheinwerfer, hinten ein mit waagerechten Elementen unheimlich breit wirkendes Heck, oben wiederum gelungenes Leuchtendesign, was nicht immer so war in der jüngeren Vergangenheit, unten ein mächtiger Diffusor.

Falls mich an dem Design überhaupt etwas stört, dann die mächtigen Lufteinlässe an den hinteren Radhäusern. Aber da überlege ich noch.

Tatsächlich wenig angemessen finde ich die kuriosen Blinkertasten auf dem Lenkrad in Hartplastik, sparen könnte sich Ferrari auch die fummeligen Richtungsänderungshebelchen auf der Mittelkonsole, die man zudem bestätigen muss mit einem Impuls der Schaltwippen – die fest an der Lenksäule montiert sind. Ich weiss, da scheiden sich die Geister, ich habs lieber mitdrehend. Manchmal schaltet man ja mit eingeschlagenem Lenkrad.

 
Der Ferrari 296 GTB
  • Antrieb: 3-Liter-V6-Motor plus E-Antrieb 
  • Verbrauch: 7,4 Liter Super Plus
  • Systemleistung: 830 PS (610 kW) 
  • 0–100 km/h:2,9 s Vmax: 330 km/h 
  • Preis: ab rund 308'000 Franken

Aber was solls. Ferrari ist Ferrari und will gefahren werden. Und das macht der 296 grenzgenial. Extremst sauber und vertrauenerweckend lenkt er ein, hat immer Grip vorne, leistet sagenhafte 830 PS und fühlt sich trotz Elektro und Turbolader wie ein Sauger an: Es kommt immer noch mehr Leistung, statt Turbo-Tritt in den Hintern und dann Erschöpfung.

Auf den Hügelstrassen um Maranello kann man ihn derart treiben, dass nicht nur einmal der Gedanke kommt: Das könnte eng werden. Wird es nie.

Der 296 GTB kostet einiges mehr als die Achtzylinder F8 Tributo, Portofino oder Schönling Roma – völlig zu Recht.