Via Vittorio Veneto, ein lauer Sommerabend. Wer die gewundene Strasse heute hügelan geht, ahnt trotz McDonald’s und Hard Rock Café den Glanz früherer Tage, da Marcello Mastroianni hier die Gesellschaft von Adligen und Prominenten und Frauenbekanntschaften suchte. Die alten Stadthotels an der Via Veneto flüstern noch heute von der Zeit, als hier das Epizentrum des Nachtlebens von Rom lag.

Der Ferrari Roma weckt Erinnerungen an genau diese Zeit.

DIRK RUSCHMANN fährt seit 25 Jahren Auto. Er schreibt über Unternehmen, Manager, Autos und andere bewegliche Sachen. 

Schon im vergangenen Monat habe ich hier vom Verlieben in ein Auto fabuliert, und da ging es um einen modernistischen Hybriden (den Polestar  1). Beim Roma wäre demnach eine Steigerungsform angebracht, aber dauernde Lobeshymnen nutzen sich ab. Also nur dies: Für mich ist das der schönste Ferrari seit langer Zeit.

Vor allem die Achtzylinder, der Roma ist auch einer, waren seit dem 458, also seit rund einem Jahrzehnt, von fragwürdigem Design der Leuchten und stark zerklüfteten Karosserien gezeichnet – um nicht zu sagen: entstellt. Performance-orientierte Fans mögen das anders sehen, aber ich fand die Zwölfzylinder 599 und 812 die attraktiveren Autos. Der neue Sechszylinder-Hybrid 296 GTB greift Stilelemente des Roma auf.

Ferrari Roma

FERRARI ROMA: Der neue Purismus wirkt zeitlos und elegant.

Quelle: PD

Aber genug von persönlichen Vorlieben. Das Schöne am Roma ist der Verzicht auf jede optische Demonstration von Leistung und Aerodynamik. Er verlässt sich ganz auf die grundlegende Architektur seiner Form. Und weil die sehr stimmig geriet, wirkt der neue Purismus zeitlos und elegant. Ein Gianni Agnelli der Strasse.

Also, schön ist er. Ob das aber noch ein «richtiger» Ferrari ist, darüber diskutieren die Ferraristi emotional. Denn im Gegensatz zum aktuellen Sport-Achtender F8 Tributo gibt sich der Roma punkto Fahrverhalten zahm: Er nimmt Gaspedalbefehle zögerlicher an, schaltet enorm früh die Gänge hoch, und das Fahrwerk federt konziliant statt kompromisslos, vermittelt in Kurven nicht ganz so viel Seitenstabilität.

Ferrari Roma

Antrieb: 3,9-Liter-V8-Turbo-Benzinmotor

Verbrauch: 10,3 Liter

Leistung: 620 PS (456 kW)

0–100 km/h: 3,4 s

Vmax: 320 km/h

Preis: ab 231 000 Fr.

Der Roma, sagt ein Ferrari-Mann offiziell, soll einfach zu fahren sein, zum Gipfeli-Holen taugen. Es sei eben ein GT, ein Gran Turismo, kein Sportler wie der F8. Wer es schneller möge, könne ja den Kickdown einsetzen. Oder gleich F8 kaufen.

Dagegen lässt sich nicht viel sagen. Der bekannte Achtzylinder mit seinen mächtigen 620 Pferden bringt jedenfalls ausreichend Energie auf für standesgemässe Längsbeschleunigung. Und der Roma ist sicher nicht als Lambo-Gegner gedacht, sondern für jene, die mit Stil nach Portofino oder den Zürichberg hinaufrollen wollen. Oder die Via Veneto. Da passt er besser hin als jedes andere Auto.