Die Geschäftsidee?
Ein biometrisches Identifikationssystem mit Datenschutz-Garantie, das auf der dreidimensionalen Erkennung der Fingervenen basiert, die nicht repliziert werden können.

Wie ist sie entstanden?
Identitäts- und Datendiebstahl sowie Cybercrime werden immer bedrohlicher und bewirken immer grössere Schäden. Sich auf eine manipulationssichere Lösung zu kontrollierbaren Kosten verlassen zu können, ist zwingend.

Warum der Name?
Weil unsere Lösung eine eindeutige Identifikation mit starker Authentifizierung und Datenschutz umfasst (wahrscheinlich als einzige).

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Womit erzielen Sie die Umsätze?
Bis jetzt noch keine. Das Geld stammt aus Subventionen und von Investoren (zwei Finanzierungsrunden).

Die Vision?
Biometrische Identifikation extrem verlässlich zu machen mit hohem Datenschutz für die grösstmögliche Anzahl Menschen.

Die grosse Stärke?
Derzeit ist unsere Technologie die einzige, die nicht getäuscht werden kann – anders als die Erkennung von Fingerabdrücken, der Stimme oder der Iris. Gleichzeitig garantiert sie die verlässliche Erkennung und den Datenschutz dank einer sehr starken End-to-End-Verschlüsselung. Wir arbeiten mit den weltbesten Institutionen zusammen.

Die grösste Herausforderung?
Wir sind seit zwei Jahren in Kontakt mit interessierten Banken, NGOs und vielen afrikanischen Regierungen, die sehr interessiert an unseren Lösungen sind. Diese Verhandlungsperioden sind sehr lange für ein Start-up wie uns. Wir hoffen, dass einer dieser Interessenten sich definitiv für unsere Technologie entscheidet.

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Der bisher grösste Erfolg?
Das Pilotprojekt mit unserem Produkt VenoLock im Hôpital du Jura in Delémont. Unsere Technologie erlaubt oder sperrt den Zugang des Personals zu Räumen und Rechnern.

Das Überraschendste bisher?
Die Einfachheit der Benutzung: Es braucht keine Karte, keinen Badge, kein Passwort.

Der nächste Schritt?
Der kontaktlose Scanner ist momentan unsere Priorität. Das Idiap Research Institute in Martigny arbeitet mit uns bei dessen Entwicklung zusammen. Die Schweizerische Eidgenossenschaft unterstützt uns mit einer Million Franken.

Website: www.global-id.ch // Gegründet: Juli 2016 // Gründer: Lambert Sonna (65), CEO // Firmensitz: Lausanne // Anzahl Mitarbeiter: 6 // Umsatzziel für 2021: 500 000 Fr. // Profitabel ab: nicht absehbar («Wir hoffen auf einen ersten Vertrag 2021»).

Zwei Risikokapitalisten über die Chancen von Global ID

«Typisches EPFL-Spin-off»

Mike Baur, Mitgründer und Chef der Swiss Startup Group, der grössten Venture-Plattform der Schweiz:

«Sicherheit und Identifikation sind spannende Themen, die in Corona-Zeiten noch wichtiger werden. Global ID hat in diesem Markt eine sehr starke USP: Sie sind nach eigenen Angaben die Einzigen, die 3-D-Identifikation mit Hard- und Software kombinieren. Dass die Hardwareproduktion outgesourct ist, ist für den Anfang eine gute Lösung, wird aber bei der Skalierung eine Herausforderung werden. Der Gründer ist sehr gut ausgebildet und hat eine sehr wissenschaftliche Herangehensweise, die sich durch das ganze Team mit Top-Entwicklern zieht. Dieses ist stark in R&D, aber nicht sehr weit bei den Sales. Die Marktfähigkeit hat Global ID noch nicht bewiesen. Das ist insofern kritisch, als die IP der Firma nur durch Userdaten gefüttert wird. Und wenn es wenig Nutzer gibt, entwickelt sich die IP nicht weiter und damit auch die Leistungsfähigkeit des Produkts nicht – ein Teufelskreis, der unheimlich schwer zu durchbrechen sein wird. Die grösste Gefahr ist jedoch, dass ein Big Player wie Amazon etwas Ähnliches auf den Markt bringen könnte. Global ID muss daher sehr schnell Kunden gewinnen. Deshalb will man jetzt die ganze Welt auf einmal aufrollen. Vernünftiger wäre es aber, erst einmal Schlüsselmärkte wie Banking anzugehen. Insgesamt ein typisches EPFL-Spin-off: technologisch sehr spannend, aber mit Schwächen in der Vermarktung.»

 

«Lösung sucht Problem»

Cédric Köhler, seit 2007 Managing Partner von Creathor Venture mit Sitz in Zürich und Bad Homburg:

«Der Markt für sichere Identifikationslösungen ist global riesig und wird weiterwachsen. Ein 3-D-Venenscan ist hier ein neuer und einmaliger Ansatz. Dennoch halte ich den Product-Market Fit für relativ schwierig. Global ID mag zwar eine wasserdichte Lösung anbieten, aber das Problem ist durch die Zwei-Faktor-Identifizierung, die heutzutage Standard ist, schon relativ gut gelöst. Global ID bietet eine Lösung, die ein Problem sucht – ich glaube, es wird schwierig, einen grossen Markt damit zu erschliessen. Mir ist auch nicht klar, was nun der Mehrwert-Kern von Global ID ist: Ist es die Hardware, oder ist es die Software?

Der Gründer kann Tech, da habe ich keine Zweifel. Er hat auch eine wissenschaftliche Herangehensweise, spricht wie ein Professor. Immerhin ist er begeistert von seinem Produkt. Aber mir fehlt bei ihm und seinem Team der Geschäftssinn. Und gerade im B2B mit seinen langen Sales-Zyklen braucht es Stärke in der Exekution. Über ihr Netzwerk haben der Professor und seine Postdocs jetzt die ersten kleineren Projekte aufgegleist. Aber sie wissen noch nicht richtig, wie sie nachher welche Marktsegmente strategisch adressieren wollen. Man müsste sich nun fokussieren, aber so weit ist Global ID noch nicht. Insgesamt habe ich sehr starke Zweifel, dass das ein solides Unternehmen wird.»

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