Jörg Blunschi gibt nun mal die perfekte Kühlerfigur für die Misere der Migros ab. In den siebziger Jahren zog sie sich aus der Türkei zurück, in den Neunzigern nach Riesenverlusten aus Österreich. Die Basler Regional-Migros beendete 2013 ihre Versuche, Migros-Märkte in Deutschland beliebt zu machen; 1995 war das Ganze gestartet, nur in Lörrach und Freiburg hatten die Läden Geld verdient. Die Bewohner von Reutlingen, Ludwigsburg, Ludwigshafen, aber auch im grenznahen Bad Säckingen, waren vom orangen M nie genügend zu begeistern, um dort Geld zu verdienen. Die Migros weiss also, wie man Geld im Ausland verlocht – vielleicht gehört das ja sogar zur genossenschaftlichen DNA? Denn Jörg Blunschi, langjähriger Vormann der Migros Zürich, derzeit on the road in die Frühpension bei gleichzeitigem Aufstieg zum Präsidenten der Migros Aare, hat sich darin recht auffällig hervorgetan.

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Die deutsche Supermarktkette Tegut, die Blunschi den Zürchern Ende 2012 angelacht hatte, summiert bis heute operative Verluste von rund 50 Millionen Euro und hat noch eine Viertelmilliarde Euro Schulden bei der Migros – ohne einen kürzlich durchgeführten Schuldenschnitt wäre es nahezu das Doppelte. Mit Fitnessstudios im Ausland wurden weitere 100 Millionen Euro verbrannt, mindestens. Und ob die Zürcher Gastro-Töchter alles richtig machen, könnte man in einem Vierseiter diskutieren – dass etwa die Catering-Sparte in der Halle 550 in Oerlikon, die sie betreibt, die alkoholselige Messe «Man’s World» ausrichtet, passt so gar nicht zum ewig beschworenen Übervater Dutti.

Verstehen Sie mich richtig: Nichts gegen Blunschi, der macht zumindest was! Er agiert als Unternehmer in einem Unternehmen, das keins ist, sondern ein Organisations-Albtraum. Klar, Blunschi hätte auch einfach gute Ware in schönen Läden verkaufen können; das Kerngeschäft besser zu machen, wäre nicht so schwierig. Dass es stattdessen das Ausland sein musste, okay – aber er hat nun mal leider das Geldverdienen vergessen. Er passt also perfekt zur Migros.

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Dirk Ruschmann
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